Seit Montag läuft in Hessen wieder der Unterricht.	Von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Gießen gibt es Kritik.
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Seit Montag läuft in Hessen wieder der Unterricht. Von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Gießen gibt es Kritik.

Schulstart

Corona: Lehrergewerkschaft GEW übt Kritik zum Schulstart in Gießen

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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»Zu wenig Vorgaben. Zu unvorsichtig. Zu viel Risiko.« Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Gießen dem Schulstart in der Corona-Krise.

Gießen - Mit gemischten Gefühlen steht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Gießen dem Schulstart gegenüber. Zwar begrüßt die Lehrervertretung den Beginn des Unterrichts, jedoch werden die Bedingungen für die Schulöffnung skeptisch gesehen. »Zu wenig Vorgaben. Zu unvorsichtig. Zu viel Risiko«, sagen Susanne Arends, Nina Heidt-Sommer und Oliver Klein von der GEW Gießen. Ein normaler Regelbetrieb könne unter den Bedingungen nicht aufrechterhalten werden.

Die Vorsitzenden kritisieren die Landesregierung, die Zeit der Sommerferien nicht genutzt zu haben, um die Einrichtungen auf die Schulöffnungen ausreichend vorzubereiten. Die Schulen würden in vielen Punkten alleinegelassen. Und die getroffenen Regelungen seien »wenig geeignet«, Übertragungen des Coronavirus einzudämmen. »Der Verzicht auf feste Gruppen in der Sekundarstufe sowie die fehlende Planung der Schulwege mit den Schulträgern können zu Ansteckungen mit dem Coronavirus in ganzen Schulgemeinden und darüber hinaus führen.«

GEW Gießen mit Kritik an Schulstart in Corona-Krise: Schulleitungen überfordert

Kritik gibt es auch an Kultusminister Alexander Lorz für dessen »Botschaften bezüglich des Wegfalls des Abstandsgebots«. Ein Mindestabstand im Klassenzimmer von 1,5 Metern sei für den Stopp der Verbreitung des Virus entscheidend, unterstreichen die GEW-Vorsitzenden.

Die Gewerkschafter halten die Digitalisierungspläne der Landesregierung für unzureichend. Es scheitere an der Ausstattung vieler Schulen und Kinder. »Die Situation in diesem Bereich ist teilweise dramatisch«, betonen Arends, Heidt-Sommer und Klein. Sie verweisen außerdem darauf, dass viele Schulleitungen seit Beginn der Pandemie »Im Dauerstress« und mittlerweile überlastet seien. »Sie mussten teilweise an sieben Tagen in der Woche in der Schule anwesend sein. Die ständig neuen Anweisungen des Kultusministeriums, teils mit extrem geringer Vorlaufzeit, stellten die Schulleitungen zusätzlich vor große Herausforderungen.« Dass viele Schulen eine zweiwöchige Ferienakademie anbieten mussten, habe die Situation nicht entspannt.

GEW Gießen mit Kritik an Schulstart in Corona-Krise: Stufenplan gefordert

Skeptisch blicken die Gewerkschafter auf die kommenden Wochen. Sie glauben, dass ein regulärer Unterricht nicht auf Dauer möglich sein wird. So gebe es einige Lehrkräfte, die der Risikogruppe angehörten und nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten. Dass die hierdurch für den Unterricht fehlenden Stunden nach Maßgabe des Kultusministeriums nur zur Hälfte ausgeglichen werden, führe zu einer Ungleichbehandlung zum Schaden von Schülern und Lehrern. »Dem Staatlichen Schulamt ist es ausdrücklich zu verdanken, dass teilweise deutlich mehr Stunden ausgeglichen werden als vom Ministerium vorgegeben wird.«

Die GEW fordert von Kultusminister Lorz nun einen Stufenplan, ab wann vom Regelbetrieb in den eingeschränkten Regelbetrieb und notfalls auch ins Homeschooling zurückgekehrt werden muss. »Dieser Plan muss untermauert werden mit technischer Ausstattung und technischen Formaten, die auch eine Beschulung auf Distanz ermöglichen«, betonen Arends, Heidt-Sommer und Klein.

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