Schwangere verunsichert

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Die aktuelle Debatte um die verbotene "Werbung" für Abtreibung schlägt sich in der Beratung von Schwangeren nieder. "Manche Frauen sind verunsichert", berichten Christine Karches, Wolfgang Schreiner-Weiß und Ursula Fleckner-Jung von Pro Familia Gießen bei der Vorstellung des Jahresberichts für 2017.

Die aktuelle Debatte um die verbotene "Werbung" für Abtreibung schlägt sich in der Beratung von Schwangeren nieder. "Manche Frauen sind verunsichert", berichten Christine Karches, Wolfgang Schreiner-Weiß und Ursula Fleckner-Jung von Pro Familia Gießen bei der Vorstellung des Jahresberichts für 2017.

Schwangere fragten beispielsweise, ob sie in der Beratungsstelle überhaupt Informationen erhalten oder ob die verurteilte Gießener Ärztin Kristina Hänel noch Abbrüche durchführt. Viele seien erstaunt darüber, dass Abtreibung laut Gesetz verboten, wenn auch bei Beratung straffrei ist. "Wir machen uns große Sorgen", sagt Schreiner-Weiß mit Blick auf das fortgeschrittene Alter der wenigen Ärzte, die den Eingriff in der Region derzeit durchführen. "Nachfolger sind nicht in Sicht." Fleckner-Jung als Vertreterin des Vorstands betont, dass die Gießener Beratungsstelle auf Grundlage des geltenden Rechts informiert – auch wenn der Verein hinter der Forderung des Pro-Familia-Bundesverbands nach Abschaffung der Strafgesetzbuch-Paragrafen 218 und 219 stehe.

Die Schwangerschafts(konflikt)beratung macht fast die Hälfte der Arbeit bei Pro Familia aus. Unter den 523 Klientinnen der Konfliktberatung waren im vergangenen Jahr 54 Teenager, vier der Mädchen waren noch keine 15 Jahre alt. 174 Ratsuchende waren verheiratet. Diejenigen, die sich für einen Abbruch entschieden, nannten als Gründe vor allem Probleme mit dem Partner oder psychische Überforderung, erst dann folgen wirtschaftliche Motive.

Geld reicht mit Mühe für "rote Null"

Insgesamt erreichte der Verein für Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung im vergangenen Jahr 4563 Menschen in den Beratungsstellen Gießen, Wetzlar, Hungen und Herborn. Die Hälfte davon sind Schüler, die mit ihrer Klasse sexualpädagogische Angebote wahrnehmen. Dabei geht es unter anderem um die Vielfalt von sexuellen Orientierungen und der Geschlechter, unterstreicht Karches. "Es gibt nicht nur männlich und weiblich, sondern viel dazwischen – und es gibt Menschen, die sich nicht festlegen möchten." Zur Findungsphase von Jugendlichen seien alle Mitarbeiter weitergebildet worden, sodass sie ihrerseits Seminare für Pädagogen anbieten können.

In der Beratung von Paaren zeige sich immer wieder, "dass man mit Hilfe von außen Auswege aus Sackgassen finden kann", erläutert Schreiner-Weiß. Selbst wenn eine Trennung folgt, helfe die Beratung, die Konflikte zu bewältigen.

Einige erfolgreiche Angebote sind nur auf Zeit als Projekte finanziert – etwa die Gruppen für Täter nach häuslicher Gewalt. "Ich staune manchmal Bauklötze", berichtet Schreiner-Weiß über Erfolge des Trainings. Nach 15 Abenden entschließe sich mancher Teilnehmer zur Therapie – beispielsweise auch Männer aus dem Rockermilieu.

Ebenfalls befristet ist die verstärkte Informationskampagne für Menschen mit Lernbehinderung mit der Aktion Mensch, das Modellprojekt Fachdialognetz für schwangere geflüchtete Frauen oder Schulklassen-Arbeit gegen sexualisierte Gewalt im Lahn-Dill-Kreis. Die Finanzierung sei unzureichend, erklärt Karches. Nur dank immer neuer Projekte gelinge es, "die rote Null nicht allzu sehr zu strapazieren".

Im nächsten Jahr feiert Pro Familia Gießen das 50-jährige Bestehen. Dass viele Menschen gut aufgeklärt sind, sei auch dem Verband zu verdanken, so Karches. Zu allen Fragen rund um Sexualität, Partnerschaft und Familie berät der Verein auch online unter www.profamilia.de oder www.sextra.de. Die Beratungsstelle in der Liebigstraße 9 ist telefonisch erreichbar unter 06 41/7 71 22.

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