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Das Gießener Großklärwerk soll für alle Hochwasserfälle gerüstet sein.

Hochwasser-Prävention

Schutz des Gießener Klärwerks hat »oberste Priorität«

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Die Flutkatastrophe in den Flusstälern vom Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat den Hochwasserschutz in den Fokus gerückt. An Verbesserungen der Risikoplanung wurde bereits vorher gearbeitet. In Gießen genießt der Schutz des Großklärwerks »oberste Priorität«.

Wer regelmäßig auf der Westseite der Lahn mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird der große Kanalausfluss auf dem Ostufer schon mal aufgefallen sein. Er führt vom Klärwerk zur Lahn und könnte im Fall eines starken Hochwassers zu einem Risiko für die überaus wichtige Infrastruktureinrichtung werden. Daher wollen die Mittelhessischen Wasserbetriebe (MWB) den Kanal im kommenden Jahr »durch bauliche Maßnahmen verschließen, so dass künftig über diesen Weg keine Flutung des Klärwerks und der umliegenden Flächen mehr stattfinden kann«.

Dies ist eine von mehreren Maßnahmen, die die MWB ergreifen wollen, um den Hochwasserschutz im Stadtgebiet zu verbessern. Der Schutz der Kläranlage vor Überflutung genieße dabei »oberste Priorität«, heißt es in einer Stellungnahme, die die Wasserbetriebe Mitte Juli im Zuge der Fortschreibung des Hochwasserrisikomanagementplans für die Lahn beim Regierungspräsidium abgegeben hatten.

Wieseck stärker berücksichtigen

Wie berichtet, steht die Anhörung von Fachbehörden und Wasserverbänden zu dem Großplan, die bis zum 22. Juli lief, nicht in Zusammenhang mit den Ereignissen an Ahr und Erft, sondern startete bereits im Frühjahr. Es geht um eine länderübergreifende Fortschreibung des Hochwasserrisikomanagements für das Einzugsgebiet des Rheins mit einem Ergänzungsbericht für die Lahn. Auf den 210 Flusskilometern hatten die Experten des Gießener Regierungspräsidiums bei der Erstellung von »Risikokulissen« 32 »Brennpunkte« ausgemacht, davon drei im Gießener Stadtgebiet. Neben dem Bereich des Klärwerks und der Lahnstraße wurden flussnahe Bereiche wie der Inselweg, die Bootshausstraße oder die Schlachthofstraße als mögliche »Brennpunkte« ausgemacht.

Die MWB gaben nicht nur diesen Punkten eine Stellungnahme ab, sondern schlugen auch zusätzliche Maßnahmen vor, die in dem Plan nicht genannt wurden. Vorgeschlagen wird, das Verhältnis zwischen Wieseck und Lahn in den Blick zu nehmen. »Der Rückstau des Hochwasserspiegels der Lahn in die Wieseckmündung und auch die eigene Hochwasserwelle der Wieseck sind aus den Betrachtungen genommen. Sie wirken sich allerdings gravierend auf die Bewertung des Hochwasserrisikos für das Stadtgebiet im Umfeld der Wieseck aus«, argumentieren die MWB. Ferner wird vorgeschlagen, den Schutz des Klärwerks, der im Fall der sogenannten 100-jährigen Hochwasser derzeit gewährleistet sei, auf die noch gravierenderen Extremhochwässer auszubauen.

Fluttor in Sudetenlandstraße?

Dieser Schutz betrifft keineswegs nur die Gießener Stadtbevölkerung, sondern fast 190 000 Menschen, deren Abwässer in der Großanlage an der Lahnstraße eingeleitet und gereinigt werden. Mit über 250 000 Einwohnergleichwerten - eingerechnet sind hier auch noch die am Kanalnetz hängenden Gewerbebtriebe - zählt die Anlage der MWB zur höchsten Klasse 5 in der Kategorisierung von Klärwerken.

Im Zusammenhang mit dem Schutz der Anlage steht auch ein mögliches Fluttor mittels Balkenverschluss für die nahe Unterführung des Gießener Rings (B429). Hier ist bislang eine Sicherung mit Verwallung plus Sandsäcken vorgesegehen. Eine Einbaumöglichkeit für ein Fluttor nach dem Vorbild des Durchstichs zwischen Damm- und Bootshausstraße wollen die MWB nun auch für die Bahnunterführung am Ende der Sudetenlandstraße prüfen. Bisher war für den Fall einer drohenden Überflutung eine Sandsackbarriere vorgesehen.

Eine Schließung der Unterführung hätte laut MWB freilich größere Auswirkungen auf den Verkehr vom Wißmarer Weg in die Innenstadt, der weiträumig oder über den Lichtenauer Weg zur Marburger Straße umgeleitet werden müsste.

Zurückhaltend äußern sich die MWB zum Vorschlag einer Schutzmauer entlang der Schlachthofstraße, die bislang nicht auf der Hochwasserschutz-Agenda gestanden habe. »Der Bereich wird in Augenschein genommen und bewertet«, heißt es in der Stellungnahme.

Weiter sind die MWB bei der Ausweisung zusätzlicher Überschwemmungsgebiete. Drei Flächen werden favorisiert und beim RP zur Genehmigung eingereicht.

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