Fast 150 dieser Verteilerkästen fürs Vectoring-Netz wurden in Gießen (hier am Theaterpark) aufgestellt.
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Fast 150 dieser Verteilerkästen fürs Vectoring-Netz wurden in Gießen (hier am Theaterpark) aufgestellt.

Schnelles Internet: 40 000 Haushalte vor Anbindung

Gießen (mö). Sie sind in letzter Zeit aufgefallen im Stadtbild, die vielen kleinen Baustellen am Straßenrand. Damit soll bis Ende Mai Schluss sein, denn bis dahin will die Telekom die Bereitstellung von schnellem Internet im sogenannten Vectoring-Verfahren in der Region Gießen abgeschlossen haben.

Rund 40 000 Haushalte und Unternehmen könnten davon profitieren, informierte Harald Ortmann, Regionalleiter Produktion der Telekom, am Montag bei einem Pressetermin im Rathaus. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz nannte den zweiten Bauabschnitt des Netzausbaus einen »Riesenschritt« zur Modernisierung der Gießener Internet-Infrastruktur.

Mit dem Ausbau stehen den Netznutzern in der Kernstadt von Gießen, in Kleinlinden, Wieseck und Petersweiher künftig Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde zur Verfügung, erklärte Ortmann. In Kleinlinden und der Kernstadt stehe das neue Netz bis Mitte April zur Verfügung, den restlichen Bereichen in der Kernstadt von Gießen, in Ursulum und in der Siedlung Petersweiher bis Ende Mai. Insgesamt seien rund 100 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und fast 150 Multifunktionsschaltkästen errichtet worden. Diese Gehäuse sind die Schnittstellen zwischen den Hausanschlüssen aus Kupfer und dem schnellen Glasfaserkabel und werden miteinander verspleißt.

Einige kleinere Gewerbegebiete, deren Anschluss für die Telekom nicht rentabel ist, will die Stadt über das Verfahren des Landkreises zum Breitbandausbau anbinden. »Wir haben uns an der Ausschreibung beteiligt«, sagte Wirschaftsdezernentin Astrid Eibelshäuser. Für diese Versorgung stehen im Stadthaushalt 350 000 Euro zur Verfügung. Die SPD-Stadträtin, zugleich Schuldezernentin, hat als weiteres Ziel den Anschluss der städtischen Schulen ans schnelle Internet ins Auge gefasst. Vor allem für die großen Einrichtungen sei eine leistungsstarke Internetverbindung interessant.

Info-Veranstaltung
Die Telekom führt in nächster Zeit einige Informationsveranstaltungen zum Internet-ausbau durch. Am kommenden Donnerstag (14. April) wird im Bürgerhaus Kleinlinden im Rahmen einer Versammlung ab 19 Uhr informiert. Am 17. Mai (Dienstag) findet eine Info-Veranstaltung im Bürgerhaus von Pohlheim-Hausen statt. Diese Veranstaltung richtet sich auch an die Bewohner der Gießener Siedlung Petersweiher. Sprechstunden hält das Unternehmen am 20. April (Mittwoch) im Bürgerhaus Kleinlinden (14 bis 18 Uhr) ab, in Hausen (Bürgerhaus) am 23. Mai (Montag) von 14 bis 18 Uhr ab.

Um in den Genuss des schnellen Netzes zu kommen, müssen Internetnutzer einige Veränderungen an ihrer eigenen Infrastruktur vornehmen. Darüber will das Unternehmen bei einigen Informationsveranstaltungen in nächster Zeit informieren.

Vectoring nicht unumstritten

Wie Telekom-Vertreter Ortmann betonte, stelle sein Unternehmen zwar die Infrastruktur zur Verfügung, dies führe aber nicht zwangsläufig zu einer Monopolstellung. Wenn andere Anbieter Netzkapazitäten bei der Telekom einkaufen, könnten auch deren Kunden in der Gießener Region vom schnellen Netz profitieren.

Vectoring ermöglicht selbst bei alten Kupferleitungen eine Datenübertragungsrate von bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Kritiker monieren, dies sei nur dann realisierbar, wenn ein einziger Telekommunikationsanbieter die Leitungen nutze, damit eine Störsignalreduktion überhaupt möglich sei. Obgleich die Bundesnetzagentur eine Gefahr der Wettbewerbsverhinderung in einer aktuellen Entscheidung verneint, sehen dies Mitbewerber der Telekom anders: So werde Vectoring exklusiv dem früheren Staatsunternehmen übergeben. Kritik kam in den letzten Tagen auch von Baden-Württembergs Verbraucherschutzminister Alexander Bonde (Grüne). Er argumentiert, dass die Aufrüstung alter Kupfernetze den nötigen Glasfaserausbau verhindert.

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