Sabine Glinke ist ein mittelhessisches "Kulturgesicht". Die Aktion macht im Februar auf die fast schon verzweifelte Lage von Veranstaltern und Kulturschafenden aufmerksam.
+
Sabine Glinke ist ein mittelhessisches »Kulturgesicht«. Die Aktion macht im Februar auf die fast schon verzweifelte Lage von Veranstaltern und Kulturschafenden aufmerksam.

Corona-Chronik (Teil 11)

„Kulturgesichter“: Seit elf Monaten Berufsverbot - auch in Gießen

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
    schließen

Der Lockdown wirkt endlich. Die Corona-Infektionszahlen sinken. Aber mutierte Viren erreichen auch Gießen. Prompt steigen die Zahlen wieder. Teil 11 der Gießener Corona-Chronik.

Montag, 1. Februar: Corona ist eine Naturgewalt, die zu Monatsbeginn von einem anderen Naturereignis aus den Schlagzeilen verdrängt wird. Plötzlich ist das Hochwasser da und richtet vor allem im südöstlichen Landkreis um Hungen und Laubach herum schwere Schäden an. Aus Berlin kommt angesichts sinkender Infektionszahlen ein Lob aus Gießener Mund. Kanzleramtschef Helge Braun dankt den Deutschen für ihr »vorbildliches Verhalten an den Festtagen«.

Samstag, 6. Februar: Sie sind seit fast einem Jahr zum Nichtstun verdammt und müssen immer wieder mit Aktionen auf ihre Lage aufmerksam machen: Menschen, die für andere Menschen Kulturveranstaltungen und Feste organisieren. »Die Kulturgesichter« zeigen Porträts bedrohter Existenzen.

Dienstag, 9. Februar: Das ist die allerletzte Option bei schweren Verläufen. Am UKGM erhält erstmals ein Covid-Kranker eine neue Lunge. »Manche Patienten können ohne Lungentransplation nicht überleben«, sagt Prof. Winfried Padberg.

Mittwoch, 10. Februar: Polizeimeldung in Coronazeiten: »In einer Wohnung in Fernwald haben Polizisten sieben Personen erwischt, die gegen die Corona-Bestimmungen verstoßen haben. Gegen 23.40 Uhr trafen die Ermittler zwei Wohnungsinhaber sowie weitere Gäste ohne Mundschutz an. Sie hatten laute Musik laufen, tranken Bier und Schnaps und versuchten sich in der Wohnung vor der Polizei zu verstecken.«

Donnerstag, 11. Februar: Der Hessische Fußballverband stimmt die Kicker der unteren Ligen ausführlichst auf den Restart ein. Anfahrt, Ersatzbank, Kabine, »dritte Halbzeit« im Sportheim: Für alles gibt es Verhaltensregeln. Der Ball indes, der rollt im ganzen Landkreis nur im Waldstadion bei den Regionalliga-Spielen des FC Gießen. Der Rest muss weiter warten.

Samstag, 13. Februar: »Deutschland krempelt die Ärmel hoch«, heißt es in einer ganzseitigen Anzeige des Bundesgesundheitsministeriums in der GAZ. Es verspricht bis Sommer ein »Impfangebot für alle Erwachsenen«. Der Sommer indes, der ist lang.

Na also, es gibt sie doch, die Gewinner der Corona-Krise. Floristen zum Beispiel, die sich für den Valentinstag auf einen Kundenansturm einstellen. »Wir haben sehr viel zu tun. Die Umsätze sind genauso hoch wie vor einem Jahr«,sagt Ladeninhaberin Gabriele Vogt.

Sonntag, 14. Februar: Kaiserwetter - und kein Fassenachtszug durch die Stadt. Die Narren der GFV behelfen sich mit einer coronagerechten Online-Polonaise, bestehend aus Videoschnipseln. Helau. Durch Heuchelheim rollt der »Zuch« tatsächlich - im Film und mit Playmobil-Figuren.

Dienstag, 16. Februar: Ein eigens vom Landkreis gegründeter »Impfbeirat« soll für Transparenz vor allem beim Umgang mit Impfresten sorgen. Insgesamt sind bislang fast 25 000 Kreisbürger vor einer Corona-Infektion geschützt, etwa ein Zehntel also.

Mittwoch, 17. Februar: Seit nunmehr fast vier Monaten sind die Gaststätten dicht. Wohl noch nie spielte die Branche bei einer IHK-Konjunkturumfrage so eine wichtige Rolle. »Der fortgesetzte Lockdown belastet diese Betriebe immens. Bei der Auszahlung der Hilfen hapert es«, erklärt IHK-Geschäftsführer Matthias Leder.

Donnerstag, 18. Februar: Die Hoffnung auf einen geraden Weg raus aus der Pandemie in ein sorgenfreies Frühjahr erfüllt sich nicht. Der Trend mit steigenden Infektionszahlen und Krankenhauspatienten verstetigt sich ab Mitte des Monats. Die kreisweite Inzidenz liegt wieder über 40 - und fast 100 Menschen in den den Krankenhäusern.

Montag, 21. Februar: Bei der Mutantenjagd wird das Gesundheitsamt erneut fündig. Nun ist auch die südafrikanische Spielart des Virus B.1.351 bei einem Erkrankten nachgewiesen worden. Die Person hatte sich wohl bei einem Afrika-Aufenthalt angesteckt. Mit der britischen Version haben sich bis Mitte Februar rund 60 Menschen infiziert.

Rückkehr mit gemischten Gefühlen: Für die Klassen eins bis sechs hat der Schulunterricht im Wechselmodell begonnen. Der Licher Schulleiter Jürgen Vesely bekennt: »Wir haben hier alle Angst vor einer Ansteckung.«

Mittwoch, 24. Februar: Kurze Aufregung am UKGM, weil sich die Geschäftsführer haben impfen lassen: Grund laut Klinikum: Gunther K. Weiß und Christiane Hinck-Kneip arbeiten freiwillig in einem Impfteam mit. Während der Betriebsrat am Standort Marburg von »Vordrängeln« spricht, hält man das Vorgehen bei der Gießener Beschäftigtenvertretung für richtig.

Freitag, 26. Februar: Die Vermittlungsprobleme bei dem etwas weniger wirksamen Impstoff AstraZeneca erreichen Gießen. Am Universitätsklinikum lagern fast 1700 Dosen auf Halde, weil die Mitarbeiter das britische Produkt verschmähen. Die von der GAZ verbreitete Nachricht führt zu vielen Anrufen impfwilliger Bürger beim UKGM, für die der Impfstoff aber nicht gedacht ist.

Samstag, 27. Februar: Zum Jahrestag der ersten Infektion schildern Menschen ihre Erfahrungen mit der Krankheit. »Mein Lungenvolumen hat um 25 Prozent abgenommen«, erzählt Markus Pfeffer aus Hausen, »Die Belastbarkeit ist weg«, sagt Silvia Barth aus Ober-Bessingen. Lungenforscherin Prof. Susanne Herold blickt voraus: »Die Impfung ist unsere beste Waffe.«

Sonntag, 28. Februar: Stadt und Landkreis Gießen sind am Monatsende nur ein bisschen rot, die Inzidenz liegt um die 50 herum. Ein Jahr, nachdem die Pandemie den Raum Gießen erreicht hat, wird der 321. Corona-Tote gezählt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare