Winterspaziergang mit viel grau, braun und einem Tupfer schwanenweiß. 	FOTO: CG
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Winterspaziergang mit viel grau, braun und einem Tupfer schwanenweiß. FOTO: CG

Schrumpfende Schneemännchen und stolze Schwäne

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Auf der Wiese sehen zwei kniehohe Schneemännchen ihrem baldigen Ende entgegen. Nicht mehr lange, und sie werden eins sein mit dem Matsch. Spaziergängern, die in diesen Tagen im Bereich des Felsenwegs an der Lahn unterwegs sind, geht es nicht viel anders. Die schlammigen Wege sind nur mit Gummistiefeln gut passierbar. »Für Fußgänger und Radfahrer auf eigene Gefahr«, steht vorsichtshalber auf einem Schild. Und damit man nicht auf die Idee kommt, sich an die Uferkante zu begeben, kommt gleich ein Verbot des Wasser- und Schiffahrtsamtes Koblenz hinterher. »Betriebsgelände. Benutzen und Betreten verboten«. Alles nicht sehr einladend. Statt grüner Idylle wie im Sommer ist man von winterlicher Tristesse in grau und braun umgeben. Einzig die beiden Schwäne, die scheinbar ziellos im eisigen Wasser unterwegs sind, bilden mit ihrem schneeweißen Gefieder eine Ausnahme.

Die Gartenhütten, sonst lauschige Plätzchen und Rückzugsorte der Städter, liegen verlassen da. Doch hier und da blinkt eine Lichterkette und steigt Rauch aus den Schornsteinen auf. Offenbar funktioniert der Rückzug auch im Winter. Wo kein gnädiges Sommergrün die Sicht versperrt, gibt es interessante Einsichten. Gerümpel, alte Boote, ausrangierte Fahrzeuge. Ein bemooster Wohnwagen geht schon lange nicht mehr auf große Fahrt, auch wenn »Safari« darauf steht. Vor einem Häuschen liegen Flaschen kreuz und quer auf der Terrasse, hier sieht es nach Party aus. Nebenan wurde ebenfalls gefeiert, auch hier hatte keiner Lust aufzuräumen. Anders sieht es bei den Dauerbewohnern aus, hier stehen die Mülleimer ordentlich am Weg, die Gärten sind gut in Schuss. Mancherorts sind sie sogar geschmückt mit Oster-, Herbst- und Weihnachtsdeko gleichzeitig. Das ist praktisch, denn irgendetwas passt immer.

Zwei wütende Hunde rasen über ihr Grundstück und verbellen Passanten. Es wäre ein Kinderspiel für sie, einen Satz über den Zaun zu machen. Sie tun es zum Glück nicht, sondern erledigen nur ihren Job und ziehen sich grummelnd zurück. Zeit für den Rückweg. Auch die Schwäne kehren um. Aufrecht und stolzen Blicks gleiten sie vorüber. Bis auf die Wachhunde, einen Jogger und eine ältere Dame mit Dackel sind sie die einzigen Begegnungen an diesem düsteren Nachmittag. Die schrumpfenden Schneemännchen kann man schon nicht mehr mitzählen. (cg)

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