Schaustellerin Angelika Scheide hofft auf Kundschaft in den nächsten zwei Wochen. FOTO: MÖ
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Schaustellerin Angelika Scheide hofft auf Kundschaft in den nächsten zwei Wochen. FOTO: MÖ

Schwache Resonanz auf Gießener Hilfsangebot für Schausteller

  • Burkhard Möller
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Es sollte ein Hilfsangebot sein, doch die von der Corona-Krise gebeutelten Gießener Schausteller haben nur sehr zurückhaltend auf die außergewöhnliche Idee der Stadt reagiert.

Gießen(mö). Angelika Scheide rührt und dreht an ihrer Maschine, dann prasseln die gebrannten Leckereien in eine Schale. "Man muss ja sehen, ob man die Handgriffe noch alle beherrscht", sagt die Kleinunternehmerin und lacht dabei. Es ist das erste Mal seit dem Gießener Weihnachtsmarkt, dass sie ihren Verkaufswagen, in dem es Popcorn, gebrannte Mandeln sowie Nüsse gibt, wieder geöffnet hat. Normalerweise hätte sie in den letzten Monaten auf Volksfesten und Märkten in Mittelhessen gestanden, aber dann kam das Coronavirus und streckte ihre Branche darnieder. In der Katharinengasse kann sie jetzt dank der Stadt Gießen und deren Marketinggesellschaft wieder erste Gehversuche unternehmen. "Man muss doch was probieren", sagt die 65-jährige Schaustellerin.

Ihre Kollegen indes reagieren noch ausgesprochen zögerlich auf das kommunale Corona-Hilfsangebot. 14 Standorte für Buden hatte die Stadt in der Fußgängerzone ausgeguckt, um den heimischen Schaustellern angesichts der abgesagten Veranstaltungen Verkaufsmöglichkeiten zu bieten. Neun Interessenten habe es gegeben, von denen letztlicht aber nur vier am Freitag an der Auslosung der Plätze teilgenommen hätten, berichtet Bürgermeister Peter Neidel am Montag. "Vielleicht schauen sich die anderen das erst einmal an und sind in der zweiten Runde dabei", hofft der CDU-Wirtschaftsdezernent.

Damit möglichst viele Unternehmen zum Zuge kommen, hatte sich die Marketinggesellschaft ein Modell ausgedacht, bei dem alle zwei Wochen rotiert wird. Besetzt indes sind am Montag nur die vier Standorte am Marktplatz, im Seltersweg und der Katharinengasse, wo Angelika Scheide steht.

Sie habe zwar Ware eingekauft, aber ansonsten sei ihr Kostenrisiko überschaubar. Anders als zum Beispiel bei einem großen Fahrgeschäft. In der ersten Stunde verkauft sie zwei Tüten gebrannte Mandeln. "Mal sehen, wie sich das Geschäft hier entwickelt", sagt die Fernwälderin, die seit 40 Jahren mit dem Verkaufswagen unterwegs ist.

Bürgermeister Neidel hat nicht die Illusion, dass solche Aktionen wie in Gießen die gebeutelte Branche retten. Die Schausteller lebten von den großen Festen, die noch lange nicht in Sicht seien. "Da muss der Staat finanziell helfen", sagt Neidel.

Überlegungen, auf dem Messeplatz an der Ringallee einen kleinen Rummel zu organisieren, hatten Stadt und Schausteller angesichts weitreichender Restriktionen nicht weiterverfolgt.

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