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Vor allem Menschen mit medizinischer Ausbildung, aber auch Freiwillige ohne Vorerfahrung sollen den heimischen Krankenhäusern helfen, die Corona-Krise zu überstehen. 

Sogar Laien sollen helfen

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Die Corona-Krise spitzt sich zu. Alle drei Gießener Krankenhäuser suchen jetzt Freiwillige, die das Personal in den nächsten Wochen unterstützen. Kann solch ein Einsatz zum Rettungsanker werden zum Beispiel für eine Bedienung, deren Job im Café gerade weggefallen ist?

Helfer gesucht: Mit diesem Aufruf wetteifern die drei Gießener Krankenhäuser jetzt um Freiwillige, die in den nächsten Wochen den Pflegern und Ärzten beistehen sollen. Das St.-Josefs-Krankenhaus Balserische Stiftung kann sich sogar den Einsatz von medizinischen Laien vorstellen. Das Universitätsklinikum und das Agaplesion Evangelische Krankenhaus setzen vor allem auf Medizinstudierende mit oder auch ohne Pflegeausbildung.

Es bestehe kein Grund zur Panik, erklären Sprecher der Häuser auf GAZ-Nachfrage. Zugleich ist die Rede von einer sprunghaften Zunahme der mit dem Coronavirus infizierten Patienten vielleicht schon in den nächsten Tagen.

Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg setzt schon seit einiger Zeit Medizinstudierende ein. Nun lockt es weitere Aushilfen mit "großzügigen Verträgen". Der Studiendekan sichere zu, dass ein Einsatz in dieser Notsituation "auf Studienleistungen angemessen angerechnet werden kann", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von UKGM und Justus-Liebig-Universität vom Donnerstag. Entsprechend dem Arbeitsbereich erhielten die Freiwilligen spezifische Schulungen.

Zunächst sollten sich "alle" Studierenden mit Berufsausbildung zur Pflegekraft "umgehend melden", um Unterstützung bei der Patientenversorgung zu leisten. Darum bitten Studiendekan Prof. Dieter Körholz und der Ärztliche Direktor Prof. Andreas Böninger "angesichts der sich abzeichnenden Mehrbelastungen des Gesundheitswesens".

Krankenhaus in Gießen: "Wir sind vorbereitet, aber..."

Sollte sich "die Situation weiter verschärfen", würden auch Studierende ab dem abgeschlossenen zweiten klinischen Semester benötigt, egal ob sie eine Pflegeausbildung haben. Wer dazu bereit ist, solle sich ebenfalls jetzt melden und seine Qualifikationen nennen, etwa Famulaturen oder eine Ausbildung als Rettungsassistent.

Derzeit nicht vorgesehen sei der Rückruf von Medizinern oder Pflegern aus dem Ruhestand. Das erläutert UKGM-Sprecher Frank Steibli auf Nachfrage.

Einen Aufruf an Menschen mit medizinischer Ausbildung wolle auch das "EV" am Freitag veröffentlichen. Das erklärte Sprecherin Paulina Schnick. Noch sei die Lage aber "relativ entspannt".

Bereits "in den kommenden Tagen" erwarteten die Regierung und die Experten "einen starken Anstieg an stationär zu versorgenden Patienten mit Covid-19", heißt es im Aufruf des St.-Josefs-Krankenhauses Balserische Stiftung. "Wir sind auf die Behandlung einer größeren Zahl von Patienten vorbereitet, können aber derzeit nicht abschätzen, wie lange diese besondere Situation andauern wird. Wir wollen uns deshalb bereits jetzt personell verstärken."

Gesucht seien daher Helfer. Eine medizinische oder pflegerische Ausbildung sei "wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich", heißt es: "Auch hilfsbereite Menschen ohne Vorerfahrung im Gesundheitswesen sind herzlich willkommen!"

Ob sie für ihren Dienst Geld erhalten, lässt der Aufruf offen. Geschäftsführer Andreas Leipert erklärte der GAZ am Donnerstagabend, eine Bezahlung sei nicht vorgesehen. Das katholische Haus hoffe auf Menschen, die zum ehrenamtlichen Einsatz bereit sind. Damit tut sich hier keine Ersatz-Verdienstmöglichkeiten auf für medizinische Laien, die bisher beispielsweise als Café-Bedienungen gejobbt haben und wegen Corona derzeit ohne Einkommen dastehen.

Die Hilferufe werfen ein Schlaglicht auf die angespannte Personalsituation in den Krankenhäusern. Seit Jahren leidet die Gesundheitsbranche unter zunehmendem Fachkräftemangel. Die GAZ berichtete in den letzten Jahren mehrfach über Engpässe vor allem am Uniklinikum, wo zeitweise ganze Stationen geschlossen werden mussten.

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