Herrlich an heißen Tagen: Erholung in, an und auf der Lahn. FOTO:CG
+
Herrlich an heißen Tagen: Erholung in, an und auf der Lahn. FOTO:CG

Sommeridylle und Hip-Hop für alle

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
    schließen

Aufruhr bei den Enten. Eine kurze Verfolgungsjagd, aufgeregtes Geschnatter. Dann ist Ruhe. Selbst den Tieren im Wasser scheint es zu warm zu sein. Zu warm für Stress untereinander, lieber schwimmen sie ein wenig hierhin und dorthin, Köpfchen unter Wasser, Schwänzchen in die Höhe. Ihnen gegenüber, auf der anderen Seite des Christoph-Rübsamen-Stegs, hat sich eine Jugendclique niedergelassen. Sagt man das eigentlich heute noch so? Jugendclique? Schaut man sich die jungen Frauen und Männer an, klingt der Ausdruck irgendwie aus der Zeit gefallen. "Virginity Rocks" steht auf dem schwarzen T-Shirt eines der Mädels. Jungfräulichkeit rockt. Das ist ironisch und stammt von einem YouTube-Star, lehrt mich Google. Natürlich nie gehört.

Auch die Musik nicht. Es ist nervtötender, lauter Hip-Hop. "Es ist Walpurgisnacht, ich breche aus der Klapse aus... setze meine Schweinekopfmaske auf." Nun ja, wer’s mag. Die vorüberziehenden Paddler werfen einen kurzen Blick auf die Truppe mit den rosa-schwarz gefärbten Haarschöpfen. Mehr aber auch nicht. Sie haben mit sich selbst zu tun. Schön im Takt bleiben, nicht ins Ufergebüsch abdriften, bloß keinen Sonnenstich kriegen.

Auf den Betonblöcken, die am Rand der Lahn als Bänke dienen, lassen sich Passanten nieder. Aber nur, wenn sie im Schatten liegen, in der Sonne ist es nicht auszuhalten. Zwei Frauen mit kleinen Kindern beobachten die Enten, ein paar Meter weiter sitzen drei türkische Männer und erzählen sich etwas. Nach den Wochenenden sieht es hier wüst aus, Feiernde hinterlassen bergeweise Müll, der von den Reste pickenden Vögeln noch weiter verteilt wird. Jetzt in der Mitte der Woche ist alles sauber, die Stadt hat klar Schiff gemacht.

Nur ein Einkaufswagen ist übrig geblieben, er steht verloren mit allerlei Abfall am Ufer. Hin und wieder passieren mit Gepäck beladene Radwanderer die Brücke zwischen Nord- und Weststadt, oft halten sie in der Mitte und lassen die Idylle auf sich wirken. Für die Freizeitsportler und Radpendler, die täglich hier unterwegs sind, gehört der Blick aufs Wasser zur liebgewordenen Gewohnheit.

Die Jugendlichen planschen in der Lahn, zwei von ihnen schwimmen sogar mal rüber zu den Enten. Die nehmen’s gelassen. Auch dass am anderen Ufer schon wieder von Schweinemasken die Rede ist, quittieren sie mit Nichtachtung. (cg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare