+
Mut machender Gruß von der Autobahnbrücke: Leon, Cecilia Sweitzer und Pia aus der Agnes-Neuhaus-Schule erfreuen am Bergwerkswald Brummifahrer und Co. FOTO: MÖ

Gießener Ring

"Schön, dass es Dich gibt": Kinder danken Brummifahrern

  • schließen

Schlechte Stimmung wegen Corona? Nicht mit den Kindern und Jugendlichen des Gießener Sprachheilzentrums. Von einer Auitobahnbrücke aus verpassen sie Motivationsspritzen

Gießen(mö). "Tööööööt, töööööt, tööööööt." Und schon ist der 40-Tonner unter der Autobahnbrücke am Bergwerkswald hindurchgedonnert. Auch der nächste Lkw-Fahrer betätigt sein Signalhorn, der nächste tut es ihm nach, dazwischen klingt das Hupen vieler Pkw. Vielleicht bringen sie Lebensmittel nach Wetzlar, Siegen oder Dortmund. Oder sie sind unterwegs zur nächsten anstrengenden Schicht ins Universitätsklinikum. Von oben gibt es an diesem Tag Motivationsspritzen.

"Echt cool war das", freut sich Cecilia Sweitzer über die Reaktionen auf eine Aktion, die sich die Logopädin aus dem Sprachheilzentrum sowie die Jugendlichen Pia (14) und Leon (10) aus ihrer Wohngruppe ausgedacht hatten.

Am Freitag vor einer Woche steht das Trio am frühen Nachmittag dauerwinkend auf der Brücke, unter ihnen rauscht der Verkehr auf der Autobahn Richtung B 49/Abfahrt Uniklinikum. In der Hand halten die drei ein Plakat mit der Aufschrift "Schön, dass es Dich gibt". Viele Auto- und vor allem Lkw-Fahrer reagieren offenkundig begeistert.

In den Tagen davor - es war die Woche nach dem ersten "Shutdown" - seien sie am Bergwerkswald spazieren gegangen. "Wir hatten den Eindruck, dass die Stimmung negativ ist und viele Leute bedrückt sind", erzählt Cecilia Sweitzer. Sie hätten sich dann spontan auf die Brücke gestellt und den Autofahrern zugewunken. "Da waren wir schon erstaunt, wie viele zurückgewunken und gehupt haben", erinnert sich die Therapeutin. Auf dem Rückweg ins Sprachheil- und Förderzentrum kam ihnen die Idee, ein Transparent als Mutmacher in einer für viele nicht einfachen Zeit zu gestalten. "So kann man Dankeschön sagen und hält den vorgeschriebenen Abstand zu den Menschen locker ein", sagt Sweitzer und lacht.

Kinder können nicht nach Hause

Das Sprachheil- und Förderzentrum in der Adolf-Kolping-Straße mit der angegliederten Agnes-Neuhaus-Schule am Rande des Wohngebiets Schlangenzahl wird vom Sozialdienst Katholischer Frauen betrieben. In dem Zentrum werden rund 40 Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerung und Lernbeeinträchtigung stationär in kleinen Wohn- und Lerngruppen betreut. Im Moment findet der Unterricht wegen der Corona-Pandemie nicht oder nur eingeschränkt statt. "Wir haben jetzt viel Zeit und sind oft mit den Kindern draußen", berichtet Cecilia Sweitzer.

Auch für die Kinder und Jugendlichen sei es eine harte Zeit, denn viele müssen jetzt viel länger als geplant im Sprachheil- und Förderzentrum bleiben, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Eine Infektion könnte eine Schließung der Einrichtung nach sich ziehen.

Mit der Situation gingen die Schüler/innen aber erstaunlich gelassen um. Cecilia Sweitzer sagt: "Ihre Lebensfreude lassen sie sich nicht nehmen. Unsere Kinder sind Mutmacher."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare