+

Sirenen, Sphingen und Satyrn

  • schließen

Seit Eröffnung des Wallenfelsschen Hauses 1987, als drittes Gebäude des Oberhessischen Museums, ist die Antikensammlung der Universität dort im zweiten Stockwerk untergebracht. Die Dauerpräsentation wird derzeit neu gestaltet und am Sonntag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Knallen des Tackers hallt durchs ganze Haus. Im zweiten Stock des Wallenfels’schen Hauses sind Studierende der klassischen Archäologie damit beschäftigt, die Vitrinen der Antikensammlung neu zu arrangieren. Das Wintersemester über haben sie sich intensiv mit der Neukonzeption der Dauerausstellung beschäftigt, haben sich in Themen eingearbeitet, Texte verfasst, die Ausstellung am Computer gestaltet und visualisiert. Jetzt sind sie in die praktische Phase eingetreten, die körperlichem Einsatz verlangt.

Bislang war die Dauerausstellung vor allem chronologisch geordnet. Nun tritt eine kulturgeschichtlich ausgerichtete Ordnung an die Stelle. "Verschiedene Bereiche antiken Lebens soll man künftig in Themenstationen erkunden können", erklärt Kustodin Dr. Michaela Stark. Diese Themenbereiche erstrecken sich vom alten Ägypten bis zu den Entdeckungen Heinrich Schliemanns in Troja, von der Entwicklung der Schrift in den verschiedenen antiken Kulturen bis zur Welt der Götter und mythischen Helden. Das Alltagsleben wird vorgestellt, Techniken wie Glasherstellung und verschiedene Keramikverfahren, die Münzprägung der verschiedenen Kulturen des Mittelmeerraums sind dabei, aber auch Handel und Festgelage (Symposion), Bestattungsriten sowie das antike Theater. Sämtliche Aspekte werden im neuen Katalog mit Wort und Bild vertiefend erläutert.

Alltagsleben in der Antike

Die Studierenden sind einzeln oder im Duo für je ein Thema zuständig. In den jeweiligen Vitrinen gibt es einführende Info-Texte und an den Objekten kleine Hinweistafeln. Die Menge des Gezeigten wird insgesamt ein wenig gelichtet, es soll auch ansprechend aussehen. Die aussortierten Objekte kommen in die neue Vitrine in den frisch renovierten Institutsräumen im Philosophikum 1.

Die Seminargruppe hat sich entschieden, alle Rückwände und Böden mit schwarzem Samtstoff zu beziehen, auf dem die Dinge sich wunderbar abheben. Das kostete jedoch mehr Zeit als erwartet, denn zuvor mussten die zwei vorhandenen Stofflagen mühsam abgezogen werden. Sonst hätten die Bretter nicht wieder in die Vitrinen gepasst. "Ein Glück, dass wir mit Stefania Gerundo eine Studentin dabei haben, die Schneiderin gelernt hat", strahlt Kuratorin Stark. Deren Beratung hat die Arbeit um einiges vereinfacht.

Und für die Münz-Vitrinen hat ein Student, der zuvor Schreiner war (Timo Miosga) Keileinsätze gebaut, auf denen die Münzen besser zu betrachten sind. Andere Kompetenzen ergeben sich aus den Studiengängen der Beteiligten: Erziehungswissenschaft, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik.

Im Parallelseminar Dr. Julia Koch befassten sich die Studierenden mit hellenistischen Herrscher-Porträts auf Münzen, die Beteiligten gestalten eine Projektvitrine, die neben der Münz-Dauerpräsentation zu sehen ist. Wie überhaupt eine der großen Vitrinen künftig für wechselnde Themenpräsentationen genutzt wird. War es seit dem Wintersemester die gestiftete Sammlung des vorvorigen Amtsinhabers Prof. Wolfram Martini, ist es nun das Projektthema Seefahrt.

Als nächstes folgt die Präsentation zum 100-jährigen Habilitationsjubiläum der ersten Gießener Archäologie-Professorin Dr. Margarete Bieber, an der auch der frühere Kustos der Antikensammlung, Dr. Matthias Recke mit Studierenden der Universität Frankfurt beteiligt ist. Diese Eröffnung ist für den 26. Juni geplant.

Alle aktuellen Informationen zur Antikensammlung der Universität findet man auch auf der Homepage www.antikensammlung-giessen.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare