Leon Brandenburg, Jonas Nolte, Lucas Delventhal (v. l. n. r.) zeigen, wie die stabile Seitenlage richtig geht. Sie haben unter dem Namen "Selbstverständlich Lebensretter" einen YouTube-Kanal zum Thema Erste-Hilfe erstellt. FOTO: PM
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Leon Brandenburg, Jonas Nolte, Lucas Delventhal (v. l. n. r.) zeigen, wie die stabile Seitenlage richtig geht. Sie haben unter dem Namen "Selbstverständlich Lebensretter" einen YouTube-Kanal zum Thema Erste-Hilfe erstellt. FOTO: PM

Selbstverständlich Lebensretter

Wie ist noch gleich die richtige Frequenz zwischen Herzdruckmassage und Beamtung? Und welcher Arm kommt wohin, bei der stabilen Seitenlage? Um dieses Wissen aufzufrischen, haben zwei Medizinstudenten und ein Anästhesist einen YouTube-Kanal gestartet.

Ich bin mit meiner Freundin abends die Grünberger Straße heruntergefahren, als plötzlich ein Betrunkener auf die Busspur gefallen ist." Leon Brandenburg erzählt, dass er vor Kurzem Erste-Hilfe geleistet habe. Das ist für ihn kein Problem, denn Brandenburg ist nicht nur Medizinstudent, sondern auch Erste-Hilfe-Trainer. Er sagt, Rettungsmaßnahmen sollen auch für alle anderen Menschen kein Problem sein. Deswegen hat er zusammen mit seinen Kollegen Lucas Delventhal und Jonas Nolte ein Projekt ins Leben gerufen, mit dem die drei hoffen, mehr Menschen für Erste-Hilfe interessieren zu können: den YouTube-Kanal "Selbstverständlich Lebensretter".

"Deutschland ist EU-weit unterdurchschnittlich, was Erste-Hilfe-Kenntnisse angeht", sagt der Anästhesist Delventhal. In Skandinavien werde Erste-Hilfe bereits in den Schulen durchgenommen. Aber auch in Deutschland macht doch jeder zumindest vor dem Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs? "Überlegen Sie, wie lange das für viele zurückliegt", sagt er.

Untersuchungen zeigen, dass vor allem ältere Menschen in eine Notsituation kommen und dann auch vor allem andere ältere Menschen zu Ersthelfern werden, erklärt er. "Und es ändert sich ja auch regelmäßig etwas an den Leitlinien", ergänzt Brandenburg. Das sei in den letzten Jahren zwar keine gravierende Änderung gewesen. Trotzdem sei es wichtig, dass man das Gelernte regelmäßig auffrische. "Man muss das Ganze ja so gut beherrschen, dass man es in einer psychischen Ausnahmesituation anwenden kann", erklärt Delventhal.

Die YouTuber hatten sich in der AG Erste-Hilfe für Medizin-Studierende kennengelernt. "Aber wir hatten mehr als das gewollt", sagt der Anästhesist. Zwei Jahren hatten sie dann die Idee mit sich herumgetragen. In der zusätzlichen Zeit, die sie jetzt durch Corona bekommen haben, haben sie das Projekt umgesetzt.

Die Trainer nehmen Videos auf, in denen sie die Grundtechniken, wie die stabile Seitenlage und Reanimation erklären. 30-mal Herzdruckmassage und zweimal Beatmung, sei übrigens die empfohlene Frequenz.

Daneben erstellen sie einen Podcast. Delventhal erklärt, wie er auf die Idee gekommen ist: "Ich habe während der Corona-Zeit selbst viel Podcast gehört, etwa den des Virologen Christian Drosten." In den Podcasts gehen sie tiefer auf die Materie ein, als in den Erklär-Videos. So reden die Experten zum Beispiel über die Gefahren einer Bewusstlosigkeit, wie das Verschlucken der Zunge.

Das Equipment haben sie zum Teil schon vorher besessen. Anderes haben sie neu gekauft. "Man kann auch den Unterschied zwischen der erste Podcast Folge und der zweiten hören", sagt Brandenburg. Denn die erste Folge sei noch mit Headsets aufgenommen worden und erst für die zweite Folge haben sie sich dann ein Mikrofon besorgt.

Ihre Videos sind für eine breite Masse gedacht. Brandenburg: "Wir haben festgestellt, dass selbst bei unseren Medizin-Kommilitonen Defizite bei Basismaßnahmen bestehen." Da sehe es bei anderen Menschen noch schlechter aus. "Wenn ich mit alten Schulfreunden rede, wissen sie fast nichts mehr aus ihren Erste-Hilfe-Kursen für den Führerschein", fügt Delventhal an.

Die Videos sind aber keine Alternative zu Präsenz-Kursen, sagen die YouTuber. Brandenburg erklärt: "Unsere Videos sind nur eine Ergänzung. In den Kursen macht man praktische Übungen, die können wir nicht ersetzen."

Motivation des Kursleiters wichtig

Erste-Hilfe-Kurse sind heute auch ein Geschäft. Gefragt, was sie von den Anbietern - ob privat oder von Hilfsorganisation - halten, sagt Delventhal: "Alle, die einen Kurs anbieten, müssen die gleichen Schulungen und Lehrgänge machen und alle zwei Jahre wiederholen." Wie gut ein Kurs sei, hänge mehr von der Motivation des einzelnen Ausbilders ab, als vom Anbieter.

Man findet die drei Erste-Hilfe-Spezialisten auf YouTube oder über ihre Facebook-Seite: facebook.com/sv.lebensretter.

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