Senat: UniGrün enttäuscht

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). Alle nicken eifrig, wenn das Wort "Nachhaltigkeit" fällt - doch wenn es konkret wird, wird das Thema nicht mehr richtig ernst genommen. Diesen "Verdacht" äußert UniGrün nach der jüngsten Sitzung des Senats der Justus-Liebig-Universität. Ein Ergänzungsantrag der studentischen Liste für mehr Ökologie im JLU-Entwicklungsplan 2030 wurde letztlich zwar verabschiedet. Doch die Mehrheit dafür sei, ungewöhnlich für das Hochschulparlament, nur knapp gewesen. Eine inhaltliche Debatte sei verweigert worden, schildert Michel Zörb von UniGrün der GAZ.

Wegen der Corona-Krise hatte der Senat digital und ohne Pressevertreter getagt. Behandelt wurde unter anderem ein Antrag, der bereits in der Februar-Sitzung für Skepsis gesorgt hatte: Ökologische Themen sollten in sämtlichen Studiengängen zum Thema werden, überall "Nachhaltigkeitsbeauftragte" ernannt werden. Dafür fehle Lehrzeit und Geld, hieß es. Letztlich stellte sich das Präsidium hinter den Antrag - auch weil der neue hessische Hochschulpakt genau die vorgeschlagenen Instrumente vorsieht.

Dennoch habe eine Mehrheit der Professoren den Antrag mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt, so Zörb. Insgesamt sei die Abstimmung mit neun zu sieben knapp ausgefallen. "Unverständlich" sei, dass keine Argumente offen ausgetauscht wurden. Normalerweise bemühe sich der Senat, weitgehend Einstimmigkeit herzustellen. Es habe sogar den Vorstoß gegeben, die Abstimmung geheim vorzunehmen, weil sich sonst Einzelne durch die öffentliche Meinung unter Druck gesetzt fühlen könnten.

Michel fragt sich: Steht ein erheblicher Teil der Hochschullehrer gar nicht hinter den "Lippenbekenntnissen"? Oder wird "studentisches Engagement dann, wenn es wirklich um etwas geht, nicht für voll genommen"? Beides, meint er, wäre der Professorenschaft nicht würdig.

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