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Christian Pöpken im Lesesaal des Stadtarchivs.

Sortieren, archivieren und Wissen zugänglich machen

Gießen (pm). Wer zum Gießener Stadtarchiv möchte, muss im Rathaus nach ganz oben fahren. Im vierten Stock haben die Mitarbeitenden um Stadtarchivar Christian Pöpken ihre Büros, auch der Lesesaal für die Öffentlichkeit ist dort untergebracht. Im Büro des Stadtarchivars stapeln sich Bücher, Aktenordner und Fotoalben. Wissen und Geschichte ordnen, sortieren, archivieren und für andere zugänglich machen:

Das ist Christian Pöpkens täglich Brot und er macht es gerne, wie er im Gespräch mit der Gießen Marketing GmbH verrät.

Von Geschichte fasziniert ist Pöpken bereits seit seiner Schulzeit im niedersächsischen Oldenburg. »Geschichte ist wie ein großes Puzzle, das sich immer mehr vor einem aufbaut.« Die Erkenntnisse, in welchen historischen Kontexten sich beispielsweise Gesellschaft und Stadt bewegen, haben natürlich auch immer einen spannenden Gegenwartsbezug, sagt er.

Zum Studium zieht Pöpken nach Marburg. Nach der Promotion arbeitet er zunächst am Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster. Sein Referendariat für den höheren Archivdienst führt ihn zum Staatsarchiv nach Marburg. Als der damalige Gießener Stadtarchivar Ludwig Brake in den Ruhestand geht, erhält Pöpken die Stelle.

Die Aufgaben des Stadtarchivs sind breit gefächert. »Zum einen sind wir natürlich Dienstleister für die Stadtverwaltung«, erzählt Pöpken. Seit mehr als 400 Jahren würden in der Stadt Akten gebildet. Daneben sollen aber auch Dokumente, die die Zeitgeschichte darstellen, für die Nachwelt erhalten bleiben. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs entscheiden und bewerten also mit, welche Akten der einzelnen Ämter ins Archiv wandern. Aktuell und in Zukunft ist auch die Digitalisierung von analogen Unterlagen ein Thema, mit dem sich das Stadtarchiv auseinandersetzen muss. Zudem steht die Transformation der städtischen Schriftgutverwaltung an: Die digitale E-Akte ist auf dem Vormarsch. »Wir kehren damit wieder zur Struktur eines einheitlichen Aktenplans zurück«, so Pöpken. Die Archivare sorgen ebenfalls dafür, dass historische Bestände in gutem Zustand erhalten bleiben. »Handwerkliche Arbeit wie Konservierungsmaßnahmen, richtige Lagerung und Verpackung von alten Urkunden, Karten und Folianten gehört auch zu den Aufgaben des Archivars«, so Pöpken. Das Archiv ist auch ein Ort für die historische Forschung, die jedem Interessierten offen stehen soll. »Wir verstehen uns als das kulturelle Gedächtnis der Stadt«, sagt er.

Älteste Urkunde ist eine Fälschung

Natürlich lagern auch historische Schätze im Magazin. »Unsere älteste Urkunde stammt aus der Zeit um 1285«, erzählt Pöpken. Ein Augustinerchorherr brachte den lateinischen Text in gotischer Buchschrift zu Pergament. »Heikel ist, dass in der Urkunde behauptet wird, sie stamme aus dem Jahr 1235 und sei von Graf Wilhelm von Tübingen, dem damaligen Gießener Stadtherren, ausgestellt worden.« Die Urkunde ist also eine Fälschung, aber nichtsdestotrotz das älteste Zeugnis der Stadt.

Gießen kann Pöpken nur Positives abgewinnen. »Die Stadt hat eine faszinierende Geschichte: Wir haben hier eine große Vielfalt an interessanten historischen Begebenheiten in überschaubaren Verhältnissen.« Besonders freut es ihn, welch großes Interesse die Gießenerinnen und Gießener selbst an der Geschichte ihrer Stadt haben. Auf die Frage, welche historische Person er gerne persönlich getroffen hätte, muss Pöpken nur kurz überlegen. »Georg Büchner wäre ich gerne begegnet. Zeitzeugen haben von der flammenden Rede gesprochen, die Büchner auf der Badenburg gehalten haben soll. Da wäre ich gerne dabei gewesen.«

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