Sehnsucht nach Liebe

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In der Adventszeit können wir mit unserer Sehnsucht in Berührung kommen. Nicht selten ist es eine unbestimmte Sehnsucht: nach Geborgenheit, nach Liebe, nach Gesundheit. Viele Menschen verdrängen ihre Sehnsucht. Süchte, nicht nur die stofflichen wie Alkohol oder Drogen, sondern auch die nichtstofflichen wie Spielsucht, Computersucht…, sind verdrängte Sehnsucht.

Die Adventszeit ist eine heilsame Zeit. Sie will unsere Süchte wieder in Sehnsucht verwandeln. Sucht wird nicht allein durch Disziplin geheilt, sondern indem ich mit der Sehnsucht in Berührung komme, die hinter meiner Sucht steckt. Dann verurteile ich mich nicht wegen meiner Sucht. Sie erinnert mich vielmehr an meine Sehnsucht. Die geht immer über das Sichtbare und Erfahrbare hinaus. Kein Mensch, keine Familie, kein Beruf erfüllt letztlich meinen Wunsch nach Liebe. Die Liebe übersteigt die Welt. Sie zielt letztlich auf Gott. Viele beklagen sich, dass sie Gottes Nähe nicht spüren. Aber: die Sehnsucht nach Gott, die können wir spüren. In der Sehnsucht nach Gott ist schon Gott. In der Sehnsucht nach Glauben ist schon Glauben. In der Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe.

Wenn wir in diesen Corona-Zeiten auf das schauen, was im Moment nicht möglich ist, wonach wir uns sehnen, oder wovor wir auch Angst haben, dann können wir den äußeren Umständen die Schuld geben, die Leben behindern oder verhindern. Aber auch wenn diese anstrengende Zeit vorüber ist, wird es in Jeder und Jedem von uns die Sehnsucht geben, die nicht durch Äußeres gestillt werden kann und die Angst, die nicht durch Andere genommen wird.

Wenn wir in der Adventszeit mit unserer Sehnsucht und unserer Angst in Berührung kommen, dann erleben wir uns anders. In uns ist etwas, das diese Welt übersteigt. Das zeigt uns unsere Würde und schenkt uns die Erfahrung von Weite und Freiheit.

Vitos-Seelsorger Trudbert Ziegler

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