Neu sehen lernen

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Ich habe den Überblick verloren über all das, was in diesem Jahr abgesagt wurde oder anders stattfinden musste. Treffen mit Freunden, Familienfeiern, Geburtstage, der Sommerurlaub, Arbeitstreffen. Auf einiges habe ich gern verzichtet. Um anderes tut es mir richtig leid. Manches kann im nächsten Jahr nicht nachgeholt werden. Es ist nicht immer leicht, den Kopf oben zu behalten und nach vorn zu schauen. Es kommt immer wieder anders als gedacht und erhofft.

Die Bibel berichtet von vielen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dazu gehört auch die Geschichte von Saulus, der zum Paulus wurde. Saulus war auf dem Weg nach Damaskus. Er wollte dort Christinnen und Christen verhaften. Vor den Toren der Stadt hört er eine Stimme und wird von einem Licht geblendet. Er fällt zu Boden und kann nichts mehr sehen. Seine Mission ist zu Ende.

Zugegeben: Ich musste zum Glück in diesem Jahr nicht vom Saulus zum Paulus werden. Auch ist Corona für mich alles andere als ein Damaskuserlebnis. Aber was mich mit Saulus verbindet: Er muss neu sehen lernen. Er lernt die Welt und sich selbst neu kennen. Das geschieht nicht von einem Augenblick auf den anderen. Saulus durchläuft einen Lernprozess. Es braucht jemanden, der ihm dabei hilft und ihn nicht allein lässt. Das Leben nimmt für Saulus eine Wendung, auch wenn er natürlich nicht weiß, wie die Reise weitergehen wird. Die Zukunft bleibt weiter offen.

Im Grunde genommen ist auch Weihnachten so eine Geschichte. Ein Kind wird in einem Stall geboren. Die Hirten auf dem Feld werden aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und die Weisen aus dem Morgenland irren sich erst mal in der Adresse. Es kommt anders als gedacht. Wie wird das bei uns zu Weihnachten sein? Pfarrer Gabriel Brand

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