+

Spiel’s noch einmal, Samy

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
    schließen

Auf dem Museumsschiff MS Bleichen im Hamburger Hafen hat Samy Deluxe ein Stück Rap-Geschichte geschrieben. Denn dort hat er sein Konzert für MTV Unplugged aufgenommen und sich selbst ein Karrierehighlight gesetzt. Nun war er unplugged auf dem Schiffenberg zu Gast - und auch dieses Konzert wurde zu einem Highlight im Gießener Kultursommer.

Wenn Rapper sanftere Töne anschlagen, mal die ganze Elektronik über Bord werfen und ihre teils aberwitzig schnell gesprochenen Texte ganz in den Mittelpunkt ihres Auftritts stellen, spätestens dann werden auch alle die zu Fans, die sonst vielleicht weniger mit Sprechgesang anfangen können. Voraussetzung ist allerdings, dass die Texte auch wirklich gut sind. Und daran kann bei Samy Deluxe kein Zweifel herrschen.

Der Mann kann eben alles, was er am Freitagabend bei seinem Auftritt im Gießener Kultursommer eindrücklich unter Beweis stellte: Tiefgang wie bei "Haus am Mehr", Beatboxing, Freestyle oder voller Selbstironie auf den Putz hauen wie in "Der Guteste". Im "Poesiealbum" seines Lebens, in das Samy Deluxe mit seinem unplugged-Konzert die Fans blicken lässt, hat der 1977 geborene Rapper jede Menge anzubieten. Er ist eben doch ein "Superheld", auch wenn auf eine andere Art, als es sein Sohn vielleicht gerne gehabt hätte. Sein Flow ist eben "alles außer out, alles außer alt", auch nachdem der "Rap-Rentner" seit so vielen Jahren im Geschäft ist.

Samy Deluxe war Inhaber des Labels Deluxe Records, gilt als Urgestein des Deutsch-Raps und ist mit über einer Million verkauften Tonträgern einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Rapper. Doch mit jeder Menge Blechbläsern, Gitarren und gleich zwei Schlagzeugern und in der puren unplugged-Ästhetik kommen seine Songs nocheinmal ganz neu und frisch rüber.

"Hebt die Hände hoch!"

Deluxe-Songs waren - mal abgesehen von all dem branchenüblichen Kiffer- und Rapper-Gehabe - schon immer auch gesellschaftlich relevant. Seine Kampfansagen gegen Nazis, Rassisten, Konsumterrorismus, hat er zwar oft schon vor Jahren geschrieben, aber sie sind aktueller denn je. Sein größter Hit "Weck mich" - in der aktualisierten unplugged-Version leider eine Spur zu dauerwuchtig - ist da ein Paradebeispiel

Die Fülle an prominenten Gastsängern, die Samy Deluxe bei seinem unplugged-Debüt in Hamburg aufgefahren hatte, kann er auf dem "familiären" Schiffenberg natürlich nicht bieten. Doch Band-Mitglieder und die famosen Backgroundchorsängerinnen erweisen sich als nahezu gleichwertiger Ersatz.

Das Publikum auf dem Schiffenberg erlebt den "Big Baus of the Nauf", der sich mit flinker Zunge "durch den Rap-Dschungel schlägt mit dem Mic als Machete", mit seinen "weiten Hosen und einem natürlich dunklem Teint" wie ein Fels in der Brandung im Meer der Töne. Schlagfertigkeit, durchaus charmant und künstlerisch gereift zeigt sich Samy Deluxe von seiner auch unplugged immer noch extrem beatlastigen Seite. Ein Genuss vom ersten bis zum letzten Ton.

Nach dem Konzert auf dem Schiffenberg liegt es nahe, das berühmte Filmzitat aus "Casablanca" leicht abgewandelt zu zitieren: "Spiel’s noch einmal, Sam(y)".

(Foto: sag)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare