Autofahrer gegen Radler

Sechs Monate Haft für Prügel

  • Harold Sekatsch
    vonHarold Sekatsch
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Gießen(se). Dass es im Straßenverkehr zuweilen etwas rauer zugehen kann, hat ein 45-jähriger Gießener am 10. September 2018 auf schmerzhafte Weise zu spüren bekommen: Gegen 19 Uhr an jenem Tag musste er mit seinem Fahrrad verkehrsbedingt an einer Ampel in der Ludwigstraße unweit der Einmündung in die Grünberger Straße halten. Zwischen ihm und dem Fahrer eines neben ihm haltenden Audi Q5 mit Marburger Kennzeichen entwickelte sich ein Disput, der in einer handfesten tätlichen Auseinandersetzung gipfelte. Diese nahm allerdings einen einseitigen Verlauf, denn der angetrunkene Gießener erhielt Schläge und Tritte ins Gesicht, während sein Gegenüber - größer und stärker als das Opfer - nichts einstecken musste. "In Kickbox-Manier" seien die Schläge und Tritte erfolgt, erklärte eine Zeugin, die einen wichtigen Baustein in der Beweiskette auf dem Weg zur Verurteilung des knapp 40-jährigen Fahrzeughalters bildete. Richterin Maddalena Fouladfar hatte im Gegensatz zur Verteidigung keine Zweifel, dass der Halter an jenem Abend auch der Fahrer gewesen sei, und verurteilte den Marburger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, deren Vollstreckung sie für eine zweijährige Bewährungszeit aussetzte. Darüber hinaus verhängte das Amtsgericht ein dreimonatiges Fahrverbot für den Audi-Fahrer, der außerdem 1500 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen muss.

Die Anklagevertreterin hatte für den Mann eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung sowie ein dreimonatiges Fahrverbot gefordert. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Bantis, bewertete diese Forderung als "absurd." Er wies darauf hin, dass keiner der Zeugen den Angeklagten erkannt hätte, außerdem sei der Angeklagte strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Da der Marburger keine Angaben zur Sache machte, spielte er im Zuge der Beweisaufnahme keine aktive Rolle.

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