Wort zum Sonntag

Schreck lass’ nach

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An unseren Türen wird es wohl weniger oft klingeln an diesem 31. Oktober als in den Jahren zuvor. Nur vereinzelt werden wir furchterregend verkleideten und geschminkten Kindern begegnen, die an Halloween durch die dunklen Straßen ziehen. In diesem Jahr müssen die Kinder auch gar nicht die Rolle übernehmen, uns mit den Gestalten des Schreckens zu konfrontieren. Corona selbst klopft an die Tür und rückt uns auf die Pelle. Die Pandemie lässt nicht locker. In diesem Jahr ist es kein Spiel, sondern bitterer Ernst, dass wir uns wünschen: Schreck lass nach.

Am 31. Oktober feiern evangelische Christinnen und Christen den Reformationstag. Vor über 500 Jahren begriff Martin Luther den Glauben ganz neu und brachte die Reformation ins Rollen. Der Anlass war, dass Luther die Kraft solcher Albträume selbst allzu gut kannte. Wie so viele trieben ihn Höllenängste um, mit denen damals nicht zuletzt die Kirche ihr Spiel und ihren Kommerz trieb. Und dann erkannte er: Im Letzten brauche ich nichts zu fürchten, weil ich von Gott angenommen bin und ganz zu ihm gehöre. Kein Schrecken, keine Macht, keine Gewalt kann mich unterdrücken und knechten. Das war der Durchbruch zu einem tragenden Glauben, zu einer tiefen Freiheit und zu einer Haltung, die Verantwortung für andere übernimmt.

Das Dunkle und Unbegreifliche war für Luther damit nicht einfach verschwunden. Und nun ist der Schrecken im Leben und Zusammenleben groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es ist mühsam, auf so vieles verzichten zu müssen. Aber so schrecklich und so mühsam es ist, gilt uns die Zusage, mit der Luther damals das Entscheidende neu begriffen hat. Sie steckt im Satz, der von Paulus stammt und in der Bibel steht. "Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus lebendig ist."

André Witte-Karp Dekan, Ev. Dekanat Gießen

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