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Büscher

Selbstfindung in der hessischen Natur

  • VonSascha Jouini
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Gießen (jou). Der Journalist, Autor und Fernwanderer Wolfgang Büscher (*1951) hat in einer Veranstaltung des Literarischen Zentrums per Livestream seinen neusten Roman »Heimkehr« vorgestellt. Zu wünschen übrig ließ die Internet-Präsentation: Die Kamera hätte mehr heranzoomen müssen, so waren Büscher und Moderator Prof. Lothar Schneider nur schemenhaft zu erkennen.

Erst im Lesungsteil rückte der Autor etwas näher, dafür war er wegen des ungünstig platzierten Mikrofons eingangs schlecht zu verstehen. Die Möglichkeit, interaktiv Publikumsfragen zu stellen, blieb ungenutzt.

Gleichwohl schien die noch bis zum 31. März auf Youtube ansehbare Lesung aufschlussreich. Büscher bezeichnete »Heimkehr« als sein »persönlichstes Buch« - mehr als in seinen anderen Texten gehe es wirklich um ihn selbst.

Bekannt ist der Autor für Berichte über Wanderungen. So reiste er etwa von Nord nach Süd durch die USA zur Zeit Obamas. Moderator Schneider hob das daraus entstandene Buch »Hartland« als Beispiel für die »Präzision der Wahrnehmung bei den Wanderungen« hervor. So beschreibe Büscher konservative Menschen, ohne sie zu denunzieren. Der Verzicht auf Motorisierung ermöglichte es ihm, mit vielen Einheimischen ins Gespräch zu kommen. In einem weiteren Buch berichtet er über die Wanderung von Berlin nach Moskau 2001, »in der zauberhaften Zwischenzeit« nach dem Ende der Sowjetunion.

In »Heimkehr« begibt sich der unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnete Autor nun in seine hessische Heimat.

Bei dem Selbstfindungstrip lebte er monatelang in einer Jagdhütte im Einklang mit der Natur und erinnerte sich an seine Kindheit. Wie im Anfangskapitel deutlich wurde, war dies eine Zeit, in der er gemeinsam mit Freunden die Freiheit genoss, im Wald Holzhütten zu bauen.

Dabei ahnte er, »dass etwas wartete am Horizont meiner stillen Welt«, wo es »schneller und lauter zuging«. Jahrzehnte später kehrte er in diese Sphäre zurück und kam im Elternhaus ins Sinnieren über das Leben seiner Mutter, die an familiäre Verpflichtungen gebunden war und einen »Pakt der Generationen« einging, der darin bestand, auf eine Ausbildung zu verzichten, sich dafür um die Eltern zu kümmern und deren Haus zu erben.

Wie Schneider treffend anmerkte, ist die Geschichte der Mutter auch Teil der eigenen Biografie des Autors, der den Pakt aufkündige. Inzwischen seien »alle Wurzeln ausgerissen«, resümierte Büscher - das Haus habe er verkauft. Mit seinem Freiheitsstreben sieht sich Büscher als Stellvertreter einer Generation, die einen Bruch vollziehe.

Statt immer nur weiterzugehen und neue Landstriche zu erkunden, hält Wolfgang Büscher es für mindestens ebenso wichtig, im Leben innezuhalten, »sich zu fragen, wer bin ich, wo komme ich her«. Alle seine Bücher seien aus einer Leichtigkeit entstanden, dem Reiz, »verrückte Ideen« zu verwirklichen. Wenn er sich in »Heimkehr« als kleinen Jungen wiedersehe, erlebe er allerdings auch »Momente der Fremdheit«. FOTO: JRI

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