Im Distanzunterricht wünschen sich viele Gießener Schüler alternative Lernkonzepte. Das hat eine Umfrage des Stadtschülerrats ergeben. (Symbolfoto)
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Im Distanzunterricht wünschen sich viele Gießener Schüler alternative Lernkonzepte. Das hat eine Umfrage des Stadtschülerrats ergeben. (Symbolfoto)

Schule im Lockdown

Gießen: Schülerrat kritisiert Schulamt

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Der Stadtschülerrat hat Gießener Schüler gefragt, wie sie mit dem Distanzunterricht zurechtkommen und sich mit rechtlichen Fragen ans Staatliche Schulamt gewendet. Über die Antwort der Behörde sind die Schülervertreter enttäuscht.

Gießen (khn). Der Stadtschülerrat hat Gießener Schülerinnen und Schüler gefragt, wie sie mit dem Distanzunterricht zurechtkommen. In diesem Zusammenhang hatte das Gremium auch rechtliche Fragen ans Staatliche Schulamt geschickt. Die Antwort der Behörde hat die Schülervertreter enttäuscht. Der Vize-Sprecher und Organisator der Umfrage, Paul Bartz, sagt: »Wir fühlen uns nicht ernst genommen.«

Distanzunterricht: So bewertet der Gießener Schülerrat die Situation

Bei der Umfrage ging es vor allem um die technische Ausstattung sowie um die Art des Unterrichts zu Hause. Vor allem die Jahrgänge sieben bis neun hätten angegeben, tendenziell besser zu Hause arbeiten zu können. Der Distanzunterricht finde meistens über etablierte Methoden wie Arbeitsblätter statt. Viele Schülerinnen und Schüler würden sich aber alternative Lernkonzepte wünschen. Lobenswert sei, dass Erklärvideos den Einzug in den Unterricht gefunden hätten. »Aufgaben alleine sind gut zu schaffen, aber Videokonferenzen und die gleiche Menge an Aufgaben parallel sind eine Zumutung«, wird ein Oberstufenschüler zitiert. Es sei noch immer schwer für Lehrkräfte, das richtige Maß an Aufgaben zu finden. Dennoch habe sich die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr »deutlich« verbessert.

Die technische Ausstattung der Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Einrichtungen sei gut. Nur wenigen stünde lediglich das Smartphone für die Arbeit zu Verfügung. Auch eine Internetverbindung sei mehr die Regel als die Ausnahme. Wer dennoch nicht ins Netz kann, könne die digitalen Lernräume der Stadt nutzen. »Dieses Angebot der Stadt ist für uns sehr erfreulich«, betont Bartz.

Ärger über Antwort des Schulamts: Gießener Schülervertreter fühlen sich nicht ernstgenommen

Weil den Stadtschülerrat einige rechtliche Fragen erreichten, leiteten deren Mitglieder diese ans Staatliche Schulamt weiter. Es ging um Videokonferenzen, Anwesenheiten, Arbeitsschutz und Arbeitsformate. Die Antworten des Behördenleiters Norbert Kissel haben die Schülervertreter verärgert. Bartz nennt ein Beispiel: Es gebe die Befürchtung, dass viele Lehrkräfte nur noch am Computer geschriebene Dokumente als Abgabe akzeptierten. Darunter könnte die Schreibschnelligkeit mit der Hand leiden und es zu Problemen bei Klassenarbeiten kommen. Kissel habe in seiner Antwort gefragt, ob »das Schulfach Schönschreiben wieder in den Unterrichtskanon« aufgenommen werden solle.

Es sei beschämend, betont Bartz, dass »wir nicht ernst genommen und bei den meisten Fragen mit der Meinung der Amtsleitung abgespeist« worden seien. Dabei wolle der Stadtschülerrat »gerne aktiv und produktiv mit dem Schulamt zusammenarbeiten«. Aktuell säßen viele Schülerinnen und Schüler sechs bis zehn Stunden am Tag vor dem Computer - wegen vieler Videokonferenzen meistens mehrere Stunden am Stück. »Wir sehen da gesundheitliche Risiken und hofften auch dort auf rechtliche Unterstützung des Amtes. Leider vergebens.«

In einer Antwort, die der Redaktion vorliegt, betont Schulamtsleiter Kissel, er nehme die Anliegen der Schülerinnen und Schüler sehr wohl ernst. Er fordere in der Frage der Handschrift aber die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen ein. Vor allem »mit Blick auf die derzeit ernste Situation, in der sich unsere Welt befindet und in der es größere Probleme gibt«.

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