Gabriele Turck, Julia Richtberg (Violine), Alexander Richtberg, Wolfgang Düthorn (Violoncello) und Barbara Weiske (Viola) machen die Uni-Aula zum Konzertsaal. FOTO: RW
+
Gabriele Turck, Julia Richtberg (Violine), Alexander Richtberg, Wolfgang Düthorn (Violoncello) und Barbara Weiske (Viola) machen die Uni-Aula zum Konzertsaal. FOTO: RW

Spannung auf hohem Niveau

  • vonDr. Olga Lappo-Danilewski
    schließen

Wie jedes Jahr im Vorfrühling trafen sich in dem mit Primeln und Kulinarik liebevoll arrangierten Ambiente des Uni-Hauptgebäudes Musikfreunde, Mitglieder und Förderer des Soroptimist Clubs Gießen.

Die Vorfreude auf ein Musikereignis von hohem Niveau bestimmte die Atmosphäre des Nachmittags: Am Sonntag machten Mitglieder des SWR-Orchesters sowie des Staatsorchesters und des RSO Stuttgart die Aula zum Konzertsaal.

Nach Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und der Präsidentin von Soroptimist International Gießen, Dr. Mareike Banka begrüßten die Vertreterinnen der heimischen Hilfsorganisationen Nadine Seyler (Unvergesslich Weiblich) und Kerstin Pfeiffer (Autonomes Frauenhaus) das Publikum im voll besetzten Saal. In den Ansprachen wurden sowohl Gewaltprävention als auch Hilfsangebote für Frauen thematisiert.

Rauschender Beifall

Der musikalische Einstieg setzte mit dem populären ersten Divertimento D-Dur des jungen Wolfgang Amadeus Mozart den angemessenen optimistischen Akzent. Die Geigerinnen Gabriele Turck und Julia Richtberg, der Cellist Alexander Richtberg und die Bratschistin Barbara Weiske gefielen mit munterem Zugriff im Allegro, gaben dem Andante klar artikulierte Konturen, und ein flott musiziertes Presto bot den leichtgewichtigen Schluss.

Welch ein Kontrast dazu Anton Arenskys Streichquartett a-Moll mit seinen dunklen Farben. Hier hatten sich die Musiker ein interessantes Werk des hierzulande wenig bekannten russischen Komponisten ausgesucht, der zu den bedeutendsten Lehrern seiner Zeit in Russland zählte und u. a. Rachmaninow und Skrjabin ausbildete. Das 1894 entstandene dreisätzige Opus in der ungewöhnlichen Besetzung zwei Celli (Alexander Richtberg, Wolfgang Düthorn), Violine (Gabriele Turck) und Bratsche (Barbara Weiske) widmete Arensky Peter Tschaikowski, der im Jahr zuvor verstorben war. Ein seelenvolles Thema im mittleren Satz, zu Beginn von der Violine intoniert, zitiert und variiert ein Lied von Tschaikowski; Trauermarschklänge und Motive aus der orthodoxen Liturgie tauchen auf, und der Finalsatz imponiert mit einem wilden Tanz. Hüpfende Pizzicato-Passagen und Dämpfer-Effekte lassen aufhorchen.

1892 schrieb Alexander Glasunow das Streichquintett A-Dur. In dieser anspruchsvollen, eleganten, vielfarbigen Kammermusik konnten die Streicher und Streicherinnen in die Vollen greifen und ihre technische Souveränität und musikalische Stilsicherheit aufs Beste beweisen. Allen voran die meist "ergänzende" Bratsche, die hier besonders schöne Soli bot. Melodieselig in lebhaften Tempi der erste Satz, im Scherzo machten ausgedehnte Passagen die Streich- zu Zupfinstrumenten. Ein warmtoniges Klanggemälde folgte mit dem Andante. Hier suggerierten die fünf Solisten mit viel Gefühl die melancholische Stimmung. Dem polterig-dunklen Auftakt des Schluss-Allegros und präzise fugierten Takten schloss sich ein stark folkloristisch gefärbter Teil an mit einem ausgelassenen Tanz, den die Musiker mit geballter Energie füllten. Der rauschende Beifall forderte eine Zugabe, da passte eine Wiederholung der zündenden Tanztakte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare