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Vier Monate sollen die Bauarbeiten am Luftrettungszentrum andauern.

Das sind die Pläne fürs erweiterte Luftrettungszentrum

Gießen (srs). Seit knapp zwei Jahren hebt an der Lahnstraße der Intensivtransporthubschrauber "Christoph Gießen" mehrmals täglich ab. Das Ziel: Leben retten. Nun wird das Zentrum erweitert.

Vor allem, wenn im ländlichen Bereich am Boden Notärzte fehlen, können zunehmend die fliegenden Kollegen der Johanniter-Unfall-Hilfe einspringen. Das im Juli 2014 eröffnete Luftrettungszentrum ist eine Erfolgsgeschichte: 900-mal kam der Hubschrauber im vergangenen Jahr zum Einsatz. Nun umschließt erneut ein Gerüst den Standort. Denn die Johanniter bauen das Zentrum aus. Ein Grund: Künftig wird von Gießen aus die bundesweite Johanniter-Luftrettung koordiniert.

Man baue "das Zwischendeck aus", erklärte Johanniter-Landesvorstand Günther Lohre im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die Bauarbeiten nähmen vier Monate in Anspruch, berichtete er weiter. In der mittleren Etage des Gebäudes im Industriegebiet Margaretenhütte sollen Büros und Räume für Schulungen entstehen. Zudem ziehe die Wache ein Stockwerk nach oben. Ein Notarzt des Uni-Klinikums und ein Rettungsassistent der Johanniter-Unfall-Hilfe gehören zur medizinischen Besatzung von "Christoph Gießen".

Durch die Baumaßnahmen werde Platz frei, damit ab Januar die Verwaltung der deutschlandweiten Luftrettung der Johanniter in den Bau ziehen könne. Standorte der Luftrettung sind neben Gießen in der Wetterau auf dem Flugplatz Reichelsheim, in Rostock, seit April in Bochum sowie ab 1. Mai am Nürburgring. Weitere Luftrettungszentren der Johanniter befinden sich in der Planung. Der aktuelle Umbau in der Lahnstraße koste rund 250 000 Euro, berichtete Lohre.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe betreibt die Einrichtung gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg. 3,9 Millionen Euro kostete der vier Jahre dauernde Bau auf dem 3 000 Quadratmeter großen Areal des ehemaligen Wertstoffhofs des Landkreises. Das Uni-Klinikum steuerte 1,8 Millionen Euro bei. Die im Winter beheizbare Landeplattform für den Hubschrauber steht auf einem zehn Meter hohen Stelzenbau, damit der Hubschrauber problemlos, also nicht durch Nachbarbauten gestört, binnen zwei Minuten abheben kann. Daran wird sich durch die Umbaumaßnahmen nichts ändern. Die um 20 Grad geneigte Fassade soll übrigens die Dynamik des Fliegens symbolisieren, erklärt der Architekt Heinz Weinmann.

Unter dem ganzen Komplex warten bis zu 20 000 Liter Treibstoff darauf, dass sie zehn Meter in die Höhe gepumpt werden.

Der in den Farben Rot, Weiß und Schwarz lackierte Hubschrauber "Christoph Gießen" kommt für den Transport von Unfallopfern zum Einsatz sowie für die Überführung von intensivmedizinisch versorgten Patienten von einem Krankenhaus zum anderen. 478 Flüge von der Lahnstraße aus zu einem Unfallort verzeichnet die Johanniter-Unfall-Hilfe für das vergangene Jahr. 341-Mal kam es zu sogenannten "Sekundäreinsatzen", um beispielsweise einen Patienten zwischen zwei Kliniken zu verlegen. Um auch eine medizinische Behandlung während des Flugs zu garantieren, ist "Christoph Gießen" mit Geräten wie zum Beispiel für die Wiederbelebung von Patienten und auch die Versorgung von Babys ausgerüstet. Der Helikopter erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 330 Kilometern in der Stunde. Ohne aufzutanken kann er dreieinhalb Stunden lang in der Luft sein und könnte somit theoretisch ohne Zwischenstopp vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Deutschlands, von der Nordsee bis zu den Alpen fliegen.

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