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Unter den Messersammlern wird die fehlende 2G- und 3G-Regelung kontrovers diskutiert.

Corona-Krise

Kritik an Messer-Messe in Gießen: Sicherheit auf Messers Schneide?

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Ende November ist in den Hessenhallen Gießen ein Treffen für Messersammler mit Tausenden Besuchern geplant. Da die Veranstaltung als Spezialmarkt eingestuft worden ist, gelten weder 2G noch 3G. Auch der Organisator verzichtet darauf. Das sorgt für Kritik.

Gießen - Lange haben die Messersammler darauf gewartet, sich wieder mit Gleichgesinnten austauschen und ihre Schmuckstücke präsentieren zu können. Corona hatte dies zuletzt oft verhindert. Doch die Wartezeit hat nun ein Ende: Am Sonntag, 28. November, trifft die Szene in den Gießener Hessenhallen zusammen. Die Vorfreude ist bei einigen der Teilnehmer allerdings getrübt, angeblich haben sogar viele Aussteller und Besucher ihr Kommen abgesagt. Der Grund: Bei der Veranstaltung im Inneren gilt weder die 2G- noch die 3G-Regelung.

Das bestätigt Claudia Boje, die Pressesprecherin der Stadt Gießen. Sie verweist auf Para graf 21 der Coronavirus-Schutzverordnung. Demnach sind Spezialmärkte zulässig, wenn für den Publikumsbereich ein Abstands- und Hygienekonzept vorliegt. »Dieses liegt bereits für die Messe Gießen vor«, sagt Boje. Im Innenbereich werde es eine Maskenpflicht geben. Darüber hinaus gelten die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln.

Messer-Messe in Gießen: Kritik aus eigenen Reihen

Das ist üblich bei Veranstaltungen an der Gießener Messe, beim »Antik & Trödel«-Markt ist der Zutritt ebenfalls nicht an eines der drei Gs (genesen, geimpft, getestet) geknüpft.

»Als größtes Veranstaltungszentrum der Region sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und stehen jederzeit im Dialog mit den jeweiligen Behörden der Stadt Gießen. All unsere Entscheidungen treffen wir nur nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt bzw. der Ordnungsbehörde«, betont Pascale Watermann von der Messe. Auch die steigenden Inzidenzen behielten die Verantwortlichen im Blick. »Wir nehmen die Situation sehr ernst und haben vielerlei Maßnahmen umgesetzt, die den Besuch unserer Veranstaltung sicher machen.« Dazu gehörten Abstandsregelungen, Maskenpflicht, getrennte Ein- und Ausgänge, Desinfektionsmöglichkeiten, eine professionelle Belüftungsanlage sowie ein Verbot von Gastronomie im Innenbereich. »Zudem haben wir die Präsenz des Sicherheitspersonals mehr als verdoppelt, um die Einhaltung der Abstands- und Hygienebedingungen zu kontrollieren.«

Ein Vertreter der Messersammler, der anonym bleiben will, hält das mit Blick auf den 28. November nicht für ausreichend. »Ohne 2- bzw. 3G-Konzept ist das Risiko für Aussteller, Mitarbeiter und Gäste enorm hoch.« Bei der Messe träfen mehr als hundert teils internationale Aussteller auf Tausende Gäste. In den Hessenhallen könne der Veranstaltung weder Abstand noch die Einhaltung der Maskenpflicht gewährleistet werden.

Veranstalter Michael Staubach verzichtet darauf, nur Geimpften, Genesenen oder Getesteten Einlass zu gewähren. Auf Nachfrage dieser Zeitung hat er eine ungewöhnliche Antwort gesendet. Auf die »abstruse Anfrage«, wie er es bezeichnet, hat Staubach mit beinahe ebenso vielen Gegenfragen geantwortet. Man muss nicht zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, dass er 2G und 3G nicht aus organisatorischen Gründen, sondern aus Überzeugung ablehnt.

Messer-Messe in Gießen: Ordnungsamt will kontrollieren

Laut dem anonymen Szene-Kenner hat diese Einstellung in der Community für Aufsehen gesorgt. »Bei Messerfreunden gibt es einen breiten Querschnitt durch die Gesellschaft. Deshalb gab es auch Einzelne, die Staubach zugestimmt haben. Dennoch hat der Großteil der Aussteller und Besucher mit Unverständnis und Wut auf die Äußerungen reagiert.« Damit spielt er auf Nachrichten in sozialen Medien an, in denen Staubach die 2G- und 3G-Regel mit Mitteln einer »faschistischen Diktatur« in Verbindung bringt.

Die Deutsche Messermacher Gilde, kurz DMG, ist inoffizieller Schirmherr und selbst ernannter »Motivator« der Veranstaltung. In einem Post hat sie jüngst deutlich gemacht, was sie von der Entscheidung Staubachs hält. In der mit »Der Vorstand der Deutsche Messermacher Gilde distanziert sich« überschriebenen Stellungnahme wird eine 2G- oder 3G-Regelung als »ohne Probleme realisier- und zumutbar« und als »sinnvolles Instrument« zum Schutz von Besuchern und Ausstellern bezeichnet. Zuletzt hat die Gilde jedoch eine Meldung gepostet, die die Veranstaltung auch ohne 2G- oder 3G-Regelung unterstützt. In den Kommentaren wird darüber kontrovers diskutiert.

Noch sind es ein paar Tage, bis die Messe über die Bühne gehen soll. Wie die Regelung am Ende auch aussehen mag, die Besucher müssen sich auf Kontrollen einstellen. Denn auch wenn viele Gäste und Verkäufer ihre Teilnahme abgesagt haben mögen, hat das Ordnungsamt bereits sein Kommen angekündigt.

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