Sophia Krastev schaut sich ein Haar unter dem Rasterelektronenmikroskop in Marburg an. Die Schülerin untersucht dort, wie Hitze das Haar schädigt.	FOTO: PV
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Sophia Krastev schaut sich ein Haar unter dem Rasterelektronenmikroskop in Marburg an. Die Schülerin untersucht dort, wie Hitze das Haar schädigt. FOTO: PV

Preis gewonnen

Schülerin aus Gießen testet Hitzeschutzmittel für Haare

  • vonSebastian Schmidt
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Eine Schülerin der Liebigschule in Gießen hat Hitzeschutzmittel für die Haare untersucht. Das Ergebnis überrascht - und wird von der Stiftung Warentest mit 2500 Euro belohnt.

Jeder hat mal davon gehört, dass Hitze den Haaren schadet. Föhnen soll nicht so gut sein und Glätten erst recht nicht. Aber was passiert dabei mit dem Haar, und lässt sich das verhindern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Sophia Krastev schon seit mehreren Jahren. Jetzt hat die Liebigschülerin mit ihren Versuchen den ersten Platz im Wettbewerb »Jugend testet« der Stiftung Warentest gewonnen.

Alles habe damit angefangen, dass ihr Vater immer gesagt habe, sie solle nicht mit nassen Haaren herumlaufen und sie föhnen. »Ich hatte aber Angst, dass das schlecht für die Haare ist«, sagt die 17-Jährige. Sie habe dann von Sprays gehört, die die Haare vor Hitze schützen sollen und wollte wissen, wie die funktionieren. In ihrer Schule gibt es ein naturwissenschaftliches Wahlfach mit eigenen Projekten. Zusammen mit einer Klassenkameradin habe Krastev sich in diesem Kurs dann genauer mit den Hitzeschutzmitteln befasst.

Drogerieprodukte wirken nicht

»Ich habe in der Stadt in den Drogeriemärkten geschaut, was es so gibt und was da drin ist«, erklärt die Schülerin. Dann habe sie im Internet Echt-Haar-Extensions gekauft und an denen die Mittel getestet - mit überraschendem Ergebnis. Krastev erklärt: »Die Produkte wirken einfach nicht.« Sie glaubt, das liege daran, weil die Mittel zu großen Teilen aus Duft- und Konservierungsstoffen bestehen und der eigentliche Wirkstoff nur einen kleinen Teil ausmache. »Die Kunden kaufen die Produkte aber wegen des Geruches«, vermutet sie. Ihre Klassenkameradin und Krastev haben dann 2019 mit ihren Tests bei »Jugend forscht« mitgemacht und den zweiten Platz erzielt. Der Preis hat den beiden dann ermöglicht, noch tiefer in die Materie einzusteigen. »Wir haben die Möglichkeit gewonnen, unsere Haarproben unter einem Rasterelektronenmikroskop zu untersuchen«, sagt sie. Damit könne man die Haarstruktur sehr genau anschauen.

Da ihre Partnerin weggezogen sei, habe sie sich von da an alleine um das Projekt gekümmert. Für die Versuche unter dem Rasterelektronenmikroskop habe sie zahlreiche Proben vorbereitet. Die Haare wurden mit den unterschiedlichen Mitteln behandelt, teilweise geföhnt, teilweise geglättet - und teilweise beides. Dort habe sie dann sehen können, was unter Hitzeeinwirkung mit dem Haar passiert.

Die 17-Jährige erklärt: »Unter dem Mikroskop sieht man eine Schuppenstruktur um die Haare herum. Hitze brennt diese Schutzschicht weg, und nur das Innere bleibt übrig.« Die Folge sei, dass die Haare dünn und spröde werden. Und das geschehe zum Teil schon beim Föhnen. Mit dem Glätteisen brenne man aber viel mehr von dieser Schicht weg. »Es gibt auch einen großer Temperaturunterschied zwischen den 50 Grad des Föhns und den 180 Grad eines Glätteisens«, erklärt Krastev.

Dann beginnt ihre Suche nach einem besseren Mittel. Fest steht für die Schülerin, dass sie ausschließlich Naturkosmetik verwenden wolle. Inspiriert durch die Drogerie-Produkte, experimentierte sie mit Öl. »Das legt sich um das Haar und verhindert beim Erhitzen, dass die Feuchtigkeit austreten kann«, erläutert die Schülerin. Am Anfang habe sie aber zu viel Öl benutzt. Sie musste erst die richtige Dosis finden. Zu wenig und es hat nicht geholfen, zu viel und das Haar hat fettig ausgesehen.

Eigenentwicklung für die Haarpflege

Krastev hat dann ihr eigenes Haarschutzmittel untersucht, genauso wie die anderen zuvor, und es schnitt besser ab. Wie die Schülerin diese Tests durchgeführt hat, hat auch die Stiftung Warentest überzeugt. Sie hatte ihren Versuch nämlich beim diesjährigen »Jugend testet«-Bewerb eingereicht und damit den ersten Platz und 2 500 Euro gewonnen. Das habe sie sich nicht träumen lassen, sagt sie. »Ich bin immer noch baff, dass das geklappt hat.« Angespornt von dem Sieg, will sie auch weiter forschen. Krastev erzählt: »Ich würde gerne ein eigenes Haarpflege-Mittel entwickeln.«

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