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Neue Notfallseelsorger sind (v. l.) Andrea Eckwert, Monika Baumgart, Karina Fricke, Marvin Marscheck, Elisabeth Rompf, Pfarrerin Ursula Wendt, Nicole Grloci. Dahinter die Pfarrer Martin Sahm, Matthias Schmidt, Hans-Theo Daum und Matthias Weidenhagen.

Sieben neue Notfallseelsorger eingeführt

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Gießen (pm). Im Landkreis Gießen gibt es sieben neue Notfallseelsorgerinnen. In einem Gottesdienst in der Johanneskirche führten der Leiter der Notfallseelsorge im Kreis Gießen, der evangelische Dekan Hans-Theo Daum (Dekanat Kirchberg) und der katholische Pfarrer Martin Sahm die neuen Seelsorger in ihren Dienst ein. Mit den Neuen ist das Team der Notfallseelsorge auf 49 ehrenamtlich Tätige, darunter zehn Pfarrerinnen und Pfarrer oder kirchliche Mitarbeiter, gewachsen. Die jetzt Beauftragten kommen aus den unterschiedlichsten Berufen; beispielsweise gehören nun eine Polizistin, eine Sozialpädagogin, eine Lehrerin oder ein Rettungssanitäter neu dazu. Rund 200 Vertreter von Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, Angehörige und Freunde waren zum Jahresgottesdienst der Notfallseelsorge, der auch "Blaulichtgottesdienst" genannt wird, gekommen.

"Fassungslos über Angriffe"

Der Propst für Oberhessen, Pfarrer Matthias Schmidt, dankte in seiner Predigt den Mitarbeitern aller Dienste und der Notfallseelsorge für ihren persönlichen Einsatz und professionellen Dienst für Menschen "die mit den Grenzen ihres Lebens konfrontiert" sind. Die Notfallseelsorge werde gerufen, "wenn das Schlimmste passiert". Ihre Mitarbeitenden sorgten dafür, dass Betroffene oder Angehörige von Schwerverletzten oder Verstorbenen "stabilisiert und wieder handlungsfähig werden, nicht in ihrer Ohnmacht stecken bleiben und Raum bekommen für Trauer und Schmerz". Die Mitarbeiter der Rettungskräfte seien es, denen viele Menschen nach Notfällen ihre Gesundheit oder sogar das Leben zu verdanken hätten. Dabei müssten sie sich selbst immer häufiger vor Angriffen schützen, während sie eigentlich zum Schutz der Menschen da sind. Er sei fassungslos, so der Propst, in den Nachrichten zu sehen, "wie Rettungskräfte von Menschen behindert, verhöhnt und manchmal auch angegriffen werden".

Pfarrer Hans-Theo Daum, der Verantwortliche für die Notfallseelsorge im Landkreis Gießen, dankte ebenfalls Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr für die gute Zusammenarbeit und große Wertschätzung der Notfallseelsorge. "Die Rettungsdienste verlassen den Einsatzort nach getaner Arbeit, wir begleiten Betroffene in den ersten Stunden nach einem traumatischen Ereignis weiter." Es gebe aber auch gemeinsame Einsätze etwa bei der Überbringung von Todesnachrichten. Schließlich seien Notfallseelsorger auch im Gespräch mit Rettern, die selbst nach belastenden Einsätzen und dem erlebten Leid unter Stress stehen oder traumatisiert sind. Am Gottesdienst hatten Angehörige der verschiedenen Dienste aktiv mitgewirkt. Bei einem anschließenden Essen war Gelegenheit zum Austausch.

Notfallseelsorger gibt es seit den 90er Jahren. Sie werden von den Leitstellen der Rettungsdienste, Polizei oder Feuerwehr in akuten Krisensituationen an den Ort des Geschehens gerufen, aber auch zur Unterstützung von Angehörigen nach traumatischen Ereignissen wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod und Suizid. Zudem begleiten sie Polizeikräfte bei der Überbringung von Todesnachrichten. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann Pfarrer Hans-Theo Daum kontaktieren: daum@ekhn.de.

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