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Karsten Krüger rät zu einem Leben mit "geschlossener Bewegungsbiografie". FOTO: CSK

"Sport ist die beste Therapie"

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Der Sportwissenschaftler Karsten Krüger spricht in einem digitalen Vortrag an der Justus-Liebig- Universität über den Zusammenhang von Lebensstil und Immunsystem.

Auf das Bauchgefühl ist kein Verlass. Spüren könne man jene winzigen Entzündungen nämlich nicht, die sich zuerst im Bauchfett bilden und dann über Botenstoffe auf andere Teile des Körpers überspringen, erklärte Karsten Krüger am Dienstagabend seinen Zuschauern im World Wide Web. Im zweiten Teil der Online-Vortragsreihe "WissenSchafft Gesundheit - Erkenntnisse aus Psychologie und Sport" der Justus-Liebig-Universität sprach der Professor für Leistungsphysiologie und Sporttherapie zu dem Thema "Healthy (Immun-)Aging. Wie Lebensstilfaktoren die Infektionsanfälligkeit beeinflussen". Am Ende des fachwissenschftlich anspruchsvollen Referats stand eine für jedermann kinderleicht verständliche Botschaft: "Keiner muss zum Leistungssportler werden", sagte Krüger. Aber auch: "Regelmäßiges moderates Training reduziert Alterungsprozesse in den Immunzellen."

Natürlicherweise ließen die Abwehrkräfte schon im Alter von ungefähr 30 Jahren schrittweise nach. Ein wichtiger Faktor dabei sei ein sich langsam entwickelnder, niederschwelliger, aber chronisch-systemischer Entzündungszustand. Dieses "Inflammaging" ("Entzündungsaltern") belaste das Immunsystem und befeuere chronische Erkrankungen unterschiedlichster Art. Das "Immunrisikoprofil" eines Menschen verändere sich, während er parallel immer weniger Lymphozyten, also Abwehrzellen im Blut, bilde. Ob ein Immunsystem gesund oder nicht gesund altere, hänge demnach wesentlich von der Intensität der Mikro-Entzündungen im Körper ab.

Bauchfett reduzieren

Ähnlich wie bei Rauchern eine Lungenentzündung über den Blutkreislauf irgendwann auf andere Regionen überspringen könne, schafften dies auch die Prozesse im Bauchfett. Vor allem bei stark Übergewichtigen schütte das viszerale Fettgewebe vermehrt einen Botenstoff aus, der Insulinresistenz und andere Krankheiten begünstige. In der Folge seien meist erst die Gefäße betroffen, später unter anderem Muskeln. Aus lokalen Prozessen würden zusehends systemische - und damit Belastungen für das ohnehin an Kraft verlierende Immunsystem. Allerdings sei hier nicht nur ein dicker Bauch als Risiko zu betrachten, sagt Krüger. Auch Stress, ungesunde Ernährung und diverse andere "Lebensstilfaktoren" gehörten für eine umfassende Analyse dazu.

Nach all den eher alarmierenden Nachrichten präsentierte der Wissenschaftler noch einige ermutigende Fakten. Denn: Kaum etwas lasse sich so gut mobilisieren wie das Bauchfett, betonte er. Allerhöchste Eisenbahn dafür werde es, "wenn der Bauch deutlich breiter wird als die Hüfte". Treibe jemand nun regelmäßig Sport, steigere er automatisch auch die Konzentration von Myokinen im Blut. Diese hormonähnlichen Stoffe wirkten ihrerseits positiv auf die körpereigene Abwehr und könnten Entzündungen eindämmen oder stoppen. So gesehen, zeitige Bewegung doppelt positive Effekte - indem sie das Bauchfett reduziere und selbst heilend wirke. Studien hätten außerdem gezeigt, dass Impfungen bei älteren Menschen besser wirkten, wenn diese sportlich aktiv seien.

Und all das könne man sozusagen nebenbei erreichen, auf dem Fahrrad, beim Treppensteigen, während des Spaziergangs im Wald und in etlichen anderen Momenten. "Leben Sie einen aktiven Alltag - und das, wenn möglich, dauerhaft!" Das gab Krüger dem Publikum deshalb mit auf den Weg.

Entscheidend sei niemals das Prinzip "Viel hilft viel". Aus medizinischer Sicht zähle einzig und allein eine "geschlossene Bewegungsbiografie", in der sich keine längeren Zeiträume ganz ohne Sport fänden.

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