Die Mieten in den zwei bereits fertiggestellten Wohnbaugebäuden Fuldastraße 6 und 8 seien zu hoch, monierten Teilnehmer des Runden Tisches im Flussstraßenviertel. FOTO: IGE
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Die Mieten in den zwei bereits fertiggestellten Wohnbaugebäuden Fuldastraße 6 und 8 seien zu hoch, monierten Teilnehmer des Runden Tisches im Flussstraßenviertel. FOTO: IGE

Sind zehn Euro/m² noch sozial?

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Gießen(ige). Überhaupt nicht zufrieden waren die Teilnehmer des Runden Tisches Flussstraßenviertel mit der Höhe der Wohnungsmieten in den neuen Gebäuden der Wohnbau in der Fuldastraße 4, 6 und 8. "Wenn ich das zusammenrechne, sind das zehn Euro pro Quadratmeter, und das für Sozialwohnungen", kritisierte Conny Mim, die die Sitzung eröffnet hatte und selbst in der Fuldastraße wohnt. Der anwesenden neuen Wohnbauchefin Dorothee Haberland rechnete sie vor: "6,80 Euro Kaltmiete je Quadratmeter, 30 Cent Heizungspauschale plus 2,90 Euro Nebenkosten bedeuten bei 50 Quadratmetern Wohnfläche 500 Euro Gesamtmiete."

Geplant war, dass in diesen Häusern Bewohner einziehen sollten, die aus den beiden benachbarten, stark heruntergekommenen und vor dem Abriss stehenden Häusern in der Weserstraße, die direkt an der Bahntrasse liegen, ausziehen mussten. Mim fuhr fort: "Es hieß damals bezüglich des Auszuges dieser Mieter, dass nur 35 Prozent des Einkommens für die neue Ersatzwohnung in der Fuldastraße aufzubringen seien." Sie rechnete dann vor, dass bei einem Bruttolohn von 1600 Euro etwa 1100 netto übrigblieben, wovon fast die Hälfte für die Miete aufgewandt werden müsse. Wer Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II - landläufig Hartz IV - bezieht, erhält vom Jobcenter monatlich 439,50 Euro für die Miete - laut Richtlinien der Kosten der Unterkunft für Gießen vom 1. Januar 2020.

Haberland entgegnete, dass statt den tatsächlichen Heizkosten nur noch eine diesbezügliche Pauschale von 30 Cent in Anrechnung gebracht werde, unabhängig von dem tatsächlichen individuellen Wärmeverbrauch der einzelnen Wohnungen. Bei der Überprüfung der Bruttomiete sei sie auch selbst von den hohen Nebenkosten von 2,70 bis 2,90 Euro je Quadratmeter überrascht gewesen. Dies rühre jedoch daher, dass die Wohnbau in den vergangenen Jahren kaum einen Neubau errichtet habe, von dem sie die Höhe der Nebenkosten hätte ableiten können. Einzige Ausnahmen seien ein schon vor längerer Zeit neu errichtetes Gebäude im Anneröder Viertel und das vor einigen Jahren errichtete Wohnhaus am Löbershof.

Zweifel an Nebenkosten- Rückzahlung

Von diesem Bau in der Innenstadt seien dann die tatsächlichen Nebenkosten auf die Wohnungen in der Fuldastraße übertragen worden. "Ich gehe davon aus, dass es bei der Abrechnung tatsächlich weniger sein wird", sagte Haberland. Dass am Ende des Jahres eine mögliche Rückerstattung von Nebenkosten statt einer Nachzahlung erfolgen könne, beruhigte die Teilnehmer der Versammlung aber nicht. Auch der von Haberland propagierten Heizkostensenkung durch die Passivbauweise um 30 Prozent sahen die Teilnehmer etliche Kosten gegenüber, die diese weitgehend aufzehrten. Man sollte den Leuten alles auf den Tisch legen. So etwa auch die Kosten für den zusätzlichen Stromverbrauch der Lüftungsanlage, für die Reinigung der Filter, für den Austausch der Filter und für die Reinigung des gesamten Rohrsystems der Lüftungsanlage, hieß es.

Nicht unwidersprochen blieben auch die Argumente der Wohnbau-Chefin ob des vermeintlich niedrigen Durchschnittsmietpreises von 5,59 Euro je Quadratmeter ihrer Wohnbaugesellschaft. "In Hessen liegt dieser Durchschnittspreis wesentlich höher", hob sie hervor. Dagegen argumentiert wurde, dass dieser Vergleich nicht unkommentiert gelten dürfe. Denn im gesamten südhessischen Raum, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet, existiere ein sehr hohes allgemeines Wohnungsmietenniveau, das mit Gießen nicht zu vergleichen sei.

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