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Auch rund um den Kugelbrunnen haben sich die Gießener zum Mittagessen oder einem Kaffee versammelt. FOTO: SCHEPP

Ein Sonnenbad am Mittagstisch

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Das Leben kehrt zurück in die Stadt. Am Freitag haben viele Restaurants ihre Terrassen geöffnet und dadurch den Besuchern ein Stück Normalität beschert. Zumindest für ein Paar fiel die Öffnung sogar mit einem ganz besonderen Tag zusammen.

Man muss keine Gedanken lesen können um zu sehen, dass die Frau es sich gutgehen lässt: Tief im Liegestuhl versunken genießt sie die Sonne in der Löwengasse. Die Augen geschlossen, der Cappuccino auf dem Tisch. "Genial", sagt sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. "Das habe ich vermisst." So wie der Besucherin der Bäckerei Künkel geht es vielen Menschen an diesem Freitagmittag.

Es waren schwere Zeiten, die die Gastronomen in den vergangenen Wochen durchlebt haben. Kein Betrieb, kein Umsatz, dafür laufende Kosten und Sorgen um die Zukunft. Damit ist jetzt noch nicht Schluss. Einige Wirte lassen ihre Läden weiterhin geschlossen, da sie Zweifel haben, mit den umzusetzenden Maßnahmen vernünftig wirtschaften zu können. Viele andere wagen jedoch den Schritt und öffnen zumindest ihre Außenbereiche. Das belegt ein Gang durch die Innenstadt.

Die Löwengasse ist in helles Licht getaucht. Viele Sitzplätze sind belegt. Auch der neben der Sonnenanbeterin vor der Bäckerei. "Mich hat die Öffnung auch gefreut, das gehört einfach dazu." Trotzdem ist sie nicht euphorisch. Dafür stört es sie zu sehr, dass vor dem Lokalbesuch Namen und Adressen der Gäste erfasst werden müssen. "Mir geht es ums Prinzip: Was passiert mit meinen Daten? Und was wird aus meiner Privatsphäre?

Nicht nur in die Löwengasse zieht es die Innenstadtbesucher. Die Plockstraße gehört an diesem Freitag ebenfalls zu den Hotspots. Gleiches gilt für Markt- und Kirchenplatz, sämtliche Eisdielen und das Areal rund um den Kugelbrunnen.

Karin und Michael Lenz sind aus Marburg nach Gießen gekommen. Sie sitzen vorm Geschmacksverkehr und warten auf ihr Essen. Risotto mit Hühnchen für sie, Bifteki für den Herren. "Wir haben das sehr vermisst", sagt Karin Lenz. Dass die Öffnung des Restaurants ausgerechnet auf den 15. Mai fällt, ist für das Ehepaar ein Glücksfall. "Wir haben heute nämlich Hochzeitstag", sagt Michael Lenz und blickt zu seiner Frau hinüber. Die lacht ebenfalls. "Schöner hätte es nicht kommen können."

Wenige Meter weiter parkt ein Wagen der Ordnungspolizei. Der Beamte nimmt gerade einen am Marktplatz abgestelltes Auto in Augenschein. "Bisher haben wir die Gastronomie noch nicht kontrolliert, wir waren eher in den Außenbereichen unterwegs", sagt er. Im Laufe des Abends und am Samstag soll das jedoch verstärkt werden, auch durch Mitarbeiter des Gewerbeamts.

Sollte sich die Szenerie nicht großartig ändern, dürfte es wenig zu beanstanden geben. Die Restaurants sind gut besucht, aber nicht überfüllt. Vielleicht ist das die beste Nachricht: Die Stadt wirkt wie an einem ganz normalen Freitagmittag.

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