Ein Team präsentiert ihren Prototypen am Ende eines Game Jams. FOTO: PM
+
Ein Team präsentiert ihren Prototypen am Ende eines Game Jams. FOTO: PM

Spiele-Erfinder von morgen

  • vonSebastian Schmidt
    schließen

Gießen(seg). Ob auf dem Handy, der Konsole oder dem PC - Computerspiele sind allgegenwärtig. Und sie sind längst nicht mehr nur Zeitvertreib für Kinder, sondern haben sich zu einem milliardenschweren Geschäft entwickelt. Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) interessieren sich für die Entwicklung von Spielen und organisieren die Studentenwerkstatt Games.

"Eine Werkstatt zu sein, bedeutet für uns, dass Studierende ihre Ideen und Projekte umsetzen können", erklärt Georgiana Ciobica, eine der Projektverantwortlichen. Auf diese Weise sei sie auch selbst dazugestoßen. Sie habe die Idee für einen Podcast über Computerspielentwicklung gehabt und sei damit auf die Werkstatt zugegangen. Dort habe sie Gleichgesinnte getroffen und ihr Projekt realisieren können: Ein Kommilitone und sie laden abwechselnd Gäste ein und interviewen sie zu Themen wie Charakter-Design oder Dialoge in Videospielen. Mittlerweile hat der Podcast 15 Folgen auf Youtube. "Der Podcast ist auch eines der Projekte, die trotz Corona weiterlaufen", sagt sie. Das funktioniere leider nicht überall so.

Die Studentenwerkstatt Games richtet seit 2014 jährlich die Fachkonferenz "Games Couch Conference" aus. Mal in Gießen, mal in Friedberg sind bis zu 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland gekommen. "Acht Personen halten Vorträge, im Anschluss haben Interessierte die Chance, sich zu den Themen auszutauschen." Die Konferenz werde dieses Jahr aber wegen Corona nicht stattfinden können - zumindest nicht gewohnt.

Projekte leiden unter Corona

Auch der monatliche Games- Stammtisch musste ins Internet verlegt werden. Normalerweise findet er immer abwechselnd in Friedberg und Gießen statt und bietet Neulingen eine Möglichkeit, die Werkstatt außerhalb der Hochschule kennenzulernen. "Die Stammtische sind ein gemütlicher Ort, um sich austauschen zu können", erzählt Ciobica.

Zu den weiteren Institutionen der Studentenwerkstatt gehören Game Jams. Mindestens einmal im Semester treffen sich bis zu 30 Interessierte, um ein Computerspiel zu einem vorgegebenen Thema zu entwickeln. Zuerst werden aus den Anwesenden Teams gebildet: Ob Programmierer oder Designer, jeder könne sich nach seinen Fähigkeiten einbringen, sagt Ciobica. Die Teams haben dann drei Tage Zeit, einen Prototypen zu entwickeln, den sie am letzten Tag vorführen. Ciobica ist davon sehr begeistert: "Es entstehen jedes mal richtig kreative Projekte." Die meisten Studierenden kommen aber zu ihren Veranstaltungen, wenn sie Workshops für Engines (auf deutsch: Motoren), wie Unity oder CryEngine anbieten. "Engines sind wie Baukästen für Baukästen", erklärt sie. Wenn sie eine Engine benutzt, nehme sie viele unterschiedliche Code-Teile und stecke sie zu einem System zusammen. Und das System benutze sie dann, um ein Spiel zu entwickeln. Das sei einfacher, als ein Spiel von Grund auf neu zu programmieren.

Engine-Workshops sind gefragt

Im Rahmen der Studentenwerkstatt wird aber nicht nur entwickelt und gelernt, sondern auch gespielt. Sie bieten eine Vernetzungsplattform für Studierende, die sich für E-Sport, den Wettkampf in Computerspielen, interessieren. Ciobica: "Am Anfang des Semesters kann man sich eintragen und es werden Teams gebildet." Die treten dann in Hochschul-Ligen gegen die Mannschaften anderer Universitäten an. Die Studierenden der THM sind teilweise sehr erfolgreich. THM eSports Gießen sind mehrmalige Hochschulmeister in dem Spiel CS:GO. Die Studentin erklärt aber: "Da die Spieler mit ihrem Studium fertig sind, gibt es die Mannschaft jetzt nicht."

Die THM bietet übrigens keinen Studiengang Spiele-Entwicklung an. Ciobica sagt, dass sei aber auch nicht notwendig, um in der Branche Fuß zu fassen. "Wichtig ist, dass man ein Portfolio hat, also dass man Arbeiten an unterschiedlichen Projekten vorweisen kann." Dafür sei die Studentenwerkstatt Games (www.thm.de/games) eine gute Plattform.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare