In Zukunft sollen Fahrgäste auf ihrem Smartphone sehen können, wie voll ein Bus ist. 
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In Zukunft sollen Fahrgäste auf ihrem Smartphone sehen können, wie voll ein Bus ist. 

Digitalisierung

App soll Verspätungen und volle Busse in Gießen melden

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Keine Zukunftsmusik mehr: Wenn der Bus zu spät kommt, zu voll ist oder es keinen Platz mehr für einen Kinderwagen gibt, soll das in Zukunft Fahrgästen in Gießen in einer App gemeldet werden.

Kommt mein Bus pünktlich? Ist in dem Bus, den ich nehmen will, noch Platz für ein Fahrrad oder einen Kinderwagen oder ist es sinnvoller, auf den nächsten zu warten? Antworten auf Fragen wie diese soll in Gießen künftig eine künstliche Intelligenz geben. "Zusammen mit unserem IT-Partner Brodtmann Consulting arbeiten wir an einer weitreichenden, digitalen Lösung", sagt Jens Schmidt, kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG). Die Entwicklung der Anwendung, die Einblicke in die Auslastung und Fahrplantreue der Stadtbusse gewährleisten soll, wird vom Bundesverkehrsministerium mit fast 355 000 Euro gefördert.

In Gießen: Infos auf dem Smartphone

Konkret sollen vorhandene historische Daten und in Echtzeit erfasste aktuelle Daten intelligent miteinander verknüpft werden. So soll prognostiziert werden, wann die Busse wie voll belegt sind und wie sie im Fahrplan liegen. "Wir erwarten, bereits während des laufenden Projektes viele neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich die Belegung der Fahrzeuge über eine einzelne Fahrt und übergreifend über längere Zeiträume hin entwickelt", sagt Marc Lammerding, Datenspezialist bei Brodtmann Consulting und Projektleiter. "Ultimativ können wir so nicht nur den Endkunden des Gießener Nahverkehrs ein Werkzeug zur Verfügung stellen, um ihre eigene Reise deutlich präziser und angenehmer zu planen als bisher, sondern wir liefern auch wichtige Grundlagen für weitere Forschung und Entwicklung in diesem Gebiet."

Die Daten sollen im Rahmen des Projektes auch auf einer Echtzeit-Karte des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) visualisiert werden. "Unsere Fahrgäste können so den öffentlichen Personennahverkehr auf ihrem Smartphone an den Haltestellen in Echtzeit nachvollziehen", sagt Mathias Carl, Geschäftsführer der Mitbus GmbH. Final soll es dann möglich sein, per App auf dem Smartphone zu schauen, wie voll der Bus zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmen Haltestelle ist und ob er pünktlich kommt.

In Gießen: Hacker geben Anstoß

Die Idee für das Projekt mit dem offiziellen Namen "NV-ProVi" entstand bei einer Veranstaltung der Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU). "Der VKU hatte uns zu einem Hackathon eingeladen, für den wir die Daten der Stillstandzeiten unserer Busse außerhalb von Haltestellen mitgebracht haben", erinnert sich Schmidt. In ihrer Rohform liegen sie schon länger vor, da alle Fahrzeuge der Mitbus mit GPS-Sendern ausgestattet sind. "Es war wirklich verblüffend, was die ›Hacker‹ an nur einem Wochenende geschafft haben", sagt Schmidt. Tatsächlich gelang es ihnen, in einer sogenannten Heatmap zu visualisieren, an welchen Stellen die Busse öfter länger stehen. "Diese Erfahrung hat Lust auf mehr gemacht", ergänzt der SWG-Vorstand. Die SWG verfügen nicht nur über die Positionsdaten, sondern durch ein Fahrgastzählsystems über das Wissen, wie viele Menschen sich gerade im Bus befinden. Erst die Option, die Daten zusammenzuführen, ermögliche es, die gewonnenen Informationen als Grundlage für Entscheidungen zu nutzen.

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