Die Hängung an die Fensterscheiben erinnert an die historischen Lichtkästen, mit denen früher Röntgenbilder angeschaut wurden. FOTO: DKL
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Die Hängung an die Fensterscheiben erinnert an die historischen Lichtkästen, mit denen früher Röntgenbilder angeschaut wurden. FOTO: DKL

Vom Sehen und Erkennen

  • vonDagmar Klein
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Eine Kunstausstellung zum Röntgen-Jubiläumsjahr ist ab sofort im Uniklinikum zu sehen. Allerdings vorerst nur von den Mitarbeitern, Patienten und ihren Besuchern. Aber das allein sind schon mehrere Hundert Personen am Tag.

Es ist die einzige Veranstaltung zum Röntgen-Jubiläumsjahr, die von einer umfänglichen Gesamtplanung übrig geblieben ist. Zwar leicht verspätet und in leicht reduzierter Version, aber dennoch ist die Ausstellung im Uniklinikum mit Röntgen-Kunst aktuell an der Hauptmagistrale auf Ebene 0 gehängt worden. Die Kunstbeauftragte des Uniklinikums, Dr. Susanne Ließegang, und die Vorsitzende des Freundeskreises Kunst im Uniklinikum, Renate Seeger-Brinkschmidt, haben sich diesen Plan von der Corona-Pandemie nicht nehmen lassen.

Wegen Pandemie keine Vernissage

Am Mittwochnachmittag war die Vorstellung für die Presse, eine Vernissage wird es nicht geben. Die Bilder anschauen können derzeit lediglich das Personal, die Patienten und ihre Besucher. "Aber das allein sind schon mehrere Hundert Personen pro Tag", konstatiert Ließegang. So viele hat keine Galerie und kaum ein Museum. Wenn nach dem 15. Juli die Zugangsbeschränkungen zum UKG weiter gelockert werden, dann hofft sie, zumindest Kleingruppen von fünf Personen hierherführen zu können.

Die Ausstellung mit dem Titel "Sehen Sie was…" befasst sich nicht mit historischen Aspekten des Röntgen-Jubiläums, sondern geht von der Nutzung des Röntgenbilds als Diagnose-Instrument aus. Seit der Entdeckung der X-Strahlen begleitet dieses Verfahren den medizinischen Alltag und ist um neue bildgebende Verfahren erweitert worden. Was die Kunsthistorikerin daran interessiert, ist die Frage von Sehen und Erkennen. Was auch die Wahl des Ausstellungstitels gelenkt hat: "Was sehen Sie?" ist eine häufige Frage von Patienten an ihren Arzt. Was deutlich macht, dass die Röntgenbilder nicht ohne Weiteres verständlich sind, das Lesen der Bilder muss erlernt werden. Genauso wie bei der Betrachtung von Kunst.

Direkt mit dem Röntgenverfahren arbeitet der britische Künstler Nick Veasey, von dem nur ein Bild dabei ist, dafür ein sehr erzählerisches und amüsantes: ein Schädel mit Kamera. Die farbigen Bilder an den Wänden stammen aus der Serie der X-Ray-Bilder von Birgit Fischötter (Frankfurt), die bereits 2016 im Kapellengang des UKG ausstellte. Diese Röntgenaufnahmen entstanden im Flughafen Frankfurt, als die Kisten mit Objekten des Museums für Angewandte Kunst kontrolliert wurden. Die Anordnung der Objekte war also nicht planbar, die Motive nicht in jedem Fall erkennbar. Fischötter hat die Ausdrucke nochmals überarbeitet, sei es farbig überdruckt oder überzeichnet, und treibt so das Spiel mit Erkennbarkeit und Verrätselung immer weiter.

Dazu kommen in der kleinen Ausstellung Ansichten, die als Röntgenbilder erkennbar sind, die Prof. Gabriele Krombach, Direktorin der UKG-Radiologie, aus ihrem Fundus zur Verfügung stellte. Manche Motive können auch Laien zuordnen, etwa ein Fußgelenk oder einen Kopf mit Hals, andere bleiben rätselhaft. Für das medizinische Personal, das die abgebildeten Körperteile benennen kann, sind weitere Stolperfallen eingebaut, indem die Bilder gedreht oder seltsam kombiniert hängen. An die Fensterscheiben gehängt, erinnert das an die historischen Lichtkästen, mit denen früher Röntgenbilder angeschaut wurden. Doch schimmert das Grün der Innenhofbepflanzung hindurch und führt zu einer eigenen Ästhetik.

Die Bilderauswahl zeigt einen spielerischen Umgang mit Sehen, Erkennen und Wiedererkennen, sie ermöglicht ebenso das Nachdenken über Bedingungen von Wirklichkeitsaneignung durch das Bild.

Die Ausstellungsdauer ist bis zum 9. August 2020 angesetzt.

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