Spöttisch und amüsant

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Der zündende Humor des Berliner Autors Falko Hennig war schon vor neun Jahren in der Universitätsbibliothek aufgefallen und bestätigte sich nun ebendort bei seinem neuen Roman "Rikscha Blues". Die Lesung anlässlich des 90. Geburtstages von Walter Kempowski wurde von der Kempowski-Gesellschaft mitveranstaltet. Der habe ihn gefördert, als er noch lebte, merkte Hennig gegenüber dem Publikum an – unter anderem durch Aufträge, bei Literaturseminaren zu lesen. Auch wenn sich Hennig zufolge gedanklich gewisse Parallelen zu seinem Mentor erkennen ließen, der ihm künstlerische Impulse gegeben habe, betonte er seine Eigenständigkeit; Kempowskis Kulturpessimismus etwa teile er nicht.

Der zündende Humor des Berliner Autors Falko Hennig war schon vor neun Jahren in der Universitätsbibliothek aufgefallen und bestätigte sich nun ebendort bei seinem neuen Roman "Rikscha Blues". Die Lesung anlässlich des 90. Geburtstages von Walter Kempowski wurde von der Kempowski-Gesellschaft mitveranstaltet. Der habe ihn gefördert, als er noch lebte, merkte Hennig gegenüber dem Publikum an – unter anderem durch Aufträge, bei Literaturseminaren zu lesen. Auch wenn sich Hennig zufolge gedanklich gewisse Parallelen zu seinem Mentor erkennen ließen, der ihm künstlerische Impulse gegeben habe, betonte er seine Eigenständigkeit; Kempowskis Kulturpessimismus etwa teile er nicht.

"Rikscha Blues" knüpft an den Debütroman "Alles nur geklaut" an. Jedes Kapitel wird mit einem mottoartigen Vierzeiler eröffnet, den Hennig zur Einstimmung sang. Der Ich-Erzähler in dem autobiographisch gefärbten Buch ist in der DDR aufgewachsen und hat Schriftsetzer gelernt. Seine Druckerei gibt es indes längst nicht mehr. Nach der Wende hat er sich autodidaktisch zum Stadtführer und Rikscha-Fahrer weitergebildet und sieht sich nun mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert, muss ein möglichst breites Publikum ansprechen.

Im zunächst gelesenen Kapitel "Millionen in der Unterwelt" fährt der Protagonist mit seiner Tochter nach Paris. Dort plagt ihn nach der Trennung von seiner Partnerin Liebeskummer; Ablenkung findet er in Gesellschaftsspielen. Am Fuß des Eiffelturms lässt er sich von einer Rikscha-Fahrerin mitnehmen, verschweigt ihr, dass er in Berlin der gleichen Tätigkeit nachgeht und gibt ihr insgeheim Noten. Das Kapitel vermittelt augenzwinkernd touristische Erlebnisse, spielt dabei raffiniert mit Klischees; gerade der spöttische Ton lässt einen schmunzeln.

In "Jungfräulicher Ampelmann" und weiteren Kapiteln des episodenhaften Romans kristallisiert sich immer mehr das Bild eines unkonventionellen Lebenskünstlers heraus. Hennig lässt stets klar den gesellschaftlichen Hintergrund durchschimmern, vor dem sich sein Held bewegt, und überrascht durch amüsante Wendungen. Den Höhepunkt hob er sich für den Schluss auf: Im ersten Kapitel "Brief an Rikscha-Taxi" lässt ein Fahrgast seinen Unmut über Hennig aus, fühlte er sich doch gedrängt zu einer Odyssee durch Berlin, derart orientierungslos und aufdringlich wirkte dieser auf ihn. Das zugespitzte Kapitel sei "die Zusammenfassung aller Ängste, die Stadtführer haben", kommentierte der Autor.

Wie gebannt die Besucher ihm folgten, war auch beim anschließenden Publikumsgespräch anzumerken. (Foto: jou)

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