Tiermedizin ist eine der Ausnahmen: Die meisten Fächer kann in Gießen jeder Interessierte mit Hochschulzugangsberechtigung studieren. ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Tiermedizin ist eine der Ausnahmen: Die meisten Fächer kann in Gießen jeder Interessierte mit Hochschulzugangsberechtigung studieren. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Numerus Clausus-Check

Spitzenplatz für Gießen bei Zulassung zum Studium

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen steht auf Platz eins: Keine andere Hochschulstadt ab 40 000 Studierenden bietet laut CHE-Check so viele Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung.

Gießen(kw). Gießen ist Spitze: Keine andere Hochschulstadt ab 40 000 Studierenden bietet so viele Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung. Zu diesem Ergebnis kommt (wie berichtet) der jährliche "Check Numerus Clausus" des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Ist das eine gute Nachricht - oder betrüblicher Beleg dafür, dass Gießen als Studienort wenig begehrt ist? Auf GAZ-Anfrage äußern sich Uni und THM grundsätzlich erfreut und betonen, ein hohes Niveau sei auch ohne Vorab-"Aussieben" gesichert.

NC garantiert nicht hohes Niveau

Laut der CHE-Erhebung können sich Erstsemester in 80 Prozent der Gießener Studiengänge einschreiben, egal wie gut oder schlecht ihre Abiturnote ist. Im Bundesschnitt liegt die Quote bei knapp 60, am geringsten ist sie in Leipzig und Saarbrücken mit 35 Prozent. Insgesamt sinkt die Zahl der Zulassungsbeschränkungen wie auch der jungen Menschen - entsprechend härter wird der Wettbewerb der Hochschulen.

Die Justus-Liebig-Universität sieht sich dabei nach wie vor gut im Rennen. Rund 28 000 Studierende, hohe Auslastung 80 Prozent Zufriedenheit mit der Lehre - all dies sei "zweifelsohne sehr erfreulich", erklärt Sprecherin Lisa Dittrich. Wo man studieren möchte, sei eine "persönliche Gesamtabwägung", bei der sich manche "für urbanere Umfelder entscheiden".

Zulassungsbeschränkungen seien keine willkürlichen Entscheidungen, erklärt Dittrich. Eine Hochschule muss sie beim Land beantragen und darlegen, dass weniger Plätze als mutmaßliche Interessenten zur Verfügung stehen, etwa wegen begrenzter Anzahl der Dozenten oder Räume.

Derzeit sind an der JLU zirka 25 der 90 Studiengänge zulassungsbeschränkt. Zudem gilt für Tiermedizin, Medizin, Zahnmedizin ein bundesweiter Numerus clausus.

Ob das Aussieben der Bewerber noch nötig ist, "wird ständig neu bewertet", ergänzt Armin Eikenberg, Sprecher der Technischen Hochschule Mittelhessen. Dort wurden jüngst die Beschränkungen aufgehoben für Biotechnologie/Biopharmazeutische Technologie sowie Logistikmanagement. Damit unterliegen an der THM nur noch vier Bachelorstudiengänge einem NC: Architektur, Betriebswirtschaft, Eventmanagement und -technik sowie Medizinisches Management.

"Unsere Hochschule strebt - vor allem mit Blick auf den regionalen Bedarf an akademisch qualifizierten Nachwuchskräften - prinzipiell die Offenheit ihrer Studienangebote an", unterstreicht Eikenberg. Die seit Jahren starke Nachfrage spreche für die Attraktivität des Angebots.

Sinkt das Niveau, wenn man jeden nehmen muss? Nein, sagen die Sprecher. Die THM betont, es sei ja gerade ihr Auftrag, Studierwilligen mit Hochschulzugangsberechtigung einen Studienplatz zu bieten. Eine Zulassungsbeschränkung sei keine Niveaugarantie, sondern eine Notlösung aus Kapazitätsgründen. Unter anderem mit "Brückenkursen" unterstützt die Hochschule Kommilitonen mit Nachholbedarf.

Auch die Uni sieht "keinen Zusammenhang" zwischen Aussortieren und Anspruch. Prüfungen, Lernmaterialien oder Seminarinhalte würden nicht fortlaufend an ein vermeintlich geringeres Leistungsvermögen von Studierenden angepasst, wenn deren Abi-Schnitt sich verändert. Die Erfahrungen zeigten, dass Studierende, die beispielsweise durch die Fachoberschule eine verkürzte Vorbildung haben, keine schlechteren Ergebnisse erreichten; allerdings brauchten sie mitunter etwas länger bis zum Abschluss. Die JLU beobachte ständig alle Kennzahlen für Qualitätskriterien wie Studierbarkeit und Studienerfolg und steuere bei Bedarf nach.

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