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Schwer zu fassender Begriff

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Von: Barbara Czernek

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Prof. Franz Josef Wetz © Barbara Czernek

Gießen (bac). Der Hospizverein Gießen begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen und veranstaltete dazu eine Vortragsreihe, die am Donnerstagabend mit einem philosophischen Vortrag von Prof. Dr. Franz Josef Wetz über »Glück, ein zerbrechliches Gut« beendet wurde.

In seinem Vortag näherte er sich dem nur schwer zu definierenden Begriff des Glücks. So stellte er fest, dass viele Philosophen es über Beispiele definierten. Daher verglich er Glück mit Gemüse: »Glück ist wie Gemüse. Das Glück gibt es nicht, wie es nicht ›das Gemüse‹ gibt, sondern immer nur Arten davon. So ähnlich ist es auch mit dem Glück.«

Des Menschen Glückstalent ist begrenzt

Die Menschen würden sich schon seit Jahrhunderten mit dem Begriff befassen und schwertun. Bereits vor mehr als 2500 Jahren hatte sich Aristoteles dem Thema angenommen. Er beschrieb, dass die Menschen nach Glück streben würden, doch das liege nicht allein in der eigenen Macht. So unterschied er zwischen dem subjektiven und dem objektiven Glücksempfinden. Das subjektive Glücksempfinden zeichne sich dadurch aus, dass man sich gut fühle. Dies würde jeder Mensch anders empfinden.

Das objektive Wohlergehen sind die äußeren Lebensumstände wie Vermögensverhältnisse, Haus, Gesundheit, die das Leben bestimmen. Kurz gesagt: Man hat alles zu einem guten Leben. »Allerdings«, so Wetz: »Eines führt nicht zum anderen«. Es gebe so viele Menschen, die materiell eigentlich alles hätten und dennoch unglücklich seien und umgekehrt.

Der Mensch sei aber auf das Streben nach Glück programmiert, er wolle immer mehr, doch das menschliche Glückstalent sei begrenzt. Je besser es dem Menschen gehe, umso mehr benötige er, um glücklich zu sein. »Doch das geht nicht«, betonte er vehement. Kurt Tucholsky habe dies mit der mit Feststellung »Irgendetwas fehlt immer« ziemlich gut auf den Punkt gebracht.

Man muss auch eine Niederlage als solche hinnehmen

Ebenso deutliche Worte fand der Referent zu den Disziplinen der positiven Psychologie und der Glücksökologie. Beide Bereiche stellten das eigene Ich in den absoluten Mittelpunkt. Man selbst habe es demnach in der Hand, glücklich zu sein, man müsse auch eine Niederlage immer als Chance zu sehen. »Das ist Unsinn. Man muss auch eine Niederlage als solche hinnehmen können. Wenn es nur an mir selbst liegt, glücklich zu sein, dann bin auch ich nur alleine für mein Unglück verantwortlich.« Diese Abkoppelung von äußeren Umständen hält er für hochproblematisch, da vieles von indisponiblen, also nicht festlegbaren und frei verfügbaren, Faktoren abhängig sei. »Glück bleibt ein übergeordnetes Ziel des Einzelnen.«

Der gebürtige Gießener Prof. Dr. Franz Josef Wetz war zum wiederholten Male Gast des Vereins. Er studierte Philosophie, Germanistik und Theologie in Mainz, Frankfurt und Gießen. Von 1981 bis 1993 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft der Universität Gießen tätig. Seit 1994 lehrt er als Professor für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd.

Wetz ist Mitglied verschiedener Akademien und im wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Der Wissenschaftler und Buchautor beschäftigt sich mit elementaren Dingen des menschlichen Daseins wie Liebe, Tod und Menschenwürde.

Die Reihe an Vorträgen zum Jubiläum des Hospizvereins soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Weitere Informationen sind zu finden unter: www.hospiz-verein-giessen.de. FOTO: BAC

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