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180 Sprühdosen und drei Container

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Das Gießener Kollektiv 3Steps trotzt der Corona-Krise auf besondere Weise: Zum einen haben die Künstler am Bahnhof in Limburg ihr bisher größtes Wandgemälde fertig- gestellt. Zum anderen wollen sie in ihrer Heimatstadt mit "QuARTainer" Möglichkeiten für bildende Künstler schaffen, ihre Kunst öffentlich auszustellen. Trotz Corona.

In poppigen Farben fährt von der linken Seite ein ICE-3 in das Bild, von rechts eine alte Diesellok - und in der Mitte sieht man eine Collage mit einer historischen Dampflok aus dem Lahntal und Motiven aus Limburg: Seit Ende November können Reisende am Bahnhof von Limburg dieses neue Kunstwerk bestaunen. Im Auftrag der Deutschen Bahn hat das Gießener Künstlerkollektiv 3Steps ein Gemälde auf 460 Quadratmeter Stahl am ICE-Bahnhof Limburg Süd gestaltet. Finanziert wurde die Maßnahme mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm des Bundes.

Ziel war es, den Bahnhof attraktiver zu gestalten. "Wir wollten hier bewusst den Blick zurückwerfen auf die Historie der Eisenbahn", so Carsten Hoepfner, Leiter des Bahnhofsmanagements, bei der offiziellen Einweihung dieser Tage. "Der Eisenbahn gehört aber auch die Zukunft - deshalb haben wir noch den ICE in das Bild integriert. Das Ergebnis übertrifft alle meine Erwartungen - ich freue mich, dass wir den Bahnhof auf diese Weise attraktiver gestalten konnten."

Die Zwillinge Kai H. und Uwe H. Krieger, Joachim Pitt sowie befreundete Künstler und Assistenten haben über vier Wochenenden im Oktober und November das Werk erstellt. Es ist das bisher größte Wandgemälde des renommierten Streetart-Kollektivs. Kai Krieger von 3Steps: "Es war eine einzigartige Chance für uns als Künstler, einen solch einzigartigen Bahnstandort mit unserer dynamischen Kunst und der Sprühdose zu vervollständigen. Wir freuen uns sehr, unser bis dato größtes Wandgemälde in einer Zeit, in der die Welt Kopf steht, fertig gemalt zu haben. Kunst ist, was verbindet und in schwierigen Zeiten Menschen Kraft gibt und Freude schenkt."

Die Farben der Bildmotive sind im typischen Stil der Künstler verfremdet. So zeigt sich der ICE in blau und die Diesellock in einem 80/90er- Jahre-Orange. Im Hintergrund spannen sich abstrakt große Ausschnitte von Bahngleisanlagen wie Weichen oder Bahnhofschienensysteme. Für die künstlerische Gestaltung auf den 37 Stahlplatten wurden 225 Liter Farbe verwendet, die auf eine Spezialgrundierung aufgespritzt und gerollt wurden. Hinzu kommen rund 180 Farb-Sprühdosen.

"QuARTainer" an Margaretenhütte

Die 3Steps haben aber auch noch ein weiteres Projekt am Start, für das sie auf der Crowdfunding-Plattform startnext.com Unterstützer suchen. Mit dem gespendeten Geld wollen Kai Krieger und seine Mitstreiter Geld sammeln, um Hochsee-Container zu kaufen und sie auf dem Gelände Margaretenhütte 38 zum Kunstraum umbauen zu können. Unter dem Titel "QuARTainer" wollen die "River Tales"-Initiatoren so eine Ausstellungsplattform schaffen, "auf der Künstler sich im realen Leben präsentieren können und in der Bürgerinnen und Bürger sowie Kunstinteressierte zu jeder Tages und Nachtzeit die Chance haben, Kunst im Realen zu erfassen und zu erleben", betont Kai Krieger.

Das Kunstwort "QuARTainer" steht dabei für eine Mischung aus Quarantäne und Container und ist ein Synonym für reale Ausstellungen, die auch während quarantäneartigen Lockdown-Bedingungen besucht werden können. "QuARTainer ist eine Forderung, dass Kunst in Zeiten der Covid-19-Pandemie ihren Raum braucht und für jedermann erlebbar bleiben muss", heißt es in der Projektbeschreibung.

In die Seiten eines jeden Containers soll Glas eingesetzt werden, damit dort "eine Plattform für Künstler aus ganz Europa, für die StreetArt und für alle, die darauf Lust haben", entstehen kann. Geld brauchen die 3Steps unter anderem für Kauf und Anlieferung von zwei bis drei Hochsee-Fracht-Containern, Statikberechnungen, den Ausbau mit Glasfronten, Elektrik und Innenraumdämmung und die Gestaltung einer passenden Außenanlage um die Container herum.

Weitere Infos - auch zur Mitwirkung - bei Kai Krieger über mail@huette38.de.

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