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Das Team des Palliativdienstes mit Julia Albus, Julia Ruhe, Svenja Brosch, Daniel Berthold, David Hollfoth und Mirela Sebesta.

Schwerstkranken eine Stimme geben

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Gießen (pm). Die Patientin ist 90 Jahre alt und schwer herzkrank. Aus medizinischer Sicht wäre eine Herzklappen-Operation eine letzte Möglichkeit, ihr Leben zu verlängern, doch das Risiko, bei diesem Eingriff zu sterben, ist hoch. Was tun?

Gerade bei schweren und lebenslimitierenden Erkrankungen sind Betroffene und Angehörige mit solchen Fragen oft hoch belastet und überfordert. Genau hier setzt die professionelle Unterstützung des Palliativdienstes am Gießener Universitätsklinikum ein. Das sechsköpfige Team aus einer Ärztin, zwei speziell geschulten Pflegekräften und drei Psychologinnen und Psychologen gehört zum Schwerpunktbereich Internistische Onkologie und Palliativmedizin an der Medizinischen Klinik IV/V. Damit stellt das Gießener UKGM nun neben der Palliativstation, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und dem Palliative Care Team für Kinder und Jugendliche ein weiteres Angebot für schwerstkranke und sterbende Patienten bereit. »Wir wollen schwerstkranken Menschen eine Stimme geben«, sagt der Palliativpsychologe Dr. Daniel Berthold.

Soll man alle medizinischen Möglichkeiten ausreizen, um Leben zu verlängern oder die Zeit, die noch bleibt, mithilfe der palliativen Medizin in bestmöglicher Lebensqualität verbringen? »Entscheidend ist der Wunsch der Patientinnen«, sagt Julia Albus, Fachärztin für Palliativmedizin. »Wir kommen auf die Station, klären über alle Möglichkeiten auf und bieten unsere Unterstützung an, damit die Betroffenen eine für sie gute Entscheidung treffen können.«

Vor einem Jahr ist der hausinterne Palliativdienst an den Start gegangen und die positive Resonanz aus den verschiedenen internistischen und chirurgischen Abteilungen im Uniklinikum ist groß. Bis zu zehnmal und mehr werden die Kollegen pro Tag von behandelnden Ärzten angefragt, wenn es für Patienten aus medizinischer Sicht keine Heilung mehr gibt und nun die Frage nach dem »Wie kann es weitergehen?« im Raum steht.

Das Team des Palliativdienstes steht dann nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite. »Wir schauen uns mit Patienten genau an: Wie ist ihr oder sein Umfeld zu Hause, wie ist die Versorgungsstruktur? Welche Unterstützung und welche Maßnahmen braucht sie oder er?«, sagt David Hollfoth, Fachpfleger für Palliativmedizin.

Wichtig sei, die Angehörigen zu beteiligen. Psychologin Mirela Sebesta: »Es ist für uns eine wichtige Frage, wie wir durch einen Versorgungsplan Angehörige so weit entlasten können, damit sie Angehörige bleiben und nicht auch noch Pflegende sein müssen.«

Finanziert wird der Palliativdienst in der Anfangsphase über das Forschungsprojekt »AVENUE-Pal«, das sich der Analyse und Verbesserung des Verlegungsmanagements Sterbender widmet (www.avenue-pal.de). »Wir sind sehr froh, dass wir diesen Dienst anbieten können und Teil eines wichtigen Forschungsprojektes sind, das helfen soll, den Umgang mit der letzten Lebensphase vor allem in Bezug auf die Wünsche der Betroffenen nachhaltig zu verbessern«, betont Prof. Ulf Sibelius, Leiter des Schwerpunktbereichs Internistische Onkologie und Palliativmedizin.

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