Erntezeit für Erdbeeren: Selberpflücken ist mühsam, aber es lohnt sich. Foto: cg
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Erntezeit für Erdbeeren: Selberpflücken ist mühsam, aber es lohnt sich. Foto: cg

Schweißtreibender Einsatz für Salsa und Darselect

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Ab zehn Kilogramm kosten die Erdbeeren 2,60 Euro pro Kilo, bis zwei kg 3,20 Euro. Wenn das kein Ansporn ist. Aber wie soll das gehen in zehn Minuten? Gar nicht. Deshalb wird nur ein bescheidenes kleines Gefäß gefüllt. Die Früchte in den Reihen hinter dem roten Fähnchen seien reifer und somit süßer als die in vorderen Reihen hatte mir der Verkäufer erzählt, aber schon ziemlich abgeerntet. Das wollen wir doch mal sehen! Zielstrebig mache ich mich auf den Weg ins Feld von Hartmut Grandpierre bei Lützellinden. Es ist die einzige Erdbeerplantage, die zur Stadt Gießen gehört.

Wie war das noch? Vorne Salsa und hinten Darselect oder umgekehrt? Egal, Hauptsache, ich werde fündig und die Erdbeeren schmecken. Es ist nicht viel los an diesem Montag, die Mahnung am Kassenhäuschen, den Abstand zu wahren, muss man wohl eher an den Wochenenden beherzigen. Nicht immer ist das, was einem da so rot entgegenleuchtet, zum Sammeln geeignet. Manche Früchte sind matschig oder von Schnecken angefressen. In die Dose dürfen natürlich nur die Guten, und natürlich muss man zwischendurch immer mal kosten und die Qualität prüfen. Lecker. Süß, fruchtig, aromatisch und kein Vergleich mit der Treibhausware, die es auch im Dezember in den Supermärkten gibt. Ein paar Reihen weiter sind erfahrene Profis am Werk. Ein älteres Paar arbeitet sich schnell und effizient durch die Reihen, die beiden unterhalten sich auf russisch. Vor meinem geistigen Auge sehe ich reihenweise Gläser mit Erdbeermarmelade im Kellerregal, der Lützellindener Sommer wird von vielen Kunden für den Winter eingefangen.

"Puh, das geht ganz schön in den Rücken", klagt eine Frau, während sie ihre Beute zur Waage trägt. "Das muss nicht sein", entgegnet der Verkäufer und zeigt auf die bereits gefüllten Körbchen an der Kasse. Man kann auch pflücken lassen. So wie der Senior, der soeben mit dem Wagen vorfährt. Für ihn und seine Frau sei die eigene Ernte zu mühsam. Sie freuen sich, wenn sie das frische Obst am Stand kaufen können. Lange wird das nicht mehr möglich sein, denn Grandpierre ist selbst im Rentenalter und will nur noch ein oder zwei Jahre Erdbeeren anbauen. Schon jetzt gibt es weniger Felder als noch vor einigen Jahren. Also genießen wir die Früchtchen im Hier und Jetzt. Erst eine Darselect, dann eine Salsa. Und dann noch einmal umgekehrt. (cg)

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