Noch in diesem Jahr soll hier eine neue Verkehrsinsel den Radfahrern das Überqueren des Berliner Platzes entlang der Wieseck erleichtern. Fußgänger sollen sie der Planung zufolge nicht benutzen. FOTO: SCHEPP
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Noch in diesem Jahr soll hier eine neue Verkehrsinsel den Radfahrern das Überqueren des Berliner Platzes entlang der Wieseck erleichtern. Fußgänger sollen sie der Planung zufolge nicht benutzen. FOTO: SCHEPP

Maßnahmen angekündigt

Es tut sich noch mehr für Radler in Gießen

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Es geht Schlag auf Schlag: Die Stadt plant weitere Verbesserungen für den Radverkehr - und das unter CDU-Ägide. Geplant ist etwa eine Querung am Berliner Platz sowie eine Neuordnung in der Neuen Bäue. Autofahrer müssen dafür Platz abgeben.

Gut zehn Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung: Mit der Goethestraße, Löber- und Lonystraße hat Gießen seine ersten Fahrradstraßen. Zugleich wurde der Radstreifen an der Frankfurter Straße markiert. Und Bürgermeister Peter Neidel kündigt für dieses Jahr weitere Verbesserungen an.

Es gelte "Achsen zu schaffen", auf denen sich auch im Stadtverkehr eher unsichere Radfahrer oder Eltern mit Kindern wohlfühlen, erklärte der CDU-Politiker bei der Eröffnung der Fahrradstraßen den Grundgedanken der angestrebten Verkehrswende. Auf die Frage, warum manches so lange gedauert hat, folgt ein feines Lächeln. "Man muss es wollen." Seit er 2016 die Zuständigkeit für Stadtplanung und Verkehr von den Grünen übernahm, bemühe er sich, die Dinge voranzubringen.

SPD, CDU und Grüne wollen laut ihrer Koalitionsvereinbarung das Radwegenetz schrittweise dort erweitern, wo der Bedarf am größten ist, aber der Auto-Verkehrsfluss nicht zu stark leidet. Dennoch müssen die motorisierten Verkehrsteilnehmer in der Regel Straßenraum abgeben, sei es in Form von Fahrspur-Abschnitten oder durch weniger Parkplätze.

Das ist auch der Fall bei den Maßnahmen, die Neidel und seine Fachleute für die nächsten Monate ankündigen:

Berliner Platz: In Höhe der Löberstraße ist eine Querung für Radfahrer zum Parkplatz Richtung Roonstraße vorgesehen. Eine neue Mittelinsel und Markierungen sollen hier das Radeln entlang der Wieseck sowie das Linksabbiegen aus der Grünberger Straße erleichtern. "Die Sichtverhältnisse lassen das zu", versichert Tiefbauamtsleiter Peter Ravizza - jedenfalls fürs Fahrradtempo. Fußgänger sollen weiterhin die Ampeln nutzen.

Neuen Bäue: Der Abschnitt zwischen Johannesstraße und Sonnenstraße soll neu gestaltet und möglicherweise zur nächsten Fahrradstraße werden. Die Schräg-Parkplätze nahe der Diezstraße werden längs angeordnet, weil das Rückwärtsausparken Radler oft behindert. Damit sinkt die Zahl der Parkplätze. Weitere Details stehen noch nicht fest.

Grünberger Straße: Die eigene Radspur zwischen Licher Gabel und Ludwigsplatz soll bald kommen. Zugleich werden die gefährlichen Rinnen am Fahrbahnrand verschwinden. Eine grundhafte Sanierung der gesamten Grünberger Straße ist in zwei bis drei Jahren vorgesehen.

Schiffenberger Weg: Im untersten Bereich zwischen Aulweg und Am unteren Rain ist ein breiterer Radstreifen auf der Fahrbahn geplant. Bisher ist ein Teil des Gehwegs als Radweg markiert, für heutige Vorgaben ist er zu schmal.

Einige Verbesserungen indes kommen nicht voran. Das gilt für zwei Bereiche entlang der Wieseck, an denen eigentlich die Stufen verschwinden sollten. Doch sowohl am Fußweg zwischen Alicen- und Bleichstraße als auch unter der Bahnbrücke sei die Umsetzung sehr kompliziert, so Neidel.

Manche Ideen sind ins Stocken geraten

Ähnlich sehe es beim Elefantenklo aus. Bei der derzeitigen Baustelle gehe es - bis auf das Glätten von Spurrillen - ausschließlich um Leitungsverlegung. Die angekündigte Radverkehrsplanung für den Bereich berührt die schwierige Frage, ob die Fußgängerbrücke und die Mittelstreifen samt Bäumen weichen müssten.

Viel länger ist indes die Wunschliste von Verkehrswende-Aktiven. Der Verkehrsclub Deutschland etwa fordert aktuell weitere Umgestaltungen an der Frankfurter Straße (ein ausführlicher Bericht folgt). Der ADFC kann sich vorstellen, dass die neue Möglichkeit der "Fahrradzone" im Altenfeldsweg Wirklichkeit wird.

ADFC lobt Stadt

In der Stadtverwaltung würden "Lösungen gefunden, die früher immer blockiert wurden", freut sich Jan Fleischhauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Das personell neu besetzte Sachgebiet Verkehrstechnik zeige sich unter der Leitung des früheren Radverkehrsbeauftragten Alexander Koch "sehr innovativ". Die Erneuerung und Umprogrammierung von Ampelanlagen nutze im Übrigen oft nicht Radfahrern und Fußgängern, sondern auch dem Bus- und Autoverkehr.

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