Wort zum Sonntag

Sorgen abgeben

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Ich saß gerade mit meiner Tochter beim Abendessen, da klingelte es an der Haustür. Ein guter Bekannter stand vor der Tür. Nur ein wenig älter als ich. Ich merkte gleich, dass ihn etwas bewegte. Er wollte nicht mit ins Haus kommen. Er sagte mit zitternder Stimme: »Meiner Frau geht es gar nicht gut. Bei ihr wurde Krebs diagnostiziert.« Mir fehlten erst einmal die Worte.

Als ich sie wiederfand unterhielten wir uns noch kurz. Auf dem Weg zurück in die Küche dachte ich nur: »Das darf doch nicht wahr sein. Wie schrecklich.« Am gleichen Abend schrieb mir noch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Jungen Kirche Gießen. Bei ihr stand am nächsten Morgen eine wichtige Uni-Klausur an. Ich solle doch bitte an sie denken. Bevor ich ins Bett ging setzte ich mich hin und habe diese beiden Situationen Gott anvertraut. Und ich merkte, wie gut mir das tat, diese Dinge abzugeben.

Letzte Woche hatte ich Notfallseelsorgedienst. Zu vier Einsätzen wurde ich gerufen. Ich begegnete Menschen und Situationen, die herausfordernd waren. Lebensmomente, in denen ich Menschen begegnete, die voller Wut, Sorgen und Trauer waren. Oft sitze ich nach solchen Einsätzen im Auto und bin dankbar, dass ich davon abgeben darf. »Alle eure Sorge werft auf ihn, auf Gott, denn er sorgt für euch.« So schreibt es der Apostel im ersten Petrusbrief 5,7. Was für eine tolle Verheißung. Es ist einer meiner Lieblingssätze in der Bibel. Ich merke wie befreiend es ist, nicht alles selbst tragen zu müssen, sondern an Gott abgeben zu dürfen. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen und euch auch, gerade in Momenten, die einen sprachlos, ohnmächtig oder selbst voller Sorgen sein lassen. »Alle deine Sorge wirf auf ihn, auf Gott, denn er sorgt für dich.«

Alexander Klein

Ev. Stadtjugendpfarrer in Gießen

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