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Lisa Velte hatte für die Zeit nach dem Abi große Pläne. Wegen Corona drohen sie zu platzen. FOTO: SCHEPP

Sofa statt Sommerabenteuer

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Viele Erwachsene haben den Sommer nach dem Abitur in ganz besonderer Erinnerung. Eine von Sekt und Freiheitsgefühlen geschwängerte Zeit. Auch die Abiturientin Lisa Velte wird den Sommer 2020 sicher nie vergessen. Das hat aber andere Gründe. Corona lässt fast alle ihre Pläne platzen.

Die schriftlichen Prüfungen hat Lisa Velte hinter sich gebracht, die mündlichen stehen ihr noch bevor. Noch einmal alle Konzentration zusammennehmen. Und dann - ja, was dann? Die größte Party ihres bisherigen Lebens feiern? In Zeiten einer Pandemie keine gute Idee. Mit den Freunden ans Meer? Geht nicht. Und die Monate, die sie in Amerika verbringen wollte? Auch darauf muss Lisa verzichten. "Das fällt alles flach", sagt die 19-jährige Liebig-Schülerin. Und versucht gar nicht erst, ihre Enttäuschung zu verbergen.

23 500 junge Hessen stecken derzeit in ihren Abiturprüfungen, mehr als 500 davon alleine in Gießen. Ihnen geht es wie etlichen Generationen zuvor, die den höchsten Schulabschluss Deutschlands angestrebt haben. Und trotzdem sind die Bedingungen in Zeiten von Corona völlig anders.

Mit Risikopatienten in einem Haus

Abstand halten, mitunter Mundschutz, Ungewissheit, ob die Prüfungen tatsächlich stattfinden, Angst vor Ansteckung. Und nicht zuletzt: Keine Umarmung mit den Klassenkameraden, keine Mottowoche, keine klirrenden Sektflaschen auf der Abi-Party. Stattdessen werden die Schüler nach den Prüfungen vom Aufsichtspersonal nach Hause geschickt. Lisa versteht, dass es momentan so sein muss. "Sonst wird es nur noch schlimmer." Das ändert aber nichts daran, dass die aktuelle Situation sie bedrückt. "Man hat die ganze Schullaufbahn darauf hingearbeitet. Das Abitur ist so ein großer Schritt. Und dann kann man es nicht mal richtig feiern."

USA und Kroatien sind gestrichen

Natürlich habe der Ausbruch der Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen die Vorbereitung auf das Abitur nicht gerade erleichtert, sagt die 19-Jährige. "Auf der anderen Seite muss man derzeit viel lernen und wäre deshalb sowieso nicht sehr oft unterwegs."

Und trotzdem: Sie vermisse es, sich mit ihren Freunden zu treffen, sagt Lisa. Auszugehen, feiern, so wie vor der Krise. Da sie nicht nur mit den Eltern und ihrem kleinen Bruder, sondern auch mit Oma, Opa und der Uroma in einem Haus lebe, wolle sie jedoch kein Risiko eingehen. "Ich gehe lediglich im Wald oder in den Feldern joggen, da ich Sport-LK habe."

Es ist aber weniger die Gegenwart, die Lisa traurig macht, sondern vielmehr die Gedanken an die nahe Zukunft. "Nach dem Abi wollten wir in einer großen Freundesgruppe nach Kroatien fahren. Das fällt natürlich flach", sagt die Liebig-Schülerin. Der mehrmonatige Aufenthalt bei ihren Verwandten in Amerika muss sie sich auch abschminken. Zumal das Coronavirus dort ebenfalls für unsichere Zeiten sorgt.

Der Sommer 2020 sollte ein ganz besonderer werden. Lisa hatte große Pläne. "Aber das, was ich unternehmen wollte, wird leider nicht möglich sein." Was sie stattdessen in den kommenden Monaten machen wird? Gute Frage. "Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Vermutlich nicht viel." Das Abitur, den größten Erfolg ihres bisherigen Lebens, wird sie zumindest nicht mit ihren Freunden ausgiebig feiern können. Lisa seufzt: "Irgendwie wird einem die ganze Freude genommen."

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