Neben einem Käfer aus dem Jahr 1949, einst persönlich restauriert von Firmengründer Ewald Michel, und einem VW-ID-Elektroauto posieren die Michel-Gesellschafter Petra Michel-Förstl, Andrea Michel-Lebeau, Dr. Kai Förstl und Regina Förstl.
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Neben einem Käfer aus dem Jahr 1949, einst persönlich restauriert von Firmengründer Ewald Michel, und einem VW-ID-Elektroauto posieren die Michel-Gesellschafter Petra Michel-Förstl, Andrea Michel-Lebeau, Dr. Kai Förstl und Regina Förstl.

Traditionsfirma

Gießener Autohaus Michel wird 60 – und steckt mitten im „Transformationsprozess“

  • Jens Riedel
    VonJens Riedel
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Viele Autofahrer aus der Region Gießen kennen das Autohaus Michel seit Jahrzehnten. Nun feiert der Familienbetrieb Geburtstag. Er soll in Zukunft spürbar wachsen.

Gießen – Die Zukunft des Automobils ist eine Formel mit mehreren Unbekannten: Klimawandel, Verkehrswende, neue Antriebstechniken und moderne Entwicklungen wie autonomes Fahren werden für Veränderungen in der Autobranche sorgen. Eines der größten Gießener Autohäuser, die Autohaus Michel GmbH & Co. KG, blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Der 60 Jahre alte Familienbetrieb (156 Mitarbeiter) baut neu und will bis Juni 2022 ein 25 000 qm großes Gebrauchtwagen- und Logistikzentrum in der Zeppelinstraße (ehemaliges US-Depot) eröffnen.

Mit dem Michel-Stammhaus in der Grünberger Straße (6500 qm), dem MH Autoforum (Audi-Zentrum an der Automeile, 11 000 qm) und dem Nutzfahrzeugzentrum (5600 qm, ebenfalls Automeile) wird Michel dann fast 50 000 qm Fläche in Gießen belegen. Das jetzige Gebrauchtwagenzentrum an der Automeile wird durch den Standort Zeppelinstraße ersetzt.

Autohaus Michel in Gießen: „Mit VW und Audi gut aufgestellt“

»Wir befinden uns mitten in einem Transformationsprozess. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Frage, wer und was wir in Zukunft sein wollen, planen bei aller Tradition konsequent die Neuausrichtung«, sagt Geschäftsführerin und Gesellschafterin Andrea Michel-Lebeau bei einem Pressegespräch zum 60. Geburtstag des Autohauses, das ihr Vater Ewald Michel am 5. Oktober 1961 gegründet hat.

Individuelle Mobilität werde weiter ein zukunftsfähiger Markt sein, darin sind sich die vier Inhaber einig, zu denen außer Michel-Lebeau ihre Schwester Petra Michel-Förstl, deren Sohn Dr. Kai Förstl (er ist seit zehn Monaten neuer Mitgesellschafter) und dessen Ehefrau Regina Förstl gehören. »Mit Mobilität ist der Freiheitsgedanke eng verknüpft, und diesen Gedanken wird es immer geben. Wir wollen in Zukunft Dienstleister für intelligente, individuelle Mobilitätsleistungen sein«, sagt Regina Förstl. Der Verbrennungsmotor sei bald Geschichte, es würden umweltfreundlichere Antriebsformen kommen, das autonome Fahren werde es künftig auch sehr alten Menschen ermöglichen, lange und sicher Auto zu fahren. »Das Automobil ist sicher Mitauslöser des Klimawandels. Aber es wird auch zentraler Teil der Lösung für individuelle, klimaneutrale Mobilität werden. Mit unseren Partnern VW und Audi sind wir dabei gut aufgestellt«, so Michel-Lebeau.

Autohaus Michel in Gießen: Autovermietung wird wichtiger

Zudem eröffnen Veränderungen stets neue Marktchancen. »Wir vermieten heute schon über 100 Fahrzeuge, beschäftigen uns mit Carsharing und der zeitweisen Überlassung von Fahrzeugen«, sagt Kai Förstl, der sich intensiv um Neubau und Neuausrichtung kümmert. Fünf Millionen Euro in den neuen Standort nahe der Autobahnabfahrt Ursulum zu investieren, sei eine »gut überlegte Familienentscheidung« gewesen, ergänzt Petra Michel-Förstl. Durch den Neubau auf einer zuvor von der US-Armee genutzten Fläche werde kein Boden neu versiegelt. Im Gegenteil: 92 Prozent der Fläche werden gepflastert, geschottert oder begrünt, sind damit versickerungsfähig und können bei Niederschlägen das Grundwasser anreichern. Die Fahrzeugwäsche erfolgt mit Niederschlags- und Brauchwasser.

Eine opulente Feier zum 60. Geburtstag wird es coronabedingt erst zur Eröffnung des Michel-Neubaus geben. Der Leitsatz »Leidenschaft steht am Anfang jedes Erfolgs« zieht sich seit sechs Jahrzehnten durch das Familienunternehmen, das seit der Gründung von drei auf 156 Beschäftigte gewachsen ist und im Jahr 2020 über 3800 Autos verkauft hat. »Wir konnten uns stets auf motivierte, gute Mitarbeiter und treue Kunden verlassen«, weiß Andrea Michel-Lebeau, wem sie und ihre Mitgesellschafter diese positive Entwicklung zu verdanken haben.

Autohaus Michel in Gießen: 1961 als Reparaturwerkstatt begonnen

Das Autohaus Michel wurde am 5. Oktober 1961 als Reparaturwerkstatt, Abschleppdienst und Tankstelle von Ewald Michel in der Grünberger Straße gegründet; seine ersten Angestellten waren zwei Mechaniker. 1992 starb Ewald Michel im Alter von nur 61 Jahren. Seine Töchter Andrea Michel-Lebeau und Petra Michel-Förstl sind seit 1988 in der Firmenleitung dabei. Inzwischen ist mit Dr. Kai Förstl und Regina Förstl auch die dritte Generation in die Unternehmensführung eingebunden. (jri)

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