Sonderling auf Suche nach sich selbst

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Bereits zum dritten Mal war Schriftstellerin Saskia Hennig von Lange beim Literarischen Zentrum zu Gast. Nach "Alles, was draußen ist" und "Zurück zum Feuer" präsentierte sie nun im KiZ ihren neuesten, 2018 erschienenen Roman "Hier beginnt der Wald". Wie die Autorin anmerkte, sei sie sich der "Metapherngeladenheit" des Waldes bewusst, wählte ihn gleichwohl als "Ort des Befreiens und Loslassens". Von Buch zu Buch würden ihre Protagonisten immer einsamer, stellte Moderator Nicolaus Webler fest. Dass es stets männliche, weit von ihr entfernte Figuren seien, erleichtere ihr das Schreiben "ohne Autobiografieverdacht", zudem sei sie geprägt durch eine "männlich dominierte Sprache", erläuterte Hennig von Lange.

Bereits zum dritten Mal war Schriftstellerin Saskia Hennig von Lange beim Literarischen Zentrum zu Gast. Nach "Alles, was draußen ist" und "Zurück zum Feuer" präsentierte sie nun im KiZ ihren neuesten, 2018 erschienenen Roman "Hier beginnt der Wald". Wie die Autorin anmerkte, sei sie sich der "Metapherngeladenheit" des Waldes bewusst, wählte ihn gleichwohl als "Ort des Befreiens und Loslassens". Von Buch zu Buch würden ihre Protagonisten immer einsamer, stellte Moderator Nicolaus Webler fest. Dass es stets männliche, weit von ihr entfernte Figuren seien, erleichtere ihr das Schreiben "ohne Autobiografieverdacht", zudem sei sie geprägt durch eine "männlich dominierte Sprache", erläuterte Hennig von Lange.

In der Anfangspassage rückte der in Gedanken versunkene namenlose Protagonist in den Fokus, der nur als Lastwagenfahrer für eine Spedition arbeitet, um von seiner Partnerin Distanz zu gewinnen; der Mann will das gemeinsame Kind, das sie erwartet, nicht sehen. Er fährt mit einer Wohnungseinrichtung durch die Gegend und fragt sich, wie es seiner Lebensgefährtin ohne ihn ergehen mag. Unachtsam baut er einen Unfall. Sprachlich virtuos entführt die Autorin hier in die Gedankenwelt des Protagonisten. Der versuche eher planlos von seiner Frau, dem werdenden Kind und den Erinnerungen an seine verstorbene Mutter zu fliehen, ordnete sie sein Verhalten ein. Er sei "ein Getriebener, der stark beobachtet", aber nicht rationalisiert. Zudem stehe er in einer Generationenfolge, in der er gar nicht sein wolle.

Im Verlauf der Lesung sollten sich gerade die unterschiedlichen Interpretationsweisen von Autorin und Moderator als aufschlussreich erweisen: Hat der Mann für Webler mindestens zwei Probleme – das gestörte Verhältnis zur Mutter und das schlechte Gewissen gegenüber der Partnerin –, kann zudem Realität und Gedanken nicht trennen, so bestätigte die Autorin zwar die sonderbaren Züge, wertete aber weniger drastisch.

Der Protagonist landet schließlich mit einer Platzwunde am Kopf im Krankenhaus. Den reparaturbedürftigen Lkw holt er kurzerhand aus der Werkstatt mit noch geöffnetem Airbag und kauft ein Taschenmesser, um diesen abzuschneiden. In der zweiten vorgestellten Passage wird er im Umkleideraum eines Kaufhauses splitternackt von einer Verkäuferin entdeckt, sucht das Weite und stöbert in der Lkw-Ladung nach etwas Anziehbarem – da sind indes nur Frauensachen.

Nacktsein und Verkleidung spielen eine besondere Rolle. Mit seinem kindlichen Gemüt falle der Mann aus der Norm, resümierte die Autorin; letztlich gehe es im Roman um die Frage, was die Norm sei und wie man sie einhalte. Dass der Mann ständig auf der Suche nach sich selbst ist und persönliche Erfahrungen nach außen projiziert, zeigte sich am stärksten in der dritten Passage, in der er mit einem Schuljungen, den er vor einer Jagdgesellschaft gerettet hat, im Wald einen Bunker betritt. In der fürsorglichen Art scheint er eine Vaterrolle zu übernehmen.

Hennig von Lange las mit lebhafter, klarer Stimme, unterstützt durch prägnante Gestik. Die Besucher ließen sich von ihrer ungewöhnlichen Geschichte in Bann ziehen.

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