oli_sommerlad1_090421_4c_1
+
Während der Parkplatz der Möbelstadt Sommerlad in den letzten Wochen verwaist ist, stauen sich die Autos bei der Parkplatzsuche auf der Parkfläche des benachbarten Baumarktes. »Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht mehr erklären«, sagt Frank Sommerlad.

Sommerlad fordert Strategiewechsel

  • VonOliver Schepp
    schließen

Frank Sommerlad, der Chef der gleichnamigen Möbelstadt, fordert von der Politik in der Bekämpfung der Corona-Pandemie ein anderes Vorgehen. »Testen lassen sollte Spaß machen. Wir müssen die Menschen motivieren, sich zu testen, um Infektionsketten zu unterbrechen«, sagt Sommerlad. Zudem hofft er auf eine schnelle Rückkehr des »Click& Meet«-Geschäfts.

Frank Sommerlad möchte nicht länger warten. »Warten? Auf was denn eigentlich?«, fragt der Chef der Möbelstadt Sommerlad und der anderen Enrichtungshäuser der R. Sommerlad GmbH und Co. KG aus Gießen. Wer garantiere, dass das Virus bald vollständig zurückgedrängt werden könne, wer sage, dass es nicht wieder und wieder zu einem erneuten Lockdown komme? »Wir benötigen jetzt dringend einen grundsätzlichen Strategiewechsel«, fordert Sommerlad. Immerhin habe man mittlerweile viele gute Werkzeuge, um die Ausbreitung des Coronavirus kontrollieren zu können, nur müssten diese endlich auch konsequent eingesetzt werden. Der erneute Lockdown, der nun bis mindestens 18. April gilt, sei nicht das Maß aller Dinge. »Ich bin sicher, dass die Menschen sich nicht mehr lange alles verbieten lassen«, erklärt Sommerlad.

Der Ton der Kunden wird aggressiver

Dies zeige sich unter anderem auch bei einer Vielzahl der 300 bis 400 täglichen Kontakte in der Sommerlad-Telefonzentrale. »Die Anrufer haben kein Verständnis mehr dafür, dass sie nicht bei uns einkaufen können«, sagt Sommerlad. Seine Mitarbeiterin Sigrid Schnorr müsse sich einiges anhören. »Der Ton wird immer aggressiver«, beklagt sie.

Ein großes Problem für Sommerlad: Wie soll er seinen Mitarbeitern erklären, dass gegenüber im Baumarkt Hochbetrieb herrsche und sein Laden geschlossen bleibe? »Wenn die Menschen die Maßnahmen nicht mehr nachvollziehen können, werden sie sie auch nicht mehr mittragen«, befürchtet der Unternehmer. »Wenn Sie bei uns auf dem Parkplatz stehen, könnten Sie denken, das Virus ist nur auf unserer Seite gefährlich, drüben geht’s«. Sommerlad schüttelt den Kopf. Er fordert eine grundsätzlich andere Herangehensweise. »Man kann nicht nach Gutsherrenart bestimmen, welches Sortiment zum Grundbedürfnis zählt. Wir müssen bei der Entscheidung, welche Läden geöffnet werden dürfen, nach dem echten Risiko gehen. Zahlen dazu gibt es doch längst«, betont Sommerlad.

Am echten Risiko orientieren

Gemeinsam mit anderen Möbelhändlern hatte Sommerlad bereits eine exemplarische Risikoanalyse für ein Möbelhaus durchführen lassen. »Im Grunde gibt es in einem Möbelhaus kein Risiko. Das war alles unproblematisch. Wir haben pro Stunde zwischen 50 und 100 Kunden auf unserer 32000 Quadratmeter großen Fläche. Nur im Kassenbereich muss man aufpassen. Dort könnte ein Supervisor zum Einsatz kommen, der auf die nötigen Abstände achtet«, führt Sommerlad aus. Auch eine eigene Teststation für Kunden sei jederzeit umsetzbar. »Wir stehen Gewehr bei Fuß. Die Tests sind da.«

Testen und öffnen ist seine Devise. Daher plädiert Sommerlad auch in Stadt und Landkreis für eine umfangreichere Teststrategie, die den Getesteten die Freiheit geben müsse, in ein Möbelhaus zu gehen, im Seltersweg Schuhe oder Kleidung zu kaufen und zum Abschluss gemeinsam etwas essen zu gehen. »Getestete hätten in dieser Hinsicht für 24 Stunden eine Wildcard. Davon hätten wir alle etwas«, sagt Sommerlad.

Die jüngsten Erfahrungen mit »Click & Meet« seien bis zum erneuten Lockdown Ende März durchweg positiv gewesen. Sommerlad hatte zur Registrierung und Nachverfolgung die Luca-App eingesetzt. »Das ist auch ein Instrument, das wir viel mehr nutzen müssen«, sagt er. »Ich möchte die Menschen motivieren, sich zu registrieren und testen zu lassen. Ich glaube nicht, dass die Pandemie am Jahresende vorbei ist. Wir müssen also lernen, damit umzugehen, denn wir dürfen nicht glauben, dass Staat und Firmen weitere Schließungen durchhalten.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare