Halbhohe Bergstiefel, die leichten Sportschuhe oder gar Trekkingsandalen: Was tut den Füßen beim Wandern gut? FOTO: SCHEPP
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Halbhohe Bergstiefel, die leichten Sportschuhe oder gar Trekkingsandalen: Was tut den Füßen beim Wandern gut? FOTO: SCHEPP

Auf die Sohle kommt es an

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Wandern vor der eigenen Haustür - das möchte ich mal ausprobieren. Kann ich das in meinen Laufschuhen tun? Lieber nicht, raten Experten vom Deutschen Alpenverein Gießen. Sie geben Tipps zu müffelnder Funktionskleidung und dem Rucksack-Inhalt.

Einfach losgehen, Rucksackverpflegung verzehren, die Landschaft verlangt kein Eintrittsgeld. Wandern ist auch deshalb eine beliebte Freizeitbeschäftigung, weil sie wenig kostet. Bei einigen Teilen der Ausrüstung allerdings sollte man nicht sparen. Ihre Tipps haben die Wanderführer vom Deutschen Alpenverein Gießen auf GAZ-Anfrage gesammelt. Der Vorsitzende Dr. Ulrich Schlör fasst die Ratschläge der erfahrenen Experten zusammen.

?Brauche ich für eine 13-Kilometer-Tour im Stadtwald spezielle Schuhe und Kleidung?

"Ein- oder mehrtägige Bergwanderungen erfordern unabdingbar geeignetes Schuhwerk, adäquate Bekleidung und sonstiges Equipment", so Schlör. "Aber auch Tages- wanderungen in unserer Heimat sollten gut vorbereitet sein."

?Reichen Joggingschuhe zum Wandern aus, beziehungsweise: Ab welcher Streckenlänge oder in welchem Gelände stoßen sie an ihre Grenzen?

Falsches Schuhwerk spürt man nicht nur während der Wanderung, sondern noch tagelang. In Joggingschuhen - auch in solchen speziell fürs Gelände, sogenannten Trailrunning- oder Zustiegsschuhen - ermüden bei längeren Strecken die Gelenke. Dadurch steige das Risiko umzuknicken. Wanderschuhe bieten dank ihrer aufwendigen Sohlenkonstruktion eine deutlich höhere Trittsicherheit und ermüdungsfreieres Laufen auch auf schlechtem Untergrund. Unebenheiten oder Kanten werden stärker abgedämpft, punktuelle Belastungen auf eine größere Fläche übertragen; das schont die Fußsohlen. Die höhere Kantenstabilität ist insbesondere von Vorteil, wenn man nicht mit der ganzen Sohlenfläche auftreten kann.

?Und im Sommer Trekkingsandalen?

Die tragen die Fachleute beim Wandern "so gut wie nie": Solche Sandalen bieten ihrer Meinung nach zu wenig Standfestigkeit, zu leicht geraten Steinchen hinein.

?Für welches Gelände sollten Wanderschuhe knöchelhoch sein?

Die meisten seiner Vereinskollegen bevorzugten grundsätzlich knöchelhohe Wanderschuhe, unterstreicht Schlör. Sie seien nicht nur im Hochgebirge und Geröll empfehlenswert. Höhere Schäfte bieten einen besseren Umknickschutz, erst recht, wenn sie aus stabilem Leder sind. Außerdem geraten nicht so schnell Steinchen in den Schuh.

?Muss ich Wanderschuhe immer einlaufen, auch wenn sie nicht aus Leder sind?

Auf jeden Fall, und zwar behutsam, also nach und nach gesteigert. Mit Druckstellen in neuen Schuhen "haben einige meiner Wanderfreunde schon bittere Erfahrungen machen müssen", so Schlör. Wichtig ist auch eine gute Pflege, etwa das Einfetten des Leders. Man sollte gute Schuhe nicht zu warm - etwa vor dem Kamin - trocknen.

?Haben Sie weitere Schuh-Tipps, etwa zum Material?

Grundsatz ist, dass sich die Schuhe für den Träger angenehm anfühlen und gut passen. "Mancher gibt dafür bis zu 300 Euro aus, andere kommen bestens mit 100-Euro-Modellen zurecht", so der Vorsitzende. Beim Innenleben scheiden sich die Geister: Ein Futter aus Kunstfaser trocknet schneller und macht, wenn es mit Membranen wie Gore Tex ausgestattet ist, den Schuh wasserdicht. Leder sei meist komfortabler und passe sich der Fußform besser an. Inzwischen gebe es auch Innenfutter aus chromfrei gegerbtem Leder; dies komme Allergikern entgegen. Nicht zuletzt könnten spezielle Wanderstrümpfe mit verstärkter Sohle das Gehen erleichtern.

?Empfehlen Sie spezielle Kleidung?

Auch dabei kommt es zuvörderst auf die individuellen Bedürfnisse an. Wanderbekleidung sollte bequem, robust, windabweisend bis winddicht und schnelltrocknend sein. Schutz gegen UV-Strahlen, Mücken und Zecken kann ebenfalls wichtig sein. Kunstfaserkleidung gewährleistet einerseits hohen Feuchtigkeitstransport, müffelt aber leicht. Schlör rät zu Bekleidung aus Merinowolle und kommt förmlich ins Schwärmen: "Sie ist superweich und für die meisten Menschen sehr angenehm zu tragen." Wolle speichert Feuchtigkeit, fühlt sich lange trocken und warm an, und bindet Bakterien, sodass "das Problem der Gerüchlichkeit" kaum auftrete. Wenn man ein Woll-T-Shirt über Nacht lüftet, könne man es ohne Weiteres mehrere Tage tragen - und so beim Gepäck Gewicht sparen. Zusatztipp aus der Redaktion: Ein Blick in den Kleiderschrank kann sich lohnen - ein "Radlerunterhemd" eignet sich auch zum Wandern.

?Sollte ich Wäsche zum Wechseln dabei haben?

Ein frisches Unterhemd und Shirt dabei zu haben, ist auch bei Tagestouren sinnvoll - vor allem, wenn man leicht schwitzt oder es regnen könnte. "Und natürlich ganz besonders, wenn man gemeinsam einkehren oder mit dem ÖPNV zurückfahren möchte", mahnt Schlör.

?Was sollte ich in den Rucksack packen?

Vor allem genug zu trinken, Proviant nach Bedarf, eventuell Regenschutz, auch - wenn keine Hülle integriert ist - für den Rucksack. Eine Jacke empfiehlt Schlör auch bei warmem Wetter, da man bei Pausen rasch auskühlen kann. Sie eignet sich auch als Sitzunterlage, falls man nicht ohnehin eine kleine Matte dabei hat. Der DAV-Vorsitzende hat beim Wandern zudem stets ein Erste-Hilfe-Set, eine Taschenlampe und ein Fernglas bei sich, gegebenenfalls Wanderstöcke, Handschuhe und Kopfbedeckung.

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