Seltene Lungenerkrankungen früh erkennen

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Gießen(pm). Patienten, die an einer interstitiellen Lungenkrankheit (Interstitial Lung Disease - ILD) leiden, haben meist keine guten Heilungschancen. Denn für die rund 100 Formen dieser jeweils seltenen Erkrankung stehen nur wenige symptomatische Behandlungsansätze zur Verfügung, sodass die Patienten häufig an den Folgen der Krankheit versterben.

Von zentraler Bedeutung ist daher die frühzeitige Diagnose, um das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen zu können. Für ein Verbundforschungsprojekt zur Früherkennung von ILD hat Prof. Dr. Andreas Günther, Leiter des Zentrums für Interstitielle und Seltene Lungenerkrankungen am Universitätsklinikums Gießen und Marburg (Standort Gießen, Medizinische Klinik II), nun eine Förderung auf europäischer Ebene eingeworben: Das von Günther koordinierte Forschungsvorhaben "Raising Diagnostic Accuracy and Therapeutic Perspectives in Interstitial Lung Diseases (RARE-ILD)" wird vom "European Joint Program on Rare Diseases" (EJP-RD) mit 1,1 Millionen Euro über drei Jahre gefördert. Das EJP-RD ist ein Zusammenschluss fast aller europäischen Förderagenturen mit dem Ziel, seltene Erkrankungen zu erforschen. Es wird von der Europäischen Union kofinanziert.

JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee gratulierte Günther zur Einwerbung dieser hoch kompetitiven Förderung: "Gerade in Zeiten der aktuellen Corona-Pandemie zeigt sich die Bedeutung der Gießener Lungenforschung einmal mehr sehr deutlich. Ich freue mich sehr, dass die dringend notwendige Erforschung von seltenen Lungenerkrankungen durch Gießener Wissenschaftler durch das Verbundprojekt RARE-ILD auch auf europäischer Ebene gestärkt wird."

Ziel des Projekts RARE-ILD ist es zum einen, neue Biomarker für die frühere und sichere Diagnose der jeweiligen Form einer ILD zu entdecken. Zum anderen möchten die Forscher die zugrundeliegenden Pathomechanismen aufklären, um neue Therapieprinzipien entwickeln zu können. Beteiligt sind führende Arbeitsgruppen aus den Bereichen Gensequenzierung, Analyse von Atemwegskondensaten, "Big Data" sowie Künstlicher Intelligenz aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien und Israel.

Ausgeatmete Moleküle untersucht

Neben der Leitung dieses Konsortiums und eines mit diesem Konsortium verzahnten Europäischen ILD Register/Biobank wird sich Günther mit der diagnostischen Nutzbarkeit von Atemwegskondensaten und der "elektronischen Nase" beschäftigen. Bei dieser Methode werden Muster der von Patienten ausgeatmeten Moleküle mithilfe mobiler Geräte erfasst und mittels datenverarbeitender Software verglichen. Dies soll eine möglichst frühzeitige, wenig invasive und spezifische Diagnostik ermöglichen. Bisherige Studien der Arbeitsgruppe zeigten bereits vielversprechende Ansätze in der Unterscheidung von gesunden und lungenkranken Patienten. Nun soll in einer großen europaweiten Patientenkohorte und einem neuartigen, durch die European Respiratory Society prämierten Gerät - dem sogenannten "Sniffphone" - die Nutzbarkeit dieses Ansatzes überprüft werden. Die dafür benötigten Proben und Daten sollen über das Europäische ILD Register/Biobank gewonnen werden, in dem führende klinische ILD-Zentren in Europa vereinigt sind. "In Verbindung mit der ebenfalls im Aufbau befindlichen, automatisierten UGMLC Giessen Biobank wird eine zukunftsweisende Verbindung von klinischen Informationen, systematischer Akquise von Biomaterialien mit translationalen Forschungsaktivitäten und Künstlicher Intelligenz hergestellt", sagt Günter, der auch die UGMCL Giessen Biobank leitet.

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