Ob die Kult-Kneipe Zwibbel öffnen wird, ist fraglich. Schließlich macht der Laden erst nach 23 Uhr richtig Umsatz.
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Ob die Kult-Kneipe Zwibbel öffnen wird, ist fraglich. Schließlich macht der Laden erst nach 23 Uhr richtig Umsatz.

Corona-Einschränkungen

Gießen: Sperrstunde schlägt voll ein! Manche Kneipen bleiben ganz zu: „Verordnung tödlich“

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Der Schock war für viele Gastwirte riesig. Der Kreis Gießen hat verkündet, dass ab Samstag (17.10.2020) eine Sperrstunde gilt. Manche Kneipen werden wohl auf vorher nicht öffnen.

  • Nach einem rasanten Anstieg der Corona-Zahlen reagiert der Kreis Gießen mit schärferen Regeln.
  • Ab Samstag (17.10.2020) gilt eine Sperrstunde in Restaurants und Kneipen.
  • Die Gastwirte in Gießen und Umgebung sind hart getroffen, manche werden wohl gar nicht erst öffnen.

Gießen - Mit zwei neuen Allgemeinverfügungen hat der Landkreis Gießen am Donnerstagabend auf den Anstieg der Corona-Fälle und das damit verbundene Erreichen der nächsten Eskalationsstufe reagiert. Für das öffentliche Leben in der Stadt Gießen bringen die neuen Verfügungen einschneidende Veränderungen mit sich. So hat der Landkreis unter anderem eine Sperrstunde für Gaststätten festgesetzt. Ab Samstag müssen alle Lokale um 23 Uhr schließen. Ab dieser Uhrzeit »dürfen auch keine alkoholischen Getränke mehr zum Verzehr im öffentlichen Raum verkauft werden«, schreibt der Landkreis. Dies gilt auch für Tankstellen und Kioske. Zudem müssen in Gaststätten und Hotels außerhalb des eigenen Sitzplatzes beziehungsweise Zimmers Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden.

Corona-Sperrstunde in Gießen: Apfelbaum zu, andere wohl auch

Für die Gastronomen in Gießen ist die Corona-Sperrstunde ein harter Schlag. Schließlich waren die vergangenen Monate schon schwer genug. »Es wird eng, wenn man an die Wirtschaftlichkeit der Kneipe denkt«, sagt KW-Betreiber Haiko Schimpf. Mit der Uhrzeit könne er sich jedoch einigermaßen arrangieren, da gerade die älteren Gäste ohnehin nicht bis in die Puppen bleiben würden. »Die ganz Wilden haben natürlich Pech gehabt. Ich kann damit aber einigermaßen leben«, sagt Schimpf. Der Wirt hat zudem schon eine Idee, wie er den Ausfall kompensieren will: »Wir werden einfach eine Stunde früher öffnen.«

Gastronom Torsten Ströher kann sich damit nicht behelfen. Seinen Apfelbaum wird er zum Beispiel gar nicht erst öffnen. »Das lohnt sich nicht, da die Apfelbaum-Gäste meist erst später kommen.« Die Kult-Kneipe Klimbim hingegen will der Wirt bis zur Sperrstunde geöffnet lassen. Ströher kann die Maßnahme einerseits verstehen. »Viele Menschen verhalten sich einfach unvernünftig«, sagt er. Auf der anderen Seite vertritt er die Meinung, dass die Ordnungsbehörden in Kneipen und Gaststätten wesentlich bessere Kontrollmöglichkeiten hätten als im privaten Raum. »Wenn sich die Leute jetzt mit 20 Personen in einer Wohnung zum Trinken treffen, ist das auch nicht gerade förderlich.«

Ob die Zwibbel in GIeßen aufmachen wird, ist noch unklar, die Zeichen stehen jedoch schlecht. »Die neue Verordnung ist tödlich für uns«, sagt der stellvertretende Chef Adam Mendjici. Den mit Abstand größten Umsatz mache der Laden schließlich erst nach 23 Uhr. Ob es lohnt, die Kneipe für nur drei Stunden zu öffnen, bezweifelt Mendjici daher. »Stand jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass wir öffnen. Höchstens nachmittags zum Fußball.«

Corona-Sperrstunde in Gießen: Einschränkungen zugunsten von „Schulen und der Wirtschaft“

Gießens Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Neidel hält die Sperrstunde für eine »sinnvolle Maßnahme«. »Wenn wir den Betrieb in Schulen und der Wirtschaft aufrechterhalten wollen, müssen wir im Freizeitbereich Einschränkungen hinnehmen. Ich denke, es ist am ehesten verkraftbar, nach 23 Uhr nicht mehr zu feiern«, sagt Neidel.

Die Corona-Sperrstunde ist nicht die einzige Konsequenz aus den gestiegenen Infektionszahlen. Demnach wird vom Landkreis Gießen »dringend empfohlen«, auch im öffentlichen Raum Masken zu tragen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Dies gilt zum Beispiel für den Seltersweg oder den Marktplatz. Mit 142 aktiven Fällen und einer Inzidenz von 38,1 befindet sich der Landkreis seit Donnerstagabend in der dritten von fünf Eskalationsstufen. Die Verfügung gilt bis 1. November.

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