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Die Sparkasse leidet unter der Niedrigzinspolitik. Das Jahresergebnis liegt trotzdem im Plus. FOTO: SCHEPP

Schwarze Zahlen in schweren Zeiten

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Minus-, Null- und Niedrigzinsen sorgen in der Finanzwelt für erschwerte Bedingungen. Das betrifft auch die Sparkasse Gießen. Bei der Pressekonferenz zum Jahresabschluss zogen die Vorstände Peter Wolf und Ilona Roth trotzdem ein positives Fazit und sprachen von einem "soliden Ergebnis".

Die Sparkasse Gießen hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Unterm Strich steht ein Gewinn von knapp 2,4 Millionen Euro und somit ein im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändertes Ergebnis.

Mit einem Zuwachs von über sieben Prozent betrug die Bilanzsumme zum Jahresende 2,4 Milliarden Euro. Das haben der Vorstandsvorsitzende Peter Wolf und seine Vorstandskollegin Ilona Roth am Mittwochvormittag in der Zentrale in der Johannesstraße bekannt gegeben.

Wolf sagte aber auch: "Wir hatten in den Vorjahren schon bessere Ergebnisse."

Keine Zinsen mehr auf Kundeneinlagen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) macht vielen Banken zu schaffen. Die Währungsbehörde hält den Leitzins seit Jahren auf null Prozent. Zudem müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank einlagern. Sparbücher und Tagesgeldkonten werfen im Grunde keine Zinsen mehr ab. Auch bei der Sparkasse Gießen werden seit dem vergangenen Sommer keine Zinsen mehr auf Kundeneinlagen gezahlt. "Als Banker blutet einem das Herz", sagt Wolf, "aber momentan geht es nicht anders." Trotzdem hat sich das Volumen der Kundeneinlagen bei der Sparkasse um 3,3 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro erhöht.

"Wir wollen unseren Kunden Einlagen nicht verbieten", sagte Roth. "Wir können nur offensiv dafür werben, das Geld anders anzulegen." Wer in der heutigen Zeit Rendite erzielen wolle, müsse bereit sein, etwas mehr Risiko zu wagen. Zum Beispiel mit dem Aktienhandel. "Es war ein sehr gutes Börsenjahr mit der besten Wertentwicklung seit sieben Jahren", betonte Roth. Auf Jahressicht habe der DAX 25,48 Prozent an Wert gewonnen, die Depotwerte der Sparkassen-Kunden seien von 646 Millionen auf 725 Millionen Euro gestiegen.

Auch im Kundenkreditgeschäft verzeichnet die Sparkasse ein Wachstum. Denn die Niedrigzinspolitik sorgt auch dafür, dass Kreditnehmer von vergleichsweise günstigen Konditionen profitieren. Laut Roth sind im vergangenen Jahr neue Kredite im Wert von 275,5 Millionen Euro vergeben worden. "Das sind 30 Millionen mehr als im Vorjahr", betonte das Vorstandsmitglied und fügte an, dass das Kreditvolumen insgesamt bei 1,4 Milliarden Euro liege. Hauptwachstumsträger sei mit einer Neuausgabe von 188,5 Millionen Euro eindeutig die Kreditvergabe an im Geschäftsgebiet ansässige Firmen gewesen. Privatkunden hätten für Wohnungsbau und Modernisierungen Kredite im Wert von 87 Millionen Euro aufgenommen.

Ein positives Fazit zogen Wolf und Roth auch für die Bereiche "Private Banking", Immobilienvermittlung, das Auslandsgeschäft, Veranstaltungen und Sponsoring, die Baumaßnahmen und die Bürgerstiftung, über die 2019 erstmals Spenden in Höhe von 9000 Euro ausgeschüttet worden seien.

Die Kunden dürften sich zudem freuen, dass aktuell keine Gebührenerhöhungen geplant sind. Was dem einen oder anderen missfallen wird: Die Anzahl der Standorte ist erneut zurückgegangen. Eine Filiale mit Mitarbeitern und zwei SB-Filialen sind 2019 aufgelöst worden, insgesamt gibt es jetzt noch 30 Filialen plus eine Online-Filiale.

Weniger Filialen, mehr Onlinebanking

Begründet wird diese Veränderung mit dem starken Trend zum Onlinebanking. Oder, wie Wolf es formuliert: "Die Schließung der Filialen findet vorher statt, und zwar durch die Fußmärsche der Kunden." Dennoch betont der Vorstandschef, dass die Sparkasse auch weiterhin im gesamten Verbreitungsgebiet an zentralen Orten vertreten sei.

Die 125 000 Kunden (2000 bis 3000 weniger als im Vorjahr) werden dabei von 465 Angestellten (2019: 483) betreut. Darunter befinden sich 65 Auszubildende. "Wir übernehmen viele unserer Auszubildenden", betonte Roth und fügte an, dass auch die Zukunftsperspektiven im Haus gut seien. Sowohl Roth als auch Wolf sind ein Beleg dafür. Beide Vorstandsmitglieder sind einst bei der Sparkasse in die Lehre gegangen.

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