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Neue Spezial-Zapfsäule an Gießener Tankstelle: Hier gibt’s den seltenen R33-Krafstoff

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Von: Sebastian Schmidt

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Im Europaviertel kann jetzt R33 getankt werden. Mit dem Kraftstoff sollen sich 22 Prozent CO2 im Vergleich zu normalem Diesel einsparen lassen.
Im Europaviertel kann jetzt R33 getankt werden. Mit dem Kraftstoff sollen sich 22 Prozent CO2 im Vergleich zu normalem Diesel einsparen lassen. © Oliver Schepp

Das Unternehmen Roth Energie glaubt an CO₂-neutralen Diesel. In Gießen gibt es jetzt eine der beiden ersten R33-Tanksäulen in ganz Hessen. Der Kraftstoff wird zum Teil aus altem Frittierfett hergestellt.

Gießen - Grüne Blätter und darauf Wassertropfen - die neue Zapfsäule an der Tankstelle von Roth Energie im Europaviertel versucht Umweltfreundlichkeit zu signalisieren. Das Unternehmen hat in Gießen und Frankfurt zeitgleich die ersten Zapfsäulen hessenweit mit R33 Blue Diesel in Betrieb genommen. Was den Kraftstoff von Shell besonders macht, ist ein 33-prozentiger regenerativer Anteil. Der basiert ausschließlich auf Rest- und Abfallstoffen, mit sieben Prozent Biodiesel aus gebrauchten Speiseölen und 26 Prozent aus HVOs. Das steht für »Hydrogenated Vegetable Oils«, auf Deutsch hydriertes Pflanzenöl. Es wird laut Jörg Bergen, Vertriebsleiter bei Roth Energie, unter anderem aus altem Frittierfett von McDonald’s und Burger King gewonnen. Damit soll R33 insgesamt 22 Prozent CO2 einsparen im Vergleich zu regulärem Diesel.

Kraftstoff R33 in Gießen erhältlich: Drei Cent teurer pro Liter

Aber haben Dieselmotoren wegen des Klimawandels überhaupt noch eine Zukunft in Deutschland? Kevin Bartels, Teamleiter für Mitteldestillate bei Roth Energie, glaubt daran. »Der Vorteil ist, wir haben für diese Technologie schon alles da: die Infrastruktur und die Autos.« Dadurch könne mit geringem Ressourcenaufwand Umweltschutz betrieben werden. »Für dem Umstieg auf E-Autos braucht man ja eine neue Lade-Infrastruktur und auch die Batterieherstellung ist ein ökologisches Problem.«

Dass R33 im Moment drei Cent teurer als normaler Diesel pro Liter sei - obwohl er aus Abfall produziert werde - liege noch daran, dass der Kraftstoff in viel kleineren Mengen hergestellt werde, erklärt Georg von der Marwitz, Leiter der Roth Servicecard-Abteilung. Bei einer ganzen Tankladung mache sich der Preisunterschied laut Bergen aber nur minimal bemerkbar: »Wenn ich für 50 Liter Diesel 80 Euro bezahle, bezahle ich für die gleiche Menge R33 81,5 Euro.« Und dass die Autofahrer in Gießen jetzt für 1,5 Euro zusätzlich 22 Prozent CO2 im Vergleich zu normalem Diesel einsparen können, halten die Mitarbeiter von Roth Energie für eine kleine Sensation und einen wichtigen Schritt im Klimaschutz. Laut Bergen gebe es noch ein größeres Potenzial bei HVOs. Denn dass im Moment nur 33 Prozent von R33 aus dem Pflanzenöl bestehe, liege vor allem an einer deutschen DIN-Norm, der die Hersteller gerecht werden müssen, und die keine größere Beimischung zulasse. Georg von der Marwitz, Leiter der Roth Servicecard-Abteilung, hofft auf mehr Forschung in dem Bereich. »Schön wäre es, wenn wir irgendwann R100 haben.«

Kraftstoff R33 in Gießen: Nicht mit Bio-Diesel zu verwechseln

Was von der Marwitz besonders wichtig ist: »R33 darf man nicht mit dem früheren Bio-Diesel verwechseln.« Der Herstellungsprozess sei ein anderer, und R33 habe auch nicht die Probleme, die Bio-Diesel früher gehabt habe. »Der hatte ja einen höheren Verbrauch, die Einspritzdüsen verharzten gerne, und im Winter blieb man auch einmal liegen.« Mit R33 gebe es das alles nicht. Im Gegenteil: Der Kraftstoff sei durch die Zugabe von »modernsten Additiven« motorschonender als normaler Diesel. Ein weiterer Unterschied sei auch, dass für Bio-Diesel »Rapsfelder plattgemacht wurden« und man heute auf Abfallstoffe setze.

Laut Bergen wurde der Kraftstoff zuvor auch ausgiebig getestet. Volkswagen habe zum Beispiel bereits 2018 seine komplette Werksflotte auf R33 umgestellt. »Und wenn sie heute einen Diesel bei VW kaufen, dann haben sie da bereits R33 im Tank.«

Bei Roth Energie würden alle Mitarbeiter in ihren Dienstwagen mit R33 fahren - außer sie wohnen zu weit von Gießen weg, sagt von der Marwitz. Die eigene Tankkraftwagen-Flotte des Unternehmens könne aber nur zum Teil mit dem neuen Kraftstoff fahren, sagt Kim Dennis Backhaus, der Marketing-Leiter von Roth Energie. Das Problem hier sei, dass R33 auch für das Gießener Unternehmen erst anlaufe, die Kraftstoffe-Menge, die im Europaviertel vorrätig sei, würde noch nicht ausreichen, um die komplette Flotte zu betanken. Roth Energie plane als Nächstes Anfang 2022 an einer dritten Tankstelle in Krauthausen R33 anzubieten. Dann kommt es darauf an, ob die Kunden die Alternative auch annehmen. (Sebastian Schmidt)

Gießener Mineralölhändlerin Christiane Roth über die hohen Öl- und Dieselpreise: Die Versorgungslage ist kritisch.“

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