An Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers (Foto) erinnert eine Ausstellung in der Moruskirche. Sie kann noch bis 15. November täglich von 18 bis 19.30 Uhr besichtigt werden. FOTO: DPA
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An Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers (Foto) erinnert eine Ausstellung in der Moruskirche. Sie kann noch bis 15. November täglich von 18 bis 19.30 Uhr besichtigt werden. FOTO: DPA

Dem Rad in die Speichen fallen

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Noch bis 15. November ist die Wanderausstellung "Dietrich Bonhoeffer, dem Rad in die Speichen fallen" in der Moruskirche zu sehen. Es ist eine der wenigen Ausstellungen, die aktuell zu besichtigen sind.

Im August 1944 schrieb Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis an einer "Schrift", mit der er hoffte, "für die Zukunft der Kirche einen Dienst tun zu können". Entsprechend seiner lebenslangen theologischen Auffassung ging es Bonhoeffer nicht etwa um ein Wort zur Lage der Kirche nach dem erhofften Ende der NS-Diktatur und des Krieges und erst recht nicht um die Restauration der verfassten Kirche. Er wollte vielmehr ein neues Nachdenken über die Aufgabe und damit das Wesen der Kirche in der und für die Menschheit insgesamt.

Die Morusgemeinde in der Grünberger Straße nutzt die Gelegenheit, noch bis zum 15. November mit einer Wanderausstellung an den in den frühen Morgenstunden des 9. April 1945, also vor 75 Jahren, von den Nationalsozialisten hingerichteten Kirchenmann und seine Gedanken zu erinnern. Die Ausstellung wurde auf Initiative des Fördervereins St. Thomas Morus nach Gießen geholt. Mit dem Theologen hatte man sich während einer Klausurtagung beschäftigt und war so auf die Idee gekommen, die Schau auch in Gießen zeigen zu wollen. Es ist eine der wenigen Ausstellungen in der Stadt, die aktuell unter Corona-Bedingungen besichtigt werden kann. Zu sehen sind 13 Bildtafeln und eine PowerPoint-Präsentation.

Bonhoeffers geistiges Erbe in seiner ganzen Tiefe und Vielfalt ernst zu nehmen und weiterzutragen, dazu lädt die Ausstellung täglich zwischen 18 und 19.30 Uhr ein (es gelten die AHA-Regeln). Die Schau informiert unter anderem über Leben und Wirken des evangelischen Theologen, will aber auch bewusstmachen, wie wichtig Überzeugungstreue und Zivilcourage angesichts von Ausgrenzung, Entrechtung und Rechtsextremismus sind.

Die 13 Tafeln der Schau entstanden 1998 im Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes-Kepler-Universität in Linz/Österreich. Eine Kopie dieser Tafeln erwarb der Dietrich-Bonhoeffer-Verein 2014. Der Verein, gegründet 1983, fördert die Wahrnehmung christlicher Verantwortung in Kirche und Gesellschaft. In Leben und Werk Bonhoeffers sieht der Verein eine unverändert gültige, in die Zukunft weisende Herausforderung zu kritischem Glauben, Denken und Handeln. Und das ist ganz aktuell: Für Bonhoeffer war Kirche "Christus als Gemeinde existierend". Im füreinander und Andere da sein, bestehe die christlich bestimmte Freiheit. Die aktuelle gesellschaftliche Diskussion dreht sich um einen anderen Freiheitsbegriff. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und eigene Lebensgestaltung sind hohe Güter. Sie stehen aktuell in Spannung zur Notwendigkeit von Gesundheits- und Lebensschutz. So wird die Frage des "Masketragens" zum Symbol dessen, was in unserer Gesellschaft zählt. Und Bonhoeffers geistiges Erbe brandaktuell.

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